Markus Söder im Vordergrund und Horst Seehofer im Hintergrund (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)

Buchtipp: "Markus Söder - Politik und Provokation" von Roman Deininger und Uwe Ritzer Die Biographie

Noch nie wollte jemand so dringend Ministerpräsident werden, wie er. Jetzt ist er's und sägt kräftig am Stuhl der Bundeskanzlerin. Die Rede ist von Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern. Der CSU-Politiker ist vehementer Kritiker der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel und ob sich sein Kurs auszahlt, wird die bayerische Landtagswahl im Herbst zeigen. 1,94 Meter groß ist Markus Söder. Übersehen kann man ihn nicht. Aber kann man ihn durchschauen? Ein Buch über ihn versucht das.

Vom Arbeiterkind zur Windmaschine

Markus Söder läuft sich nicht einfach nur warm. Er läuft heiß. Das ist so ein Satz, der den Politiker und Menschen Markus Söder ziemlich schnell auf den Punkt bringt. Oder: Markus Söder ist die Windmaschine der CSU. Er produziert bevorzugt heiße Luft. Sätze aus der Biografie "Politik und Provokation" der beiden Journalisten Roman Deininger und Uwe Ritzer von der Süddeutschen Zeitung.

Autorenpaar Söder (Foto: Droemer-Knaur - Foto: Markus Röleke)
Die Autoren Roman Deininger und Uwe Ritzer Droemer-Knaur - Foto: Markus Röleke

Sie beschreiben fesselnd, wie es Söder vom Arbeiterkind aus Nürnberg in die Staatskanzlei nach München gebracht hat. Eiserner Wille – oder zerfressen von Ehrgeiz, wie manche sagen. Als er jung war, hat er sich ein Poster von Franz Josef Strauß übers Bett gehängt, sein Vorbild auch für Reden: Markus Söder teilt gern aus, ist aber auch hart im Nehmen. Angriffe auf sich verwandelt er in positive Energie für sich um.

Politik an 365 Tagen im Jahr

Vor allem will er die Macht immer mehr als seine Konkurrenten. Die geben irgendwann auf: Netze knüpfen, Hausmachten bilden, Abhängigkeiten schaffen. Söder hat Facebook-Politik gemacht als es Facebook noch gar nicht gab. Söder betreibt Politik an 365 Tagen im Jahr, von morgens halb sechs bis Mitternacht. Wenn für andere der Wahlkampf-Auftritt fertig ist, fängt er für Markus Söder an. Er arbeitet sich von Biertisch zu Biertisch, quatscht Kirchweih-Besucher an, verteilt Visitenkarten, macht Smalltalk und immer Werbung für sich. Selbstvermarkter und Egomane – mal, smart, mal gerissen, mal verschlagen.

Bayern first

Er sagt immer das, was der angeblich kleine Mann gerne hören will. Diese Kombination hat ihn weit gebracht. Und erinnert an den Aufstieg von Donald Trump. Bayern first – das ist auch das Mantra von Markus Söder. Und in seinen Reden geht es viel um Angst. Kritiker sagen er schürt sie.

Typisches Alphatier

Die Biografie über Markus Söder zeigt exemplarisch, wie Macht funktioniert. Söder ist gescheit, hochtalentiert, er hat eine blitzschnelle Auffassungsgabe. Leute, die ihm im Weg stehen oder mit denen er nichts anfangen kann, behandelt er ruppig. Er beurteilt Menschen danach, was sie ihm nützen. Er kann schroff, abweisend und cholerisch sein. Die Dinge müssen so laufen, wie er es will, dann ist alles gut. Das typische Alphatier.

Das Fazit

Biografien können trocken und dröge sein – die über Markus Söder ist spannend und süffig zu lesen. Sie zeigen den bayerischen Ministerpräsidenten, der im Intrigantenstadl CSU die Oberhand gewonnen hat – und dessen Ego und Machtanspruch die Bundespolitik noch lange zu spüren bekommen wird.