Beuys als Vordenker der Grünen

"Das war so eine Art Woodstock der Ideen"

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Joseph Beuys hat sich gern in die Politik eingemischt, er hat für den Bundestag kandidiert und bei mehreren Parteien mitgewirkt – mit dem für ihn typischen Selbstbewusstsein des Weltverbesserers: 

"Ich nenne es nicht Politik, ich nenne es die Rettung der Menschheit."

Beuys als Geburtshelfer der Grünen

Schon 1976 stand er auf dem Stimmzettel für die Bundestagswahl – damals als Kandidat der "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher", einer Splitterpartei vom rechten Rand, die in den 70er Jahren zur politischen Heimat vieler Umweltschützer wurde und die später tatsächlich in der neuen Partei "Die Grünen" aufging.  

Beuys gehörte zu den Vordenkern, die so eine Art Wahlprogramm für die Grünen ausgetüftelt hatten – nach ewig langen Diskussionen, vor allem in Achberg im Kreis Ravensburg.

"Das war so eine Art Woodstock der Ideen"

Dort, mit Blick auf den Bodensee, hatten sich früher Jahr für Jahr Umweltschützer und Anthroposophen in einem Sommer-Camp getroffen – 400 meist junge Leute und Beuys war immer dabei. 

Sie alle waren sich einig: Die Menschheit darf so nicht weitermachen, mit grenzenlosem Wachstum und Umweltzerstörung. Die Grünen sollten gegensteuern – als "Anti-Parteien-Partei" – mit Beuys als prominentem Namen auf dem Wahlzettel:  

Johannes Stüttgen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Museum Ulm)
Das Wahlplakat aus dem Jahr 1979 mit einem Motiv von Joesph Beuys und seiner Unterschrift. Museum Ulm

Es ging gut los mit der Europawahl 1979 damals : Drei Prozent - das reichte zwar nicht, um ins Parlament einzuziehen, gab der grünen Bewegung aber Mut.  

Beuys als Erfinder der "grünen Sonneblume"

Ein paar Monate später, im Januar 1980, ist Beuys dabei, als sich in Karlsruhe die Grünen als bundesweite Partei gründen. Beuys hatte auch für die Idee geworben, die Partei nach der Farbe "grün" zu benennen und die Sonnenblume als Symbol auf Plakaten zu verwenden.  

Als die Grünen immer mehr Zuspruch bekamen und Chancen hatten, in die Parlamente einzuziehen, stand Joseph Beuys nicht mehr oben auf der Kandidatenliste, denn da, so erzählt Weggefährte Rainer Rappmann...

"… ist er schon von bestimmten Leuten nach außen gedrängt worden, weil sie gesagt haben: Du bist der Bürgerschreck, Du kostest uns stimmen."

So wild und unangepasst die Grünen in ihrer Anfangszeit auch waren mit ihren Latzhosen und den Blumentöpfen auf den Abgeordnetenbänken – einen unberechenbaren Happening-Künstler wie Beuys wollten sie dann doch lieber nicht dabeihaben.

Joseph Beuys blieb zwar bis zu seinem Tod Mitglied der Grünen, seine Karriere als Politiker aber war schon zu Ende, als die Grünen so richtig anfingen, Politik zu machen.

100 Jahre Joseph Beuys Ist das Beuys oder kann das weg?

Die einen feiern ihn als wichtigsten Künstler der jungen Bundesrepublik, andere beschimpfen ihn als Spinner. Joseph Beuys arbeitete vor allem mit Filz und Fett, seltener mit Farbe und Leinwand. Die einen sind verzückt, wenn sie ein Werk von Beuys betrachten. Andere fragen: Ist das Kunst oder kann das weg?  mehr...

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