Interview mit Manuel Dörflinger Im Gespräch mit einem echten Alemannen

Manuel Dörflinger ist ein echter Schwarzwälder. Er singt in der Band "Luddi" und die macht Alemannen-Rock. Die Musiker haben erst vor kurzem den Kleinkunstpreis Baden-Württemberg bekommen.

Sätze in Alemannisch wirken oft viel kürzer als in Hochdeutsch. An was liegt das?

Es ist ganz typisch für einen Alemannen, man muss alles relativ schnell auf den Punkt bringen, weil, wer weiß, es kann jederzeit wieder anfangen zu schneien und dann muss alles besprochen sein. Es gibt zum Beispiel einen Begriff im Alemannischen, der "Hurniggel", das ist, wenn die Hand so steif und kalt ist, dass sie fast wegfriert. Das ist dann ein "Hurniggel". Und bis Du das in einem Krankenhaus in Hochdeutsch erklärt hättest, wäre die Hand schon tot. Deshalb muss alles ganz schnell gehen.

Dialekte haben den Ruf alt und verstaubt zu klingen. Mit Deiner Band "Luddi" singst Du allerdings in Mundart. Wie kommt man darauf?

Das ist ja unsere Muttersprache. Wir hatten bestimmt auch einmal kurzzeitig überlegt, eine englische Boygroup zu gründen, aber das ist relativ schwierig bei uns: Wir konnten nicht so gut tanzen und einige von uns sind auch ein bisschen dicker. Da muss ich ganz klar sagen, lieber alemannisch, lieber eine Sprache, die Du richtig kannst. Und so kann man auch sagen was man will. Ich habe vor kurzem eine Dokumentation über die "Scorpions" gesehen, denen ist erst auf ihrer ersten Amerika-Tour aufgefallen, dass sie kein Englisch können.

In Landessprache zu singen ist im Moment total angesagt, aber im Dialekt zu singen ist schon eine Herausforderung. Jetzt habt Ihr den Kleinkunstpreis dafür bekommen, was war das für ein Gefühl?

Das war ein sehr schönes Gefühl, weil man erst einmal davon ausgeht, dass Dich die Hälfte des Landes schon mal nicht versteht und die andere Hälfte will es vielleicht gar nicht mehr verstehen. Das war schon eine ganz schöne Anerkennung. Aber ich glaube, Dialektmusik an sich ist wirklich im Kommen. Wir Baden-Württemberger tun uns noch ein bisschen schwer damit. Egal ob Schwäbisch, Hohenlohisch oder Kurpfälzisch, da ist immer ein bisschen Schamgefühl dabei und das ist eigentlich schade.

Woran liegt das?

Ich glaube, dass wir uns ein bisschen zu sehr beeindrucken lassen. Zum Beispiel von den Bayern, von den Berlinern und von den Plattdeutschen. Ich finde, so einen urigen schwäbischen Dialekt "von d'r Alb ra" kommt richtig aus dem Boden des Magens. Das ist wirklich klasse! Das ist nichts kopfgesteuertes, das ist etwas absolut ehrliches. Das beste Beispiel für gelebten Dialekt sind unsere südbadischen Fußballtrainer. Christian Streich oder Jogi Löw. Sobald die emotional erregt sind, geht das Alemannische mit ihnen durch. Dann kommt ein Wort nach dem anderen wirklich aus dem Bauch heraus. Ich glaube aus ihrer Kindheit. Oder Otmar Hitzfeld in München. Er spricht immer staatstragend, technokratisch. Steht er vor einer Schweizer Kamera, dann spricht er alemannisch. Da ist dann die ganze Leidensfähigkeit dieses Mannes drin.

Vielen Dank! Manuel Dörflinger von der Alemannen-Rock-Band "Luddi".

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