Buchtipp: "Das innere Ausland" von Thommie Bayer Romane, die trösten

Thommie Bayer steht im Feuilleton unter Kitsch-Verdacht. Und es ist wie so oft: Das, was von den Großkritikern verschmäht wird, verkauft sich blendend. Thommie Bayer ist mit seinen rund 15 Romanen ein Bestseller-Autor.

Thommie Bayer kommt aus Baden-Württemberg: Geboren in Esslingen, lebt er heute in Südbaden, im schönen Staufen im Breisgau. 66 Jahre alt ist der Wanderer zwischen den Welten – als Maler, Schriftsteller, Lebenskünstler und Musiker. Seinen größten Hit hatte er mit der Thommie Bayer Band 1979: "Der letzte Cowboy".

Thommie Bayer (Foto: Peter von Felbert / Piper Verlag)
Autor Thommie Bayer Peter von Felbert / Piper Verlag

Wenn ich Romane von Thommie Bayer lese, kommt Ruhe und Friede über mich. Daher sind seine Bücher die ideale Urlaubslektüre. Schon die Titel seiner Romane gefallen mir: "Die kurzen und die langen Jahre", "Vier Arten, die Liebe zu vergessen", "Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin", "Seltene Affären". Sein aktueller Roman ist "Das innere Ausland". Worum geht’s?

Ein Mann Mitte 60 ist nach in Südfrankreich gezogen in ein Haus umgeben von Olivenfeldern und Pinien. Und wie oft bei Thommie Bayer hat die Idylle etwas Trauriges: Die Schwester des Aussteigers ist gestorben. Daraufhin taucht ihre Tochter als Erbin im Haus auf - eine Tochter, von der vorher niemand etwas wusste. Die beiden unterhalten sich viel, gehen spazieren, kochen miteinander. Und man fragt sich: Fangen Onkel und Nichte etwas miteinander an? Werden der 65-jährige Mann und die 40-jährige Frau ein Liebespaar?

"Das innere Ausland" ist ein typisches Thommie-Bayer-Werk: eine melancholische Geschichte, die sich um das Leben, die Kunst, die Musik, um Wein, die Frauen, um Katzen und gutes Essen dreht. Ich mag diese Romane. Sie sind sympathisch, weil sie getragen werden von sympathischen Figuren. Nie ist jemand böse, falsch oder hinterhältig. Nie rastet jemand aus. Alle sind freundlich und achtsam. Ein Thommie-Bayer-Buch lesen ist wie Yoga machen.

Bayers Bücher haben meistens nicht mehr als 150 Seiten, sind immer überschaubar. Die Romane lesen sich flüssig. Es gibt viele Absätze und niemand wird erschlagen von Bleiwüsten. Thommie Bayer schafft es, sehr verknappt ganze Lebensgeschichten zu erzählen, wofür andere Autoren 800 Seiten benötigen.

Thommie Bayers Romane trösten. Es ist Trost-Literatur. Balsam für die Seele. Es handelt sich um Unterhaltungsromane, um Liebesromane, es geht um die Suche nach Liebe, um verlorengegangenes Lebensglück, um Seelenverwandtschaft. 

Man fühlt sich einfach wohl in Thommie Bayers Büchern.