Buchtipp: "Scharnow" von Bela B. Felsenheimer Vom Punkrocker zum Schriftsteller

Er ist Schlagzeuger, Sänger, Gitarrist, Schauspieler, Synchronsprecher – und er ist Schriftsteller. Bela B. von den "Ärzten" ist das was, man Tausendsassa oder Multitalent nennt. "Männer sind Schweine", "Schrei nach Liebe" und "Westerland" – das sind die großen Hits der Punk-Rock-Band aus Berlin. Ob auch der neue vielbeachtete Roman "Scharnow" (sprich: Scharno) von Bela B. ein Hit ist?

Drei Jahre hat Bela B. an seinem Debütroman geschrieben – und dass er es aus dem Stand heraus zum Bestseller geschafft hat, hat den Punkrocker dann doch überrascht.

Ich bin sehr stolz darauf. Es wäre auch blöd, wenn ich nicht stolz darauf wäre. Es ist keine Koketterie, wenn ich sage, dass ich es nicht für den Erfolg geschrieben habe. Ich hab’s für mich geschrieben. Ich wollte ein Buch schreiben, das mir gefällt. Ich bin froh, dass ich auf Lesereise bin und jeden Tag mit Menschen konfrontiert bin – und nicht alleine zu Hause sitze und mir dann Allüren zulege, von denen man so viel hört.

Bela B.
Bela B. Felsenheimer (Foto: Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen - Foto: Konstanze Habermann)
Verlagsgruppe Random House GmbH, Muenchen - Foto: Konstanze Habermann

Bela B. Felsenheimer, wie er sich mit ganzem Namen nennt, hat einen Roman geschrieben über den fiktiven Ort Scharnow in der Nähe von Berlin. Ostdeutsche Provinz: ein Supermarkt, der Billkauf heißt, ein Plattenbau, der "Das Silo" genannt wird, eine Wiese, auf der mysteriöse Dinge geschehen. Nichts ist an dem Tag, der geschildert wird, normal. Der Supermarkt wird durch vier nackte und zugedröhnte Männer ausgeraubt, ein Mann fliegt nach einer Krebsdiagnose einfach davon, ein Hund wird durch Laserstrahlen getötet. Die Figuren sind dem wahren Leben der ostdeutschen Provinz entlehnt: Susanne Scharster aus dem Silo, die im Internet als Chantal strippt, der Bund der skeptischen Bürger, eine Gemeinschaft von Verschwörungstheoretikern, dann die Jungs vom Pakt der Glücklichen, die sich alte Splattermovies auf VHS anschauen, der syrische Praktikant im Internet-Café, in den sich ein Manga-Mädchen aus Berlin verliebt, das in Scharnow seine Omi besucht.

Es sind natürlich sehr sehr viele Figuren, aber diese Figuren treffen ja ständig auf jeder Seite Entscheidungen, die das Leben der anderen Figuren in dem Buch beeinflussen.

Bela B.

So wie es die kultigen B-Movies gibt, müsste man hier wohl von einem B-Book sprechen: Trash, der Spaß machen soll, einem Comic nicht unähnlich. Psychothriller, Heimatroman, Horrorkomödie. Das ist als Idee gut und erst mal aufregend. Bela B. kann schreiben und der Roman hat Humor. Und doch hat mein Interesse an dem Stoff auf der Distanz des Buches nachgelassen. Einige Szenen waren auf Dauer nur noch over the top. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch. Bela B. ist einer der Autoren der Stunde – und er plant schon sein nächstes Werk:

Meinem Verleger habe ich schon angedroht: beim zweiten Buch gibt es richtig Allüren. Champagner. Kaviar. Hummer. Ohne gehe ich nicht mehr auf Lesereise.

Bela B.