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SWR1 Moderator Stefan Orner (Foto: SWR, SWR1)

Es geht um Tore, Auf- oder Abstieg und viel Geld! 36 Profi-Fußballclubs in der 1. und 2. Liga sind hin- und hergerissen. Sie brauchen vor allem die Einnahmen Fernsehgelder - aber eigentlich hat keiner Bock auf Geisterspiele in leeren Stadien.

Geisterspiele ab Mitte Mai und regelmäßige Corona-Tests für alle Spieler – das sind die Kernpunkte des DFL-Konzepts, um die Spiele der 1. Und 2. Liga wieder aufzunehmen.

Fußball ohne Fans: Ein Witz

"Geht gar nicht!", sagt vor allem die Ultraszene, aber auch große Teile der Fanclubs und der Stadiongänger. "Fußball ohne Fans – ein Witz."

„Es ist der breiten Bevölkerung nicht nachvollziehbar zu machen, wenn jetzt Dinge im Fußball erlaubt werden, die allen anderen versagt bleiben. Tests würden verbraucht, die woanders besser angelegt wären – das ist einfach das falsche Signal!“

Fußball-Fan Dan aus Stuttgart

Die vielen Corona-Tests für Fußballer und dass für sie das Kontaktverbot beim Spiel dann nicht mehr gelten soll – das ist die Hauptkritik der SWR1 Hörer. Benjamin Layer sieht aber noch weitere Gefahren, z.B. dass sich bei Geisterspielen dann eben doch wieder Menschen sammeln, um zu Hause gemeinsam Fußball zu schauen. Und er kritisiert die Ungleichbehandlung zum Amateurfußball:

„Sämtlichen 24.500 Amateurvereinen ist es weiterhin untersagt zu trainieren und den Sportbetrieb fortzusetzen – hier herrscht keine Gleichberechtigung!“

SWR1 Hörer Benjamin Layer

Fußballspiele sind ein Lichtblick

Aber es gibt auch Fußball-Fans, die sich mit Geisterspielen anfreunden können: SWR1 Hörerin Sylvie meint, etwas Ablenkung durch Spiele des Lieblingsvereins wären für viele Menschen ein Lichtblick. Dieter Matzat aus Freiberg am Neckar sagt: „Bundesligavereine sind Wirtschaftsunternehmen und brauchen die Fernsehgelder nun mal dringend.“ Und dieser Fan meint:

„Ein bisschen Opium fürs Volk, es muss auch wieder andere Themen als Corona geben. Und außerdem gibt’s dann auch wieder Arbeit für die Mitarbeiter der Vereine und Security-Unternehmen. Sie bekommen dann wieder mehr als die 60 Prozent Kurzarbeitergeld.“

Sollte die Saison abgebrochen werden?

Geisterspiele und Sonderregeln: ja oder nein. Andreas Schifferdecker aus Karlsruhe plädiert für eine ganz andere Lösung:

„Die Tabellenstände und Punkte vom Jahresende 2019 übernehmen und damit 2021 einen Neustart beginnen.“

SWR1 Hörer Kay Messerschmidt ist auch für einen Abbruch der Saison, allerdings will er es lösen wie beim Skispringen: Ist ein zweiter Durchgang nicht mehr möglich, zählt der erste. Für die Bundesliga hieße das: Die Tabelle nach der Hinrunde ist gleichzeitig die Schlusstabelle.

Sportreporter Dieter Kürten hat sogar die Hoffnung, dass der Fußball durch Geisterspiele etwas freundlicher werden könnte:

"Vielleicht wird der Fußball ja etwas weniger aggressiv, etwas gepflegter durch die Geisterspiele!"

Sportreporter Dieter Kürten

Zu seinem 85.Geburtstag hat SWR1 Moderatorin Petra Klein mit Dieter Kürten gesprochen.