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War der Infekt vor ein paar Wochen vielleicht Covid19 und ich bin jetzt immun? Ein Test, der hierauf eine klare Antwort gibt, ist verlockend – aber im Moment gibt es noch keine 100 prozentige Sicherheit!

Sobald wir mit einem Infekt zu tun haben, produziert unser Immunsystem Antikörper, und diese lassen sich dann im Blut nachweisen. Unser Körper braucht dazu etwas Zeit, frühestens zwei Wochen nach Auftreten der Symptome ist ein Antikörpertest sinnvoll. Bis vor kurzem waren diese Tests knapp und vor allem für diejenigen reserviert, die im medizinischen Bereich oder in der Pflege arbeiten. Inzwischen haben die Herstellerfirmen tausende von sogenannten Testkits produziert, Labore testen Blut von Privatpersonen – und zum Beispiel das Tübinger Biotechnologie-Unternehmen CeGaT bietet seit dieser Woche an, „Blutabnahme plus Test“ direkt auf dem eigenen Firmenparkplatz.

Schlange stehen bei CeGaT (Foto: SWR, Georg Filser)
Selbst der Regen konnte die ersten Tester beim Tübinger Unternehmen Cegtat nicht abhalten. Georg Filser

Ist man tatsächlich immun, wenn man Antikörper im Blut hat?

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir nach einer durchgemachten Corona-Infektion mehrere Monate oder sogar Jahre immun sind. Dafür sprechen die Erfahrungen mit anderen Corona-Viren, die wir schon seit Jahrzehnten kennen. Nachgewiesen ist die Immunität für das jetzige Virus bisher nur bei Rhesusaffen. Sie wurden einen Monat nach überstandener Erkrankung erneut mit dem Virus infiziert und zeigten daraufhin keinerlei Symptome mehr.

Was macht einen guten Test aus?

Die Wissenschaft spricht von „Sensitivität“ und „Spezifität“. Ein Antikörpertest muss sensitiv genug sein, um wirklich alle, die die Erkrankung durchgemacht haben, zu erkennen, und gleichzeitig spezifisch genug, um die Erkrankung nicht mit einer anderen zu verwechseln. Ideal wären 100% Sensitivität und 100% Spezifität – realistisch und dennoch gut sind Tests mit einer Fehlerquote von ca. 1%. Große Herausforderung bei Antikörpertests auf Covid19 ist: der Test muss spezifisch genug sein, um nicht auf Antikörper anderer Corona-Viren zu reagieren.

Ein Drittel unserer Erkältungsinfekte werden nämlich auch durch Corona-Viren verursacht.

Was ist das Problem bei Antikörpertests für Corona?

Mehrere Herstellerfirmen, wie CeGaT, Euroimmun oder Roche geben sehr gute Leistungsdaten für ihre Tests an, kommen auf Werte von über 99%. Aber die Tests wurden unter Hochdruck entwickelt und konnten nicht intensiv getestet werden. Ideal wäre es, einen Test zu überprüfen, indem hunderte von Probanten getestet werden, von denen man bereits weiß, dass sie zweifelsfrei Covid19 hatten, und an hunderten, die nachweislich kein Covid19 hatten. Wenn der Test beide Gruppen zu 99% richtig erkennt, also unterschieden kann, wäre er sehr gut.

Bei HIV-Antikörpertest hat es beispielsweise Jahre gedauert, bis man eine Spezifität von 99% erreicht hat. Die Antikörpertests für Corona werden jetzt sozusagen in „freier Wildbahn“ getestet – und mit der Zeit werden wir auch sie besser einschätzen können. Unabhängige Vergleichsstudien der verschiedenen Antikörpertests gibt es bis jetzt kaum.

Das österreichische Wissenschaftministerium ist gerade dabei, über 500 Personen mit drei verschiedenen Antikörpertests zu testen. Was man aber jetzt schon sagen kann: Schnelltests aus dem Internet haben eine sehr hohe Fehlerquote und sind Labortests nach dem Elisa-Verfahren in jedem Fall unterlegen.

Was kostet ein Test?

