Bekanntes Thema neu erzählt "Eine schöne junge Frau"

Älterer Mann verliebt sich in junge Studentin. Das hört sich nicht neu an, doch dem Niederländer Tommy Wieringa gelingt es daraus eine neue rasante Geschichte zu zaubern. Auf nur 218 Seiten entwickelt er ein interessantes Beziehungsdrama.

Worum geht es?

Um den Wissenschaftler Edward, Mitte 40, der sich in eine 15 Jahre jüngere Studentin verliebt. Er sieht sie im Cafe vorbeiradeln und lässt sich von ihrem Hintern betören. Hier schon beginnt die Verblendung. Beide werden ein Paar, erleben ein paar romantische Momente, doch Edward merkt zu spät, dass er von einer launischen, selbstbezogenen Person ruiniert wird. Nach der Hochzeit traktiert Ruth, die schöne junge Frau, Edward unablässig mit moralischen Vorwürfen. Ruth ist Vegetarierin und wirft Edward mangelndes Mitgefühl vor, weil er als Virologe Tierversuche durchführen muss. Als die beiden ein Kind bekommen, das ständig schreit, sieht Ruth die Schuld dafür in Edwards Anwesenheit. Edward, der inzwischen eine Affäre mit einer Mitarbeiterin begonnen hat, muss aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausziehen, schläft im Büro, später im Wohnwagen seines Schwagers.

Klasse, weil ...

hier unverblümt, doch ohne Schwere, das Scheitern einer Beziehung geschildert wird. Beeindruckend, dass der Plot "Mann liebt wesentlich jüngere Frau" noch einmal so belebend neu erzählt werden kann. Weder Frau noch Mann kommen gut weg: Edward ist schlicht angetrieben von einem lüsternen Eroberungswillen, Ruth wird gezeigt als eine Frau, die sich verändert, als sie das Kind bekommt, boshaft wird und ihren Mann zunehmend verachtet. Liebe, Ehe, Zusammenbruch. Der niederländische Erfolgs-Autor Tommy Wieringa schreibt aus der männlichen Perspektive - möglicherweise aus eigenem Erleben.

Genau das richtige für ...

diejenigen, die es leichtfüßig geschrieben mögen und doch mit Tiefgang. Ein Buch, das die Charaktere fast nur skizziert. Rasant erzählt. Nichts wird ausgewalzt. Eine Roman-Schnellversion auf 120 Seiten. Oder - wie es Elke Heidereich ausdrückte: Kein zäher, endlos langer Filterkaffee, sondern ein Espresso.