Buchtipp: Unter der Drachenwand von Arno Geiger Keine Buchseite davon ist langweilig

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Es gibt Bücher, die kommen ganz ohne finstere Verbrechen, ohne Kommissar und ohne reiche junge Adelige aus. Und sie werden dennoch zum Bestseller, weil sie eine Geschichte erzählen, die ankommt. Arno Geigers Roman "Unter der Drachenwand" ist so eines und der SWR1-Buchtipp von Karin Wehrheim:

Worum es geht

Wer glaubt, er habe schon genug Geschichten über den Krieg gelesen, liegt falsch - diese muss sein! Arno Geiger sagt, er habe darin erzählen wollen, wie könnte es sich angefühlt haben, im fünften, sechsten Kriegsjahr zu leben:

Und Veit lebt noch, wenn auch als körperliches Wrack, als er aus Russland kommt, im Winter 1944. Weil der Vater immer noch vom Endsieg redet, sucht sich der junge Frontsoldat ein Zimmer in Mondsee. Den Ort gibt es wirklich, im Salzkammergut. Veit versucht dort, wieder zu Kräften zu kommen. Er spaziert durch das Dorf und trifft Menschen. Einen Mann, der nachts mit einem Holzofen seine Gewächshäuser heizt, brasilianische Musik hört und davon träumt, nach Rio auszuwandern. Margot aus Darmstadt, die mit ihrem Baby im Nachbarzimmer haust. Und Margarete, eine junge Lehrerin, die sich um 35 landverschickte Mädchen kümmern muss.

Die Geschichte rollt über einen drüber, ob man will oder nicht. Und es ist ein unzerstörbares Bedürfnis im Leben der Menschen, Halt, Sicherheit zu empfinden. Und wenn man klug ist, dann versucht man das im Gegenüber zu finden, in einer gelungenen Liebesbeziehung, in Freundschaften.

Der Autor

Arno Geiger, der vom Bodensee stammt und früher jahrelang nebenbei Videotechniker bei den Bregenzer Festspielen war, erzählt wahre Geschichten. Veit gab es wirklich. Und ebenso Margot, Margarete und den Möchtegern-Brasilianer. Arno Geiger sagt dazu: "Also ich hab tausende, wenn nicht zehntausende Briefe gelesen über zehn Jahre hinweg, einfach um ein Gefühl für die Zeit zu bekommen, damit ich einen festen Boden unter den Füßen hatte, auf dem ich dann erzähle, was nicht recherchierbar ist."

Das Fazit

470 Seiten hat das Buch und keine davon ist langweilig. Es ist nicht das erste, das der Vorarlberger Autor über die Nazizeit schreibt. Für seinen Roman "Es geht uns gut" kassierte er als erster den Deutschen Buchpreis 2005.

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