Buchtipp: Olga von Bernhard Schlink Eine große Geschichte einer kleinen Frau

Er ist einer der wenigen Bestseller-Autoren von Weltruhm, die wir in Deutschland haben. Sein Roman "Der Vorleser" ist in 30 Sprachen übersetzt worden, hat sich rund 60 Millionen Mal verkauft, ist verfilmt worden mit Kate Winslet und hat den Oscar bekommen. Bernhard Schlink, der in Heidelberg aufgewachsen ist und heute in Berlin und New York lebt, ist ein Großer unter den Schriftstellern. Jetzt erscheint sein neuer Roman: "Olga".

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte vom armen Mädchen Olga und vom reichen Jungen Herbert. Eine Liebes-Geschichte, die sich vom Kaiserreich bis in die heutige Zeit erstreckt, die zwischen Polen, Preußen und Baden-Württemberg spielt. Heidelberg ist mal wieder ein Schauplatz bei Schlink. Olga, ein Waisenkind, unglücklich aufgewachsen bei der Großmutter, verliebt sich im Schulalter in Herbert, den Sohn aus einer Fabrikanten-Familie, die gegen eine Heirat ist, weil nicht standesgemäß. Herbert beginnt durchs Leben zu rennen, wie es Olga empfindet – macht Abenteuerreisen in die deutschen Kolonien, nach Brasilien, geht schließlich auf Expedition in die Arktis. Von dort kehrt er nicht zurück. Olga bleibt allein, schreibt jahrelang Briefe an den Verschollenen, sie eignet sich Bildung an, wird Lehrerin, verliert nach dem zweiten Weltkrieg das Gehör, wird vertrieben, wird Näherin in Heidelberg. Und Herbert bleibt immer in ihrem Herzen.

Was ist drin? 

Keine rührselige Liebesgeschichte, auch wenn zunächst der Verdacht besteht. Der Roman zeigt eine bemerkenswerte Frau und verdeutlicht, wie der deutsche Größenwahn des letzten Jahrhunderts Biografien zerstört hat. Der Roman hat drei Teile: der erste erzählt die Jugendgeschichte von Olga und Herbert. Der zweite wird aus der Sicht von Ferdinand erzählt, dem Jungen aus Heidelberg, der Olga als liebevolle, ältere Frau erlebt – und Nachforschungen über sie anstellt. Der dritte Teil besteht aus den Briefen von Olga an Herbert, die in Norwegen Jahrzehntelang bei der Post gelagert waren. 

Fazit

Das Buch ist spannend. Es wartet mit Überraschungen auf - und es berührt. Ist das nun die kleine Geschichte einer großen Frau? Oder eine große Geschichte einer kleinen Frau. Der neue Roman von Bernhard Schlink ist beides. Schlink hat zuletzt eher mittelmäßige Bücher verfasst. Jetzt ist ihm wieder ein großer Wurf gelungen. Schlink schreibt menschlich und einfühlsam. Olga ist eine Frau mit wachem, klugem Blick auf die Zeit und auf die Menschen, mit denen sie lebt. Sie wird unter den Verlusten, die sie treffen, nicht schwächer, sondern stärker. Sie begehrt auf, immer wieder leise, am Ende laut. So sagt es Schlink über Olga.  Alles deutet darauf hin, dass es sich bei "Olga" um einen neuen Bestseller handelt, der es mit dem Welterfolg von "Der Vorleser" aufnehmen kann. Also: Unbedingte Lese-Empfehlung!