Buchtipp: "Das Labyrinth des Fauns" von Cornelia Funke/Guillermo del Toro Ein Buch voller magischer und poetischer Momente

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Märchenhaft gespenstisch ist dieser SWR1-Buchtipp: "Das Labyrinth des Fauns". Ein neuer Roman der Spiegelwelten-Meisterin Cornelia Funke. Diesmal hat aber auch ein großer Filmregisseur bei ihrem Buch mitgemischt – nämlich Gulliermo Del Toro. Wie das zusammengeht lesen Sie hier...

Es war einmal eine Prinzessin, die in einem unterirdischen Reich lebte, zugleich große Sehnsucht nach dem Leben auf der Erde verspürte. Sie nahm Reißaus, doch mit dem ersten Sonnenstrahl wurden all ihre Erinnerungen gelöscht. So beginnt dieser Roman. Das Märchen von der verschollenen Prinzessin verspinnt sich kurz darauf mit einer zweiten Geschichte mit realem, bitterem Hintergrund: Spanien 1944, das faschistische Franco-Regime macht Jagd auf Partisanen, die sich in den Bergen verschanzt haben. Ausgerechnet hier landet die 13jährige Ofelia, die im Wald einen merkwürdigen Stein findet:

"Ofelia bückte sich und schloss die Finger um den Stein. Die Zeit hätte ihn mit Moos überzogen, doch als Ofelia das Moos abrieb, sah sie, dass er flach und glatt war und dass jemand ein Auge hineingemeißelt hatte. Ein menschliches Auge."

Cornelia Funke (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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Der Stein setzt eine Reihe von Ereignissen in Bewegung, die Ofelia in das unheimliche Labyrinth des Fauns locken. Und das Mädchen ist geradezu froh, in dieser magischen Fantasiewelt ihrer beklemmenden Umgebung zu entkommen. Denn mit ihrer hochschwangeren Mutter ist Ofelia auf einem Truppenstützpunkt im Wald bei ihrem neuen Stiefvater untergekommen: Capitán Vidal, ein berüchtigter Hauptmann, der den Partisanen mit äußerster Brutalität nachstellt:

"Vidals Rasiermesser war ein wundersames Ding, mit seiner glänzenden Klinge, reißender als die Zähne eines Wolfes. Es war ein Werkzeug, mit dem ein Mann schneiden, zerfetzen und beißen konnte. Das Messer war seine Klaue - seine Zähne."

Hinter dem neuen Roman von Cornelia Funke steckt ein ungewöhnliches Projekt. Denn die Geschichte fußt dem oscarprämierten Film von Starregisseur Guillermo del Toro. Ein Lieblingsfilm der Autorin, die den Mexikaner bei Dreharbeiten kennenlernte. In Cornelia Funkes Version verschmelzen die Welten, Legenden und Märchen erzählen in Rückblicken, wie das Böse auch die Fantasiewelt erreicht hat. Und nun liegt es an Orfelia, dieses Böse zu bekämpfen, indem sie drei Aufgaben löst. Halt gibt ihr dabei der Faun - in beiden Welten.

"Es fühlte sich an, als würde sie einen Baum umarmen, und das Lachen des Fauns war ein sprudelnder Quell, der ihre Verzweiflung fortschwemmte. Der riesige Körper des Fauns schützte sie vor einer Welt, die viel zu finster geworden war."

"Das Labyrinth des Fauns" ist keine nette Märchenstunde. Ähnlich wie der Kinofilm erzählt auch Cornelia Funke von den Schrecken des Franco-Regimes, von den Grausamkeiten gegenüber den Partisanen. Aber sie tut es auf ihre geniale Weise und so steckt dieser wunderbare Roman zugleich voller magischer, voller poetischer Momente.

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