Der Künstler: ein Schamane?

Beuys und die Blutsbrüderschaft

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Joseph Beuys war ein ganz besonderer Künstler. Er war, so sagen viele, ein "Schamane". Wenn er mit Hasenblut malte oder Bienenwachs und Fett in seinen Plastiken verarbeitete, wollte er damit die Menschen therapieren. Sie sollten die natürliche Kraft und die Energie spüren, die im Hasenblut oder im Bienenwachs schlummern.

Beuys Hase als Friedenssymbol

Solche Kraft soll auch der "Friedenshase" spenden, den Beuys im Jahr 1982 auf der Kunst-Ausstellung documenta in Kassel schuf. Beuys schmolz damals die Nachbildung einer Zarenkrone von Iwan dem Schrecklichen ein und goss aus dem gewonnenen Gold einen Hasen: so wurde aus dem Herrschafts-Symbol ein Friedenssymbol.

Der Kunstsammler und Fabrikbesitzer Josef Froehlich aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart war angetan von diesem Kunstwerk und wollte den Friedenshasen unbedingt haben. Josef Froehlich handelte mit Beuys einen Preis aus – die beiden verstanden sich prima.

Joseph Beuys gewinnt einen Blutsbruder

»Nachdem ich den Hasen gekauft habe, nachdem das Geschäft sozusagen perfekt war, sagte Beuys: Jetzt trinken wir Blutsbrüderschaft. Ich sag 'ja', dann haben wir eine Flasche Schampus aufgemacht und dann holte er ein kleines Fläschchen aus seiner Westentasche und tröpfelte einige Tropfen Hasenblut hinein. Dann haben wir getrunken und das war Blutbrüderschaft. Ich war sehr überrascht.«

Josef Froehlich hatte für den Friedenshasen mehr als 200.000 D-Mark bezahlt. Geld, das Beuys in Absprache mit Kunstsammler Froehlich in ein neues Projekt investierte, nämlich in das Projekt "Stadtverwaldung" - also nicht "Stadtverwaltung" mit "t", sondern "Stadtverwaldung" – mit "d" geschrieben.

Beuys will den Wald in die Stadt holen

Beuys wollte den Wald, die Natur, zurück in die Stadt holen und fing in der documenta-Stadt Kassel an: Dort ließ er insgesamt 7.000 Bäume pflanzen – vor dem Museum, in Parks, in Wohngebieten, entlang einiger Straßen - überall.
Die Bäume wachsen heute noch in Kassel und machen die Stadt grüner – ein Großteil dieser Bäume wurde finanziert vom Kunstsammler Josef Froehlich aus Leinfelden-Echterdingen.  

Den "Friedenshasen" hat Josef Froehlich der Staatsgalerie Stuttgart gestiftet – dort ist er im Beuys-Raum zu sehen.

Kunst soll zum Nachdenken anregen

Der Friedenshase und das Projekt "Stadtverwaldung" sind   zwei Kunstprojekte von Beuys, deren Sinn sich vergleichsweise leicht erschließt. Wenn Beuys hingegen einen Klumpen Fett in eine Ecke schmiert oder Filzmatten an die Wand hängt, dann fragten sich schon zu seinen Lebzeiten die meisten Betrachter: "Was soll das? – Ich versteh das nicht!" -  Und Joseph Beuys pflegte zu antworten:

»Nun muss ich allerdings sagen, dass ich es nicht als Aufgabe der Kunst ansehe, etwas zu machen, was man verstehen kann. Die Kunst hat eben die Aufgabe der Weckung der kreativen Zentren, die im Menschen noch schlummern.«

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Bildergalerie

Joseph Beuys: Fett, Filz und Kunst

Joseph Beuys war ein deutscher Aktionskünstler und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Die einen feiern ihn als wichtigsten Künstler der jungen Bundesrepublik, andere beschimpfen ihn als Spinner. Beuys arbeitete vor allem mit Filz und Fett, seltener mit Farbe und Leinwand. Ist das Kunst oder kann das weg?  mehr...

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