Anti-Gewalttrainer Michael Stahl im SWR1 Interview

"Es braucht Vorbilder und Liebe"

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Seit 27 Jahren arbeitet Michael Stahl aus Bopfingen als Anti-Gewalttrainer. Nachdem er als Kind selbst geklaut und gemobbt hat, will er anderen heute helfen. Er geht unter anderem in Gefängnisse.

Spirale der Gewalt

Als Kind hat Michael Stahl selbst viele Probleme gehabt, vor allem mit seinem Vater. Er hat geklaut und andere gemobbt. Im Interview mit SWR1 Moderator Stefan Orner erzählt er: die Verletzungen, die er erlebt hat, hat er an andere weitergegeben.

»Verletzte Menschen verletzen Menschen.«

Schaue man sich die Geschichte der Menschen an, die Gewalt ausüben, sei es immer ein Hilfeschrei und eine Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe, sagt Michael Stahl.

"Niemand durfte wissen, wie es in meinem Herzen aussieht"

Durch seine eigene Lebensgeschichte findet Stahl einen Zugang zu anderen Jugendlichen, denen es ähnlich geht. Es sei wichtig, sagt er, dass es für junge Menschen wieder mehr Vorbilder gebe, die nicht nur von ihren Siegen erzählen, sondern auch von ihren Niederlagen und Zweifeln. Er erzählt seine Geschichte unter anderem auch in Gefängnissen.

»Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Gefängnis, dass man nicht weint. Aber wenn ich meine Geschichte erzähle, fließen sehr oft Tränen.«

Michael Stahl betreibt eine Sportschule und gibt auch dort Eltern Ratschläge, die sich beklagen, wenn ihre Söhne beispielsweise gewalttätig sind. Er ist überzeugt, es brauche vor allem Vorbilder und Liebe. Die Kinder müssten merken, dass sie auch verlieren und Fehler machen dürfen. Entscheidend sei aber vor allem auch, was die Eltern selbst vorleben: "Letzten Endes können Kinder nur das geben, was sie auch bekommen haben", so Stahl.

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