100 Jahre

Joseph Beuys und die Hasen

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In einer Galerie sind neue Bilder ausgestellt. Drinnen: keine Besucher, sondern nur Beuys selbst, der einem toten Hasen seine Werke erklärt. Welche Bedeutung haben Hasen für Beuys?

1965 in Düsseldorf: in einer angesagten Galerie sind neue Bilder von Joseph Beuys ausgestellt. Das kunstbeflissene Publikum eilt zur Vernissage, aber niemand darf hinein in die Galerie. Die Besucher dürfen lediglich von draußen durchs Fenster zuschauen, wie Beuys in der Galerie "einem toten Hasen die Bilder erklärt“.

Beuys ohne seinen Hut

Beuys hat für diese Aktion sogar seinen Hut abgenommen, seinen Kopf komplett mit Honig und Blattgold eingeschmiert. Er trägt den toten Hasen drei Stunden lang auf dem Arm und erklärt ihm seine Bilder, eines nach dem anderen, manchmal kriecht Beuys mit dem Hasen auf dem Boden herum.
Das Kunst-Publikum ist begeistert von dieser Aktion, Durchschnittsbürger aber fassen sich nur an den Kopf und fragen: Was soll der Quatsch?

Viele Jahre später gab Joseph Beuys in einer Fernseh-Talkshow einen Einblick, was er sich gedacht hatte bei der Aktion: "Diese Aktion hat ja stattgefunden an einem Datum, als die Menschen schon ein Bewusstsein hatten von den ökologischen Schäden, die Menschen anrichten."
Beuys war damals also schon ein Kämpfer für Umweltschutz und wirft den Menschen vor, die Natur zu zerstören:

»Das heißt, sie töten Hasen. Sie töten aber auch Böden. Sie töten die Wälder durch ihre Produktionsweise.
Das ist ja das ökologische Problem.«

Beuys sprach damals schon, vor vielen Jahrzehnten, wie die Klima-Aktivistin Greta Thunberg heute spricht: Die Menschen machen alles kaputt. Und er warnt: Damit begehe der Mensch auf Dauer gesehen Selbstmord, schließlich seien wir doch alle ein bisschen Hase.
"Und wenn ich das sage, dass ein Hase etwas verstehen muss, dann weiß ich doch, dass ein Hase und mit ihm die Natur ein Organ des Menschen sind, ohne dass der Mensch nicht leben kann. Das heißt, der Mensch braucht als Lunge den Wald als Sauerstoffquelle. Er braucht als Nahrung das Korn. Also, da er das alles braucht, braucht er diese Natur und auch das Tier wie er sein Herz braucht, wie er seine Leber und seine Lunge braucht."
Der Hase als Symbol für die Natur, für das Leben. Und er ist noch mehr: Der Hase ist Symbol für den Frieden.

Beuys und sein Friedenshase

Dass der Hase für Beuys ein Zeichen für Frieden darstellt, zeigte er bei seiner Aktion auf der dokumenta in Kassel 1982: Er nahm eine originalgetreue, goldene Nachbildung einer Krone des Zaren Iwan dem Schrecklichen, schmolz diese mit Hilfe eines Bunsenbrenners ein und goss aus dem Gold einen Hasen.


»Wir werden also hiermit den Hasen zum Friedenssymbol machen. Wir machen ihn zum Friedenssymbol.«


Josef Froehlich, ein Fabrikbesitzer und Kunstliebhaber aus Leinfelden-Echterdingen, war regelrecht verknallt in den Friedenshasen und wollte ihn unbedingt haben. Er zahlte 230.000 D-Mark für den Hasen und schenkte das Kunstwerk später der Staatsgalerie Stuttgart. Dort ist der goldene Friedenshase von Beuys seither zu sehen im Stahl-Safe hinter Panzerglas, eingemauert in die Wand.

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Bildergalerie

Joseph Beuys: Fett, Filz und Kunst

Joseph Beuys war ein deutscher Aktionskünstler und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Die einen feiern ihn als wichtigsten Künstler der jungen Bundesrepublik, andere beschimpfen ihn als Spinner. Beuys arbeitete vor allem mit Filz und Fett, seltener mit Farbe und Leinwand. Ist das Kunst oder kann das weg?  mehr...

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