Buchtipp: "Lennon" von David Foenkinos Das Innere eines Weltstars

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Das Buch Lennon von David Foenkinos wollte ich unbedingt lesen, weil ich die Idee so spannend fand, John Lennon auf die Couch beim Psychiater zu legen. Gleichzeitig dachte ich mir, der traut sich was, in das Innenleben von diesem Weltstar zu blicken und versuchen zu interpretieren, wie er wohl vieles in seinem Leben wahrgenommen und gefühlt hat.

Das Buch ist ganz klar ein Widerspiel von Privatem und Öffentlichem. Die Fiktion trifft auf Fakten. Man liest das Buch und weiß eigentlich nie so genau, ob das jetzt echt ist. Aber gut wieder gegeben wird auf jeden Fall, dass Lennon ein Suchender war und immer nach irgendetwas, vermutlich nach seinem persönlichen Glück, gestrebt hat.

Die Geschichte startet 1975 kurz nach der Geburt von Lennons gemeinsamen Sohn mit Yoko Ono. Die letzte Sitzung beim Psychiater hat Lennon einen Tag bevor er erschossen wird.

John Lennon und Yoko Ono (Foto: EMI Music - EMI Music)
John Lennon und Yoko Ono EMI Music - EMI Music

In achtzehn Sitzungen lässt er sein Leben an sich vorbeiziehen. Seine schwierige Kindheit, das Verhältnis zu seiner Mutter, die ihn im Stich gelassen hat - seine Tante, bei der er groß geworden ist.  Dann den rasanten Aufstieg der Beatles, seinen Streit mit der Band, auch Alkohol und Drogenexzesse kommen vor und es geht auch um die Musik der Beatles, klar.

Aber besonders spannend fand ich, dass es auch viel um Lennons Liebe zu Yoko Ono geht. Die war mir ja eher immer unsympathisch und galt ja als die, die die Beatles auseinander gebracht hat. In diesem Punkt gibt es leider nicht so wirklich eine Auflösung aber interessante Details zu der Liebesgeschichte und zur Liebe zu seinem Kind mit ihr im Vergleich zu seinem ersten Kind mit seiner ersten Frau.

Autor David Foenkinos (Foto: privat)
Autor David Foenkinos privat

Lennon verehrt Yoko Ono, auch beim fiktiven Psychiater im Buch stellt er sie als seine Retterin, die Liebe seines Lebens vor. Aber er spricht auch darüber, wie er sie betrogen und schlecht behandelt hat. Mein Bild von Yoko Ono hat sich durch das Buch gewandelt - sie wirkt beeindruckend stark und voller großer Gefühle, eine Frau die mit Lennon auch viel mitgemacht hat - ob es das jetzt richtig wieder gibt oder nicht. Trotzdem: zum Yoko Ono-Fan werde ich durch dieses Buch nicht.

Ja, kein Mensch kann hundert Prozent sagen, wie John Lennon wirklich im Innersten war – aber Foenkinos schafft es, auch wenn er ein großer Beatles-Fan war, aus seinem Buch mit John Lennon beim Psychiater keine Lobhudelei auf ihn loszulassen.

Ein Zitat, das ich in den sozialen Medien zu dem Buch gefunden habe, trifft es ganz gut:

"Lennon wird in dem Buch weder glorifiziert noch verurteilt ob mancher Verfehlung. Und wirkt vielleicht gerade deshalb so menschlich, so nah."

Da gibt es eigentlich nichts hinzufügen. Interessant wäre jetzt nur noch, was John Lennon selbst zu diesem Buch gesagt hätte.

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