Buchtipp: "…dann bin ich auf den Baum geklettert" von Dirk Rossmann Von Aufstieg, Mut und Wandel

"…dann bin ich auf den Baum geklettert". Das ist ein Spruch, den Sie vielleicht auch bei SWR1 öfter gehört haben – eine Werbung für das neue Buch von Dirk Rossmann. Der Chef der Drogeriekette hat eine Autobiografie geschrieben – oder man muss wohl sagen: zum Teil schreiben lassen. Das Buch wird durch eine massive Werbekampagne unterstützt. Es steht schon auf der Spiegel-Bestseller-Liste und es wird neben Buchhandlungen auch in allen Filialen von Rossmann verkauft.

Aufgeben war nie eine Option

"Dann bin ich auf den Baum geklettert". Ich gebe zu: Ein skurriler Titel für eine Biografie, der zu Spott animiert. Es ist ein Schwank aus seinem Leben, in dem uns Dirk Rossmann klarmachen will, dass er der etwas verrückte und widerspenstige Individualist ist – was natürlich zum Erfolg führt. Rossmann ernährt als junger Mann die Familie und muss im Laden aushelfen. Um dem Wehrdienst zu entkommen, wird er bei der Bundeswehr zum Querulanten, klettert dort auf einen Baum, kommt stundenlang nicht runter, wird genervt aus der Truppe entlassen. Rossmann bekommt was er wollte – so wie fast immer. "Ein Mann will nach oben" heißt ein Kapitel des Buches, reich wollte er werden, schreibt Rossmann – und man könnte denken: Was für eine unsympathische Unternehmer-Biografie. Aber ganz so platt ist es nicht.

Foto von Dirk Rossmann (Foto: Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen - Foto: Christian Kerber)
Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen - Foto: Christian Kerber

Wir erfahren, dass Rossmann ein sehr schlechter Volks-Schüler war, dem die Lehrer sogar die Intelligenz absprachen. Wir lesen, wie Rossmann in den 60er Jahren sein erstes Geld verdiente, indem er mit dem Fahrrad Drogeriewaren zu den Leuten nach Hause lieferte. Wie ab 1972 sein Aufstieg möglich wurde, weil die Preisbindung aufgehoben wurde. Wie die Polizei dem Ansturm auf seinen ersten Selbstbedienungsladen in Hannover kaum Herr wurde. Wir lernen Rossmann als Typ kennen, der schon in den 70er Jahren meditierte und sich Gruppentherapien unterzog. Wir lesen über seine Beinahe-Insolvenz in den 90er Jahren, seinen Herzinfarkt, seine Freundschaft mit Gerhard Schröder, über sein Verhältnis zu den großen Konkurrenten aus Baden-Württemberg: dm-Chef Götz Werner, Anton Schlecker, Erwin Müller.

Rossmann zeigt uns, wie man auch ohne Abitur was werden kann und mit Willen und Leistungsbereitschaft ein Unternehmen aufbaut. Mit 3.200 Filialen in ganz Europa und 50.000 Mitarbeitern. Der Mann ist auch eitel – aber welcher Selfmademan ist das nicht.

Fazit

Die Welt hat nicht gewartet auf diese Biografie. In Teilen ist sie strapaziös, weil Rossmann vom Hundertsten ins Tausende kommt. Dann aber wieder: schöne, tiefgründige Momente – bis es wieder drollig wird. Einige von Rossmanns Anekdoten wirken auf sympathische Weise naiv, manchmal auch ein bisschen peinlich. Aber: Sich über diese Biografie mit dem schrulligen Titel lustig zu machen, finde ich unfair und – ganz ehrlich – auch billig.

AUTOR/IN
STAND
BUCHAUTOR/IN