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Viele Stars haben mal klein mit Coverversionen großer Hits angefangen. Andere Songs dagegen wurden erst große Hits, als sie gecovert wurden.

“Papa, das sind die Falschen“, sagte die Tochter entsetzt. Sie saß mit ihrem Vater Mitte der 90er Jahre vor dem Fernseher und sahen und hörte die Bee Gees mit ihrem Song "How deep is your love“. Die Tochter kannte die Bee Gees nicht, denn als die 1977 ihren Superhit “How deep is your love” hatten, war das Mädchen noch gar nicht geboren. Aber das Lied, das kannte sie! Gesungen von einer Band, in die in den Neunzigern fast alle Mädchen verliebt waren: Take That. Das waren damals in den Augen vieler Teenager die Richtigen, um dieses Lied zu singen – auch wenn der Papa irgendwas von “nicht Original“ und “geklaut” redete...

Auch Udo Lindenberg covert

Udo Lindenberg (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Natürlich hat Udo Lindenberg viele seiner größten Hits selbst geschrieben oder war Mitautor. Aber auf der LP "Rock Revue" aus den späten 70ern ließ Udo bekannte englische Hits Revue passieren - und sang sie auf Deutsch. “Sympathy for the devil” von den Stones, oder “We gotta get out of this place” von Eric Burdon und den Animals. Letzteres hieß bei Udo: "Verdammt, wir müssen raus aus dem Dreck". Aus "Penny Lane" machte er “Reeperbahn“ und aus “Sittin On The Dock Of the bay” von Otis Redding “Ich sitz den ganzen Tag am Hafen“.

Bob Dylan inspiriert zahlreiche Künstler

Einer der am häufigsten gecoverten Songschreiber ist Bob Dylan. Sein Musikstil mit Gitarre, Mundharmonika, seiner unvergleichlichen Näselstimme und den gehaltvollen Texten inspirierte viele Musiker. Unter anderem Joan Baez, BAP, Tom Petty, die Red Hot Chili Peppers, Stevie Wonder oder U2 coverten Dylans Songs.

Cover berühmter als das Original

“When you say nothing at all” von Ronan Keating war mal ein Nummer 1-Hit. Diese Version ist aber nicht das Original, sondern ein Cover - zuerst gesungen wurde der Titel von einem Countrysänger namens Keith Whitley. Das Original kennt allerdings kaum jemand. Dass ein Cover erfolgreicher wird als das Original passiert sogar ziemlich oft. Unter anderem war das auch bei "Tainted Love“ der Fall: das Original stammt von Gloria Jones, aber erst durch Soft Cell wurde der Song zum Hit.

"The Who"-Gitarrist hätte gern mehr gecovert

Fast jede Band spielt am Anfang ihrer Laufbahn erst einmal Musik von anderen Musikern nach, bevor sie ihre eigene Musik komponiert. Auch The Who - eine der größten Rockbands aller Zeiten - hat so angefangen.

Keith Moon (l-r), Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle von der Rockgruppe The Who lehnen lässig mit dem Rücken an einer Wand. Sie haben ihre Arme in den Hosentaschen oder vor der Brust verschränkt. (Foto: picture-alliance / dpa)
07.09.1978, Großbritannien, London: Keith Moon (l-r), Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle von der Rockgruppe The Who.

"Ich denke, jede Band startet als Coverband. Jeder beginnt damit, Songs von anderen zu spielen. Ich hätte gerne mehr davon gemacht.“

Pete Townshend, Gitarrist von "The Who"

Gitarrist Pete Townshend erzählte Jahrzehnte später, er hätte gerne mehr gecovert. Aber dann kamen The Who wohl "My Generation", "Tommy" und die anderen Hits dazwischen.

Andere Bands bleiben dagegen für immer Coverbands. Sie werden gerade dafür gebucht, dass sie alle möglichen Hits im Repertoire haben – und sind damit erfolgreich. Manchmal sogar über ein halbes Jahrhundert! Zum Beispiel die Herren der Freiburger Band Soundedge. Sie spielen Cover von den Beatles, Chuck Berry oder Free.

Welche (Pop-)Songs werden am meisten gecovert?

Die Frage, welche Musiktitel am häufigsten gecovert werden, lässt sich nicht seriös beantworten. Es gibt keine Datenbank, die alle jemals gespielten Coverversionen vollständig erfasst. Alle Zahlen sind deshalb Mindestwerte.
Ganz vorne dürfte aber der Song "Summertime“ liegen - George Gershwin komponierte ihn 1934 für seine Oper "Porgy and Bess". Mehrere 10.000-mal wurde der Titel gecovert, unter anderem von Janis Joplin – er zählt allerdings zur E-Musik und nicht zu Pop oder Rock.

Dort ganz vorne mit dabei ist "Highway to Hell" mit mindestens 184 Coverversionen, bei denen der Hardrock-Fan aber zum Teil sehr tapfer sein muss (wie beispielsweise eine Western-Version). Noch öfter wurde "Knockin' on Heavens Door" von Bob Dylan gecovert - mit über 330 Versionen. Aber am häufigsten wurde – zumindest laut dem Guinness Buch der Rekorde – ein Titel der Beatles nachgespielt: Yesterday! Das Guinness Buch der Rekorde geht von über 2.000 Coverversionen aus.

Was ist erlaubt, was nicht?

Dürfen Künstler einfach so den Song eines anderen benutzen? Ja, aber unter Auflagen. Wenn beispielsweise jemand ein Konzert veranstaltet und eine Coverband bucht, dann muss die eine Liste mit allen Songs anlegen, die sie spielt. Die Musikverwertungsgesellschaft GEMA erhebt dann im Namen der betroffenen Künstler eine Gebühr.

Wenn ein Musiker dagegen einen Song bearbeitet und ihn damit verändert, zum Beispiel aus einem Popsong einen Rocksong macht, muss er den Urheber des Songs um Erlaubnis fragen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Madonna: Sie hatte bei ihrem Titel "Hung Up“ einen Songschnipsel von ABBAs "Gimme Gimme Gimme“ verwendet. Davor hatte sie ABBA um Erlaubnis gefragt und die Band stimmte zu. Diese Vorgaben gelten auch für Musikvideos im Internet. Wird der Urheber nicht um Erlaubnis gebeten, ist das eine Urheberrechtsverletzung und kann zu einer teuren Abmahnung führen.

Die SWR1 Coversong-Playlist zum Nachhören

Einige der besten Coversongs finden Sie hier in der SWR1 Spotifyplaylist.

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