"Gork, der Schreckliche" von Gabe Hudson Fun-Fantasy mit Hirn, Herz und Humor

Sie dürfen bei keiner Fantasy-Besetzung fehlen: die Drachen. Todbringende Ungeheuer, wie der grausame Smaug in Tolkiens Hobbit oder die giftige Drachenfrau Malzahn, mit der sich Jim Knopf ein gefährliches Duell geliefert hat. Und wenn man dann noch an das berühmte Urmel denkt, wird klar: es gibt sie in allen Variationen. Aber den Drachen, den sich der US-amerikanische Autor Gabe Hudson ausgedacht hat, den gibt es wahrscheinlich nur einmal: "Gork, der Schreckliche" heißt sein neues Buch.

Es sind unheimliche Kreaturen: aus der Zeit gefallen, undurchdringlich, mitleidslos. Drachen speien sich durch fast jede märchenhafte Erzählung, legen Dörfer in Schutt und Asche und verspeisen ganz gern mal eine Jungfrau. Kein Wunder, dass der erste Satz in Gabe Hudsons Geschichte so ausfällt:

"Mein Name ist Gork der Schreckliche und ich bin ein Drache."

Schön geschwindelt. Klar: schrecklich wollen sie alle gern sein. Das weiß man schon seit Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, über den Halbdrachen Nepomuk gestolpert sind. Eine halbe Portion eben, die von den richtig großen, schrecklichen Drachen verhöhnt wurde. Bei Gork sieht die Sache nicht viel anders aus. Seine Hörner haben gerade mal Babykarotten-Länge. Sein "Wille-zur-Macht-Ranking" liegt im untersten Bereich. Status Kuschelbär. Ein Weichei in den Augen der Drachenkadetten, die mit Gork die WarWings-Akademie besuchen:

"Und hier beginnt die Geschichte, wie ich mich auf die Suche machte. Und ich sollte Dich warnten, dass von allen Drachenliebesgeschichten meine die Schrecklichste ist. Aber auch die romantischste. Denn ich meiner schuppigen grünen Brust schlägt ein entsetzlich großes und empfindsames Herz."

Es ist tatsächlich eine Liebesgeschichte: Gork, der auf einem Drachenplaneten lebt, hat sich in die beeindruckende Drakonette Runcita verguckt. Ausgerechnet, denn diese Drachenlady spielt eigentlich nur in der Oberliga. Trotzdem ist Gork fest entschlossen, sie zu seiner Königin zu machen, mit der er auf der Abschlussfeier der Akademie glänzen will. Wie er das anstellt, davon erzählt dieser Roman. Dabei spielt die gesamte Handlung nur an einem einzigen Tag. Doch weil sich Gork von ständig neuen Herausforderungen und Abenteuern ablenken lässt, sind es viele Geschichten, die sich hier aneinanderreihen.

"Gork, der Schreckliche" beschreibt den Pubertätsalbtraum schlechthin: vor Testosteron strotzende MachoTeenie-Drachen, die sich um die Gunst der Superdrakonetten prügeln, die kein Pardon gegenüber Außenseitern dulden. Dafür sorgt schon Dr. Schrecklich, der Obereinpeitscher und Großvater von Gork, der sich als brutaler Dogmatiker erweisen wird. Vieles davon kommt einem beunruhigend bekannt vor. Doch wie es Gabe Hudson erzählt, das ist herrlich schräg, vor allem sehr unterhaltsam.

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