Buchtipp: "Lasst die Bären los" von John Irving Packen Sie den alten Schinken nochmal aus!

AUTOR/IN

John Irving. Berühmter geht es eigentlich nicht für einen noch lebenden amerikanischen Autor. Seit mehr als 50 Jahren schreibt John Irving und wir haben jetzt seinen allerersten Roman wieder rausgekramt. Warum? Weil es sich lohnt...

Sorry, jetzt kommen erst mal ein paar Zahlen. Als "Lasst die Bären los" rauskam, war es 1968. Die Amerikaner waren noch nicht auf dem Mond, aber noch in Vietnam und Österreich war gerade mal 13 Jahre ohne Besatzung. In diese Zeit hüpfen wir mit "Lasst die Bären los" und gucken von da aus nach hinten und nach vorn. Nach vorn weil Siggi und Hanns zwei durchgeknallte Studenten sind, die auf einem geliehenen Motorrad den Teil der Welt entdecken, der Österreich ist und dabei keinen Schwachsinn auslassen, auch nicht die Idee, die Tiere im Wiener Zoo zu befreien. Hier merkt man, dass John Irving selbst gerade Mitte zwanzig war, als er seinen ersten Roman schrieb. Gleichzeitig guckt er aber auch nach hinten, was ja in den 68er auch mal etwas angesagter war. Dabei erfahren wir die ganze Familiengeschichte von Siggi vor und im Zweiten Weltkrieg. Wie sich sein Vater bei den verschiedenen Partisanen in Jugoslawien durchgeschummelt hat und wie seine Mutter die Besetzung von Österreich durch Hitler überlebte.

Als das Buch zum ersten Mal auf Deutsch erschien lag das lange zurück. Erst 1985 wurde "Lasst die Bären los" übersetzt und jetzt komme ich ins Spiel. Selbst gerade mit Erwachsenwerden beschäftigt, hat mich damals, noch vor dem Mauerfall, die wilde Art wie sich Siggi und Hanns auf die Welt einlassen schwer beeindruckt. Inklusive eigener Kunstsprache. Ich sage nur "Verfrottet".

Was ich völlig vergessen hatte, war die ganze Zweite Weltkriegs Vorgeschichte, aber sie gibt dem verrückten Trip der beiden erst die richtige Tiefe. Es lohnt sich jedenfalls das alte Buch wieder auszupacken, auch weil Irvings Sinn für skurrile Geschichten schon voll entwickelt ist, seine Sprache aber noch viel üppiger und geradezu ungezähmt.

AUTOR/IN
STAND