Buchtipp: "Serotonin" von Michel Houellebecq Ein Schriftsteller, der uns an der Nase herumführt

Wenn ein neuer Houellebecq erscheint, ist das immer ein Hype – entweder weil er thematisch ins Schwarze trifft oder durch Provokationen Aufsehen erregt - weil er radikal darüber schreibt, was er denkt und fühlt.

Serotonin ist die Lebensgeschichte eines Mannes Mitte 40. Er mag nicht mehr mit seiner Frau leben, er mag nicht mehr in der Gesellschaft leben. Ein Selbstmord deutet sich an. Er kündigt seine Wohnung, seinen Job. Er geht in ein Hotel, in das letzte verbliebene Hotel in Paris, in dem er auf dem Zimmer noch rauchen darf.

Was folgt ist Leere, Niedergeschlagenheit, Depression. Es geht bergab. Nur das Anti-Depressivum Serotonin kann ihm helfen. Die Nebenwirkung: Er verliert seine Potenz. Noch ein Schlag ins Kontor.

Michel Houellebecq (Foto: DuMont Buchverlag - © Philippe Matsas / Flammarion)
Autor Michel Houellebecq DuMont Buchverlag - © Philippe Matsas / Flammarion

Er denkt zurück an alle seine Frauen, die ihm wichtig waren. Mit einer trifft er sich sogar wieder. Sie hat – wie er selbst – inzwischen ein nicht mehr zu übersehendes Alkoholproblem. Eine Ex-Geliebte stalkt er sogar.

Er trifft einen Jugendfreund, der einen riesigen Bauernhof hat. Auch er hat das Leben nicht unter Kontrolle. Bei einem Bauernprotest kommt er ums Leben.

Serotonin von Michel Houellebecq ist manchmal Groschenroman, manchmal ganz hohe Literatur. Und gespickt ist der Roman mit viel Pornografie – wie immer bei Houellebecq, der manisch darüber schreibt oder glaubt, sein Publikum erwarte das als Salz in der Suppe.

Ist der Typ im Buch nun ein reaktionärer geistesgestörter Sexist? Oder doch ein sensibler, hyper-intellektueller Nihilist? Ist das ein tieftrauriger Liebesroman? Oder eine Sozialreportage? Ich finde, Serotonin ist vor allem ein unheimlich witziges Buch eines Schriftstellers, der uns an der Nase herumführt. Es gäbe viel darüber zu reden. Tun wir es gemeinsam. Lesen wir es zusammen das neue Buch des französischen Skandalautors Michel Houellebecq.