Für einen Labor-Test mit dem Verfahren z.B. von CeGaT, Euroimmun oder Roche verlangen die Labore in Baden-Württemberg zwischen ca. 17 und 25 Euro. Der Hausarzt ist in aller Regel die erste Adresse. Er nimmt das Blut ab und leitet es an ein Labor weiter. Eine Alternative ist Blutabnahme direkt vor Ort, z.B. am Stuttgart Flughafen – kostet allerdings zusammen mit dem Test 60 Euro. Günstiger ist das Angebot auf dem Firmengelände von CeGaT, in Tübingen, für 25 Euro. Das Biotech-Unternehmen bietet auch an, unter bestimmten Voraussetzungen zugeschickte Blutproben zu untersuchen.

Testergebnisse liegen innerhalb weniger Tage nach Probeneingang vor.

Mobile Blutabnahmestelle von CeGaT (Foto: SWR, Christiane von Wolff, SWR1)
Mobile Blutabnahmestelle von CeGaT in Tübingen auf dem Firmenparkplatz Christiane von Wolff, SWR1

Wie sinnvoll sind Antikörpertests?

Aus epidemologischer Sicht sind sie sehr sinnvoll, denn sie helfen die Coronavirus-Infektionen auf Bevölkerungsebene besser einzuschätzen. Je mehr Daten wir haben, wieviele Menschen Corona schon hinter sich haben, desto genauer werden die Prognosen darüber, was einzelne Lockerungsmaßnahmen zur Folge haben könnten.

Deswegen wird das Robert-Koch-Institut jetzt drei großangelegte Studien angehen. Dazu gehört der 14-tägliche Test von 5000 Blutspenden, dann eine Untersuchung von tausenden Personen, die in der Nähe eines Hotspots leben und eine bevölkerungsrepräsentative Studie mit 15.000 Personen. Hierbei ist es nicht relevant, wenn die Antikörpertests nicht die von den Herstellern angegebenen 99% Trefferquote erreichen. Denn, angenommen auf 100 getestete Personen schleichen sich zwei oder drei falsche Befunde ein, können Modellierer das rausrechnen und zu vernünftigen Aussagen kommen. Anders ist das bei Privatpersonen. Da kann ein falsches Testergebnis schlimme Folgen haben. Wer beispielsweise „falsch positiv“ ist und sich nach dem Test in Sicherheit wiegt, niemanden mehr anstecken zu können, könnte tatsächlich Virus-Überträger sein und dann bei einem Besuch Großeltern oder Risikopatienten gefährden.

Christian Drosten, Virologe der Charité in Berlin, hat auf die Möglichkeit eines Zweit-Tests hingewiesen. Das würde bedeuten: man testet sich zweimal, aber jeweils mit einem anderen Verfahren, dem Test eines anderen Herstellers und erhöht damit die Sicherheit des Testergebnisses.

Vorallem wer einen „positiven“ Befund bekommt, ist damit sicherer unterwegs. Das kann man sich an einem Rechenbeispiel klarmachen: Wenn die Test-Hersteller zum Beispiel eine Spezifität von 99 Prozent angeben, bedeutet das, bei 100 Positiv-Befunden ist einer „falsch positiv“, werden Antikörper bei einem Menschen angezeigt, der gar keine hat, weil er Corona noch gar nicht durchgemacht hat. Noch schlechter wird der Befund dadurch,  dass im Moment ohnehin sehr wenige Menschen Corona durchgemacht haben, sehr wenige also „richtig positiv“ sind. Angenommen unter den 100 Befunden hat ein Mensch wirklich Antikörper, ist also „richtig positiv“. Wegen der oben erklärten 99 prozentigen Spezifität gibt es daneben noch den einen „falsch positiven“. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen richtig positiven Befund in der Hand zu halten auf 50 Prozent! Und genau deswegen empfiehlt sich bei einem positiven Ergebnis ein Zweit-Test. Dadurch bekommt man einen aus Sicht vieler Labore ein aktzeptables Ergebnis, das mit über 95 Prozent richtig liegt.

SWR1 hat eine Kollegin mit dem Antikörper-Test der Tübinger Firma CeGaT und anschließend beim Labor Enders in Stuttgart mit dem Test der Firma Euroimmun untersuchen lassen. Das Ergebnis war identisch.

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