Michael Chabon: "Moonglow" Ein echtes Schelmenstück

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Es lebe die Anarchie! Mit dem Großvater dieses Romans muss man sich auf allerhand gefasst machen. Ein Typ, dessen Barometer schnell in cholerische Höhen steigt, der dann zum Beispiel seinen Chef mit einem Telefonkabel stranguliert, weil er sich ungerecht behandelt fühlt.

1941 heuert dieser Großvater bei der US-Army an und landet alsbald in der Offiziersanwärterausbildung. Denn er ist ein pfiffiger Typ, als studierter Ingenieur technisch begabt, bastelt er gern an Radios und Leuchtstoffröhren herum. Doch die blasierten Nichtsnutzeroffiziere nerven ihn so sehr, dass er einen Plan zur Eroberung Washingtons entwirft und tatsächlich einen Brückenpfeiler in die Luft sprengt. Ein echtes Talent, findet die Army und schickt den Großvater zur Strafe ins Kriegsgetümmel hinter die deutsche Front. Dort soll er vor allem den legendären V2-Raketenbauer Wernher von Braun ausfindig machen und in die USA bringen.

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"Moonglow" liest sich streckenweise wie ein Comicstrip

Michael Chabon (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Michael Chabon picture-alliance / dpa -

Grotesk witzig, um im nächsten Moment in kunstvolle Poesie umzukippen. Autor Michael Chabon entwirft einen Kosmos origineller, aber auch leidgeprüfter Typen. Das ist mitreißend, fast im lockeren Plauderton geschrieben, magnetisch. Und dies selbst in Situationen, in denen der Großvater durch miese, elende Geschichten rumpelt, die diese Zeit eben auch hervorgebracht hat. Und das ist ganz große Kunst.

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