Ein Nachruf von Christiane von Wolff „Regel-Kram war für ihn eben nur Regel-Kram“  

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Jahrelang hat Christiane von Wolff als Redakteurin zusammen mit Schmidtie Sendungen gemacht. "Das erste Mal richtig bewusst begegnet bin ich Thomas Schmidt in einem Workshop, den er gegeben hat. Ein Workshop über bunte Meldungen: lustige, nette Nachrichten so erzählen, dass - wer auch immer sie hört -  am Ende lacht. Oder wenigstens schmunzelt."

Nach dem Workshop war mir klar: das, was Thomas uns vorgemacht hat, kann  man nicht lernen! Feine, niemals plumpe Gags, die er aus Ecken zaubert, von denen Du gar nicht wusstest, dass es sie gibt! Ich habe deswegen später als Redakteurin Thomas viel vorbereitet – aber niemals eine bunte Meldung.  

Gefühlt haben wir etwa tausend Stunden zusammen am Morgen verbracht, in SWR1 Guten-Morgen-Baden-Württemberg. Er in der Glasbox, im Studio, hinterm Mikrofon, breitbeinig, die Arme abwechselnd in der Luft und am Regler. Ich draußen in der Regie.  

Und auch wenn ich wusste, dass er mich schätzt – ahnte ich, lieber wäre ihm, wenn ich nicht da wäre. Oder erst nach der Sendung. Keinen Redakteur, eine Spielwiese ohne Vorgaben, Thomas hasste Vorgaben. Und brauchte sie nicht, um gutes Radio zu machen, um Musik und Wort so miteinander zu verschmelzen, dass die Sendung zu einer rasanten Art Wildwasser-Fahrt wurde, spannend, überraschend – und am Ende trotzdem immer sicher im Ziel. 

Starres Formatradio passte nicht zu Thomas. Als man ihm vor Jahren die Musikbetten unter seinen hübschen Wortgeschichten verbieten wollte, hat er erst diskutiert. Und dann das Verbot ignoriert. Insgeheim hat er viele davon überzeugt, dass „Regel-Kram“ eben nur „Regel-Kram“ ist.  

Thomas konnte stur sein, enorm stur und blieb dadurch authentisch. Vermutlich hätte Thomas, der Radio-Rebell, seine Hörer und Hörerinnen aus ganz Baden-Württemberg auch gerne von zuhause bedient, von seiner selbst gebauten, privaten Hausantenne aus. Wenn die Reichweite gestimmt hätte.  

Ich bin sicher, er saß sehr sehr gerne morgens mit uns am Frühstückstisch, als Stimme, die einen in den Tag begleitet. Und als einer, der sich ganz stark dafür einsetzt, dass man möglichst nur Themen ins Programm nimmt, die nicht zu verkopft sind, die radio-geeignet sind und nicht besser in einer Tabelle in der Zeitung aufgehoben wären.  

Er konnte, was viele nicht können, trotz Routine und Bequemlichkeit immer wieder Neues finden und ausprobieren. „Schmidts Samstag“ hörte sich für mich an wie „Schmidts Schatzkästchen“: viele schöne Glitzer-Dinge fürs Ohr, die Thomas - auch zusammen mit Kollegen - Samstag für Samstag zusammenbastelte. 

Vielleicht ist er jetzt ja schon wieder irgendwo am Senden! Das wäre ein Glück für alle, die ihn hören können! 

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