Buchtipp: "Hinterhaus" von Lioba Werrelmann Ein fesselnder Krimi

Wer eigentlich keine Krimis mag, aber bereit ist, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, für den ist "Hinterhaus" von Lioba Werrelmann genau das Richtige. Die Kölner Journalistin hat bereits 2014 ein sehr erfolgreiches Sachbuch veröffentlicht. "Stellen Sie sich nicht so an", handelte von ihrer persönlichen Odyssee durch das deutsche Gesundheitssystem wegen einer angeborenen Herzerkrankung. Jetzt veröffentlicht sie erstmals einen Krimi.

"Das Sachbuch ist ja eine wahre Geschichte, voller krasser wahrer Erlebnisse und als ich das fertig hatte, dachte ich, in Zukunft will ich solche krassen Erlebnisse lieber nur noch erfinden."

Und worum geht's?


Caro ist Mitte dreißig, hübsch, naiv, yogagestählt und mit einem der schönsten Orthopäden Berlins zusammen. Sie findet ihre Welt perfekt, bis diese plötzlich zusammenbricht: Eines Abends ist der Orthopäde weg und mit ihm die Wohnung. Caro und ihre sieben Kartons finden Unterschlupf bei der rätselhaften Mandy aus dem Hinterhaus, die eine Stimme hat "wie dunkler Honig".

Dort will Caro eigentlich erst mal ihre Wunden lecken, aber dazu bleibt keine Zeit. Denn schon am nächsten Tag wird Mandys Bad auf halber Treppe verwüstet, zurück bleiben Müllsäcke: "Ineinander verklebt, etwas Schweres ist darin verwickelt. Ich ziehe fester. Etwas fällt seitlich heraus, sieht aus wie eine Bürste. Dann greife ich nach dem, was ich für eine Bürste halte. Und habe ein Büschel Haare in der Hand." An dem Büschel hängt ein mumifizierter Kopf, der mal zu Mandys Bruder Hans gehörte. Der war 20 Jahre verschwunden. Jetzt ist er wieder da und völlig unvorbereitet steckt Caro in einem Mordfall, von dem sie nichts wusste und vom dem sie wohl auch nichts wissen soll. Nach zwei schmerzhaften Begegnungen mit einem Elektroschocker begreift selbst die naive Caro – sie ist in Gefahr.

Alle scheinen mehr zu wissen als sie, Menschen, die sie zu kennen glaubte, sind plötzlich andere, die ganze Sache wird immer rätselhafter und bedrohlicher: "Es ist so still. Es ist so furchtbar still hier unten... Was wenn das gar kein Keller hier mehr ist? Sondern ein Erdloch? Wenn ich schreie, wird irgendwer mich hören?"

Fazit


Scheinbar mühelos führt Lioba Werrelmann die zahlreichen Erzählstränge, die sich immer wieder kreuzen, nebeneinander her und auch wenn man zwischendurch die Befürchtung hat, sie könnten sich verheddern – es gibt keine Knoten.
Doch was passierte mit Hans? Wo ist eigentlich der Orthopäde? Und wieso trägt Caros beste Freundin Henry Kinder-Unterwäsche? Wer mit "Hinterhaus" anfängt, kann den Krimi erst dann wieder aus der Hand legen, wenn er die Antworten kennt.

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