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Es gibt einige Songs in der Musikgeschichte, die es wirklich in sich haben. Songs, die aufgrund ihrer Texte sogar zensiert wurden und zeitweise aus den Programmen der Radiostationen rausgeflogen sind.

Cyndi Lauper mit ihrem Skandal-Song "She Bop"

Cyndi Lauper sieht sich als selbstbewusste und selbstbestimmte Frau. Genau das will sie auch in ihren Texten ausdrücken. "She Bop" handelt davon, dass sie ihre Sexualität als Frau auch ausleben darf.

Cyndi Lauer (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Hanne Jordan)
Cyndi Lauper, US-amerikanische Sängerin Hanne Jordan

Sie singt vom Blue Boys Magazin, einem Hochglanzheft mit schönen Männerbildern. Das sorge bei ihr für prickelnde Gefühle. Das prüde Amerika geht prompt auf die Barrikaden. Sie singt ja offensichtlich von Selbstbefriedigung und das auch noch als Frau, Skandal! Radiostationen boykottieren den Titel, es muss ein Aufkleber auf die Single, der vor dem jugendgefährdenden Inhalt warnt. Und dann schaltet sich noch das Parents Music Resource Center ein; ein Elternverein, der vor der Verrohung von Texten in der Popmusik warnt. Sie setzen den Titel auf ihre Liste mit den anstößigsten Songs der Welt. Wie zu erwarten macht ihn das für Jugendliche besonders interessant. Die Single wird ein Kassenschlager.

Bedeutet LSD ausgeschrieben etwa "Lucy in the Sky with Diamonds"?

John Lennons Sohn Julian kommt irgendwann aus der Schule und präsentiert ein Bild. Er habe seine Schulkameradin Lucy gemalt. Das Bild heiße Lucy in the Sky with Diamonds. Schön, oder?

Lennon nimmt die Vorlage und lässt sich zusätzlich von Alice im Wunderland inspirieren. Heraus kommt eine Aneinanderreihung seltsamer Bilder von einem Marmeladenhimmel oder einem Mädchen mit Kaleidoskop-Augen. Ziemlich verrückt finden die Fans und wissen die Antwort: Der Titel handle von einem LSD Trip Lennons. Die einschlägige Szene feiert den Song, der sich ja auch noch mit LSD abkürzen lässt. Lennon sagte später, er schwöre jeden Eid, dass dieser Song nichts mit Drogen zu tun habe.

John Lennon mit Yoko Ono and seinem Sohn Julian  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, United Archives)
John Lennon mit Yoko Ono and seinem Julian Lennon United Archives

Trotzdem: Die Gerüchte sind nicht totzukriegen. Die sehr vorsichtige BBC spielte das Lied 1967 ein einziges Mal, dann verschwand es, ohne dass es einen offiziellen Boykott gab. Man wollte wohl keine zusätzliche PR für den Titel machen.

Nur die Harten kommen in den Garten

Der Hit von Billy Ocean "When the going gets Tough, the Tough gets Going", heißt sehr frei übersetzt: "Wenn die Zeiten hart werden, kommen die Harten erst in Schwung". Noch freier: "Nur die Harten kommen in den Garten".  Es ist der Song von Billy Ocean zur Abenteuerkomödie "Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil".

Das Video zum Song ist ein gespielter Liveauftritt der Band von Billy Ocean. Im Chor sind die Hauptdarsteller des Films:  Kathleen Turner, Michael Douglas und Danny de Vito, die sichtlich Spaß haben. Und dann kommt das Saxofonsolo, das von Danny de Vito gespielt wird. Natürlich Playback. Das ruft die britische Künstlergewerkschaft auf den Plan. Da tut jemand so, als spiele er Saxofon, der es gar nicht kann. Das ist irreführend und geht nicht. Sie schaffen es tatsächlich, dass das Video aus englischen Musiksendern verbannt wird.

Sexuelle Anspielung schon auf dem Plattencover

Der Song "Relax" von Frankie Goes to Hollywood hat sich 1983 in den Charts eher nach oben geschlichen. Im Januar 1984 erreichte er in England Platz 35 und wurde somit in die Top 40 Show von BBC Radio One eingeladen. Der Moderator Mike Read spielt den Song und erblickt das Cover, auf dem sich zwei kaum bekleidete Menschen räkeln. Ebenso wimmelt im Text nur so von sexuellen Anspielungen. Doch der Song läuft schon. Empört unterbricht er die Musik und zerdeppert die Single. Die Schimpftirade des Moderators vertonte Frankie Goes to Hollywood später und setzte sie an den Anfang der Langversion von "Power of Love".

»Diesen obszönen Titel spiele ich nicht!«

Mike Read, Moderator bei BBC Radio One (1984)

Der Skandal bringt natürlich nochