Aufräumen ist gut für die Psyche!

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INTERVIEW
Dr. Volker Busch

"Ordnung ist das halbe Leben!" Blöde alte Redewendung oder die Wahrheit? Ordnung und Ausmisten können sich auf jeden Fall positiv auf die Psyche auswirken.

Dr. Volker Busch ist Neurologe und Psychiater und neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit als Mediziner durchleuchtet er in Vorträgen und als Autor die spannende Welt des Geistes und des Gehirns.

Äußere Ordnung hilft bei innerem Chaos

Aufzuräumen und Ordnung zu schaffen, kann unseren Geist beruhigen, sagt Busch. Weil unser Gehirn und unsere Welt, in der wir leben, in einer ständigen Wechselwirkung miteinander agieren. Alles, was wir tun in der Welt, hat immer auch Auswirkungen auf uns. Und was sich in uns abspielt, hat auch Auswirkungen auf das, was wir tun.

»Wenn wir aufräumen, fühlen wir uns meistens wohler. Die Ordnung, die wir herstellen, beruhigt und Stress lässt nach. Es entsteht eine Art Sauberkeitsgefühl, wie wir es nach dem Duschen kennen.«

Darum fällt uns Ordnung schaffen so schwer

Das Aufräumen an sich, ist in unserer modernen Gesellschaft, die auf Effizienz getrimmt ist, nicht effizient genug. Und außerdem ahnt man, selbst wenn man jetzt aufräumt: in einer Woche wird es eh wieder dreckig sein. Das kommt uns also sinnlos vor.

»Warum soll ich etwas tun, was ich eine Woche später wiederholen muss? Es erinnert ein bisschen an Sisyphus.«

Diese Erfahrung der Sinnlosigkeit oder der Wiederholung, sagt Busch, führt dazu, dass es uns eigentlich schwer fällt, sich immer wieder neu zu begeistern und zu motivieren.

Unordnung macht unglücklich

  • Wenn es unordentlich ist, fühlen wir uns tatsächlich unglücklicher. Das liegt daran, weil wir uns in einer unordentlichen Umgebung nicht so sehr geborgen fühlen. Und der Mensch hat nunmal ein starkes Bedürfnis nach Geborgenheit.
  • Unsere Impulskontrolle wird schlechter. Wir fangen an zum Beispiel häufiger zu naschen.
  • Wir arbeiten nicht so konzentriert, wenn wir in einer unordentlichen Umgebung am Schreibtisch im Büro sind, weil es unserem Gehirn deutlich schwerer fällt, den Fokus auf etwas zu halten. Wir können den Überblick nicht so gut wahren, wenn wir ständig abgelenkt sind durch Störreize. Das sind also die drei negativen Folgen.

Darum besitzen wir so viele Dinge

Menschen sammeln gerne, das war immer schon ein Überlebensmechanismus.

»Wir bauen zu allem, was wir besitzen, eine persönliche Beziehung auf – die Objekte haben eine Emotionalität. Je länger wir etwas besitzen, desto stärker ist diese Beziehung dazu. Man nennt das Besitz Dauereffekt. «

Deshalb fällt es uns schwer uns von Dingen zu trennen, wenn sie lange in unserem Besitz sind. Genau das scheint tatsächlich in unserer Gesellschaft zuzunehmen. Man vermutet, dass das damit zu tun hat, dass die Beziehungssicherheiten in unserer Gesellschaft abnehmen. Die Beziehungen zu Freunden oder Nachbarn sind nicht mehr so eng, also suchen wir Trost in den Dingen.

Ordnung macht glücklich

Ordnung führt immer dazu, dass wir aus psychischer Sicht das Gefühl haben, dass wir etwas bewältigt haben und dass wir Kontrolle über etwas haben. Und das fühlt sich gut an. Jeder kennt das beglückende Gefühl, wenn wir eine Aufgabe erledigen. Ordnung hat etwas Eindeutiges, Klares, Unmissverständliches. Das löst ein schönes, befreiendes Gefühl in uns aus.

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