Buchtipp: "Calypso" von David Sedaris Eine Vorzeigefamilie?

David Sedaris ist berühmt geworden mit seinen Kurzgeschichten über seine Kindheit und Jugend in seiner eigenen leicht schrägen Familie. "Nackt" und "Ich ein Tag sprechen hübsch" waren Besteller. Jetzt folgt "Calypso".

Ich kenne die Familie Sedaris, schon ewig. So eine Art Vorzeigefamilie - für mich zumindest. Denn bei so viel Nähe und Humor in der Familie kann eigentlich nichts schief gehen. Wobei es in Wahrheit wahrscheinlich genau umgekehrt ist: Bei den Sedaris läuft so viel schief, dass ohne Humor gar nichts geht.

Im Buch "Calypso" ist David nicht mehr der Kleine, sondern Erfolgsautor im mittleren Lebensalter und das bietet wenig echte Freuden.

"Der einzige Lichtblick, der mir einfällt, ist, dass man mit etwas Glück ein Gästezimmer hinzugewinnt."

Natürlich ist der eigentliche Lichtblick nicht das Gästezimmer, sondern wie David Sedaris auf die Welt schaut. Keine Details und kein Ärgernis ist vor dem unerschütterlichen Willen des Autors sicher daraus eine skurrile Geschichte werden zu lassen, nicht mal ein eigener Tumor.

Autor David Sedaris (Foto: Ingrid Christie)
Ingrid Christie

Im mittleren Alter werden die Themen ernster: Immerhin sind auch schon zwei aus der Familie tot. Wobei selbst das in der Familie Sedaris durch Kontaktaufnahme über ein Medium relativiert wird. Eine der Toten ist die Schwester Tiffany. Offenbar psychisch krank. David Sedaris schildert die letzte Begegnung, und wie er sie vom Sicherheitsdienst von einer seiner Lesungen ausschließen lässt. Sehr ehrlich ist das und fast schon ein Schock für mein Bild von der Familie Sedaris.

Aber wie das bei Kurzgeschichten so ist, geht es direkt danach fröhlich weiter mit einer Geschichte darüber, in welchem europäischen Land am besten geflucht wird. Titel: "Und wo Du schon mal drin bist, sieh doch gleich noch nach meiner Prostata." So viel kann ich verraten: Die Bulgaren sind die Sieger. Womit, darf ich hier, beim Besten Willen nicht wiedergeben.

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