Starke Frauen

Weltfrauentag: "Meine Ur-Oma war eine starke Frau!"

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Nicht nur Uroma, sondern so viel mehr.... SWR1 Redakteur René Hagdorn über eine starke Frau, die ihn nicht nur heute am Weltfrauentag schwer beeindruckt.

Sie war meine Beichtmutter, meine Ratgeberin, meine Vertraute … unsere Uroma Franziska Brand.
Tiefe Furchen in Ihrer runzeligen Haut, der gebeugten Rücken, gestützt auf Holzgehstöcke. Eine winzig kleine, zierliche Frau, die schneeweißen Haare immer unter einem schwarzen Kopftuch zum Dutt gebunden – auf den ersten Blick gebrechlich, schwach – beim näheren Hinsehen aber eine unheimlich starke unbeugsame Person die nach dem Krieg Flucht und Vertreibung aus Mähren ertragen musste.

Tiefkatholisch, mit messerscharfen Überzeugungen, streng – aber zugleich eine sanfte Seele, die immer ein offenes Ohr für mich hatte. Wenn ich als Kind mal wieder etwas angestellt hatte habe ich mich immer zuerst ihr anvertraut.

Es gab Zeiten, da sass ich täglich ihn ihrem Miniwohnzimmer, habe mich mit ihr unterhalten oder den Gesprächen mit den anderen Geflohenen aus unserer Siedlung gelauscht. Alt war sie, steinalt – als sie im Mai 1987 gestorben ist – da war ich 15. Heute bin fast 50 – und immer noch hab ich einen Kloss im Hals wenn ich mich an sie erinnere. Und das tue ich dann ganz besonders intensiv, wenn ich Gerichte koche, deren Rezepte aus ihrer Heimat Mähren stammen und ich so dann jedes Mal nicht einfach irgendetwas esse sondern mit allen Sinnen die Geschichte meiner Uroma Franziska Brand aufsauge.

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