Buchtipp: "Woodstock" von Michael Lang "Die beste Zeit unseres Lebens"

50 Jahre Woodstock – gibt es zu hören, gibt es zu sehen – als Film – und 50 Jahre Woodstock gibt es auch zu lesen. Es ist die wahre Geschichte vom Macher des legendären Festivals – von Michael Lang (sprich: Meikel Läng). Jetzt neu auf Deutsch erschienen.

Woodstock ist die Mutter aller Open-Air-Festivals. Wer dem Lebensgefühl der damaligen Zeit nachspüren will und der unglaublichen Stimmung an den drei Tagen unter freiem Himmel inmitten sanft hügeliger Weiden und Feldern, muss Michael Langs Buch lesen. Der Macher schildert zunächst, wie Woodstock eigentlich zum Scheitern verurteilt war. Zweimal planten er und seine Freunde das Festival an verschiedenen Orten – und wurden durch protestierende Anwohner und den Einspruch der Behörden gestoppt. Schließlich trafen sie durch Zufall den Milchbauern Max Yasgur, der sofort bereit war, für die Hippies seine riesige Farm im Örtchen Bethel freizugeben. Gegen ein bisschen Pacht – und die Zusicherung, dass der Ernteausfall durch zertretene Felder kompensiert wird. So kam's. Und der Rest ist Geschichte. Am 15. August 1969 ging das Konzert der Konzerte los. Woodstock-Erfinder Michael Lang schreibt:

"Ich sehe die schwangere Joan Baez im Regen stehen, wie sie einfach nur den Augenblick genießt. Ich sehe, wie Crosby, Stills and Nash um halb vier Uhr morgens auf der Bühne stehen – die damals noch unbekannte Band".

Michael Lang
Michael Lang (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Die Beatles und die Stones fragte Michael Lang erst gar nicht – die hätten, so schreibt er – alle Bands und wohl auch die Botschaft des Festivals überstrahlt. Die Doors mussten absagen, weil Sänger Jim Morrisson zu dieser Zeit unter Verfolgungswahn litt. Das ist das Tolle an dem Buch: Michael Lang plaudert aus dem Nähkästchen, schildert die Schwierigkeiten im Vorfeld, wie Strom und sogar Telefonmasten auf das Gelände verlegt wurden – er schreibt über die Tausenden freiwilligen Helfer – und vermittelt die Romantik des ganzen Geschehens:

"Zusammenzurücken, sich an der Musik und aneinander zu erfreuen und Teil einer so großen Menge zu sein, während ein Ungemach auf das nächste folgte - die vielen Staus, der ganze Regen – war ein einschneidendes Erlebnis. Keine dieser Widrigkeiten konnte unsere Stimmung trüben. Tatsächlich rückten wir durch sie noch näher zusammen."

Michael Lang

Statt 150.000 kamen fast eine halbe Million Menschen, die Autobahn von New York aus war dicht – aber alles blieb friedlich:

"Ich staunte, welche Macht die Musik über die Menschen hat, dass sie sie derart ergreift und verwandelt".

Michael Lang

Und dann erzählen in dem Buch auch Leute, die dabei waren beim Woodstock-Konzert:

"Nach dem Regen war es grässlich. Es war die reinste Schlamm-Stadt. Wir kamen nicht mehr durch bis zu den Lebensmittel-Ständen, weil man auf dem Matsch einfach nur wegrutschte. Das wurde ein running gag."

Neben den Konzerten gab's auch noch Spielplätze, Puppentheater und Kunsthandwerker – und:

"Hinter der Bühne gab es einen See, in dem alle nackt badeten. Sie zogen einfach ihre Klamotten aus und schwammen drauflos".

Der Eintritt war irgendwann frei, man wurde der Menge an Hippies einfach nicht mehr Herr. Drei Tage Love, Peace and Music. Liebe, Friede, Musik. Das Buch des Machers Michael Lang mit vielen Bildern schafft es, nochmal richtig Gänsehautstimmung zu erzeugen. Denn am Ende stimmt wohl, was er schreibt:

"Wir alle hatten die beste Zeit unseres Lebens".

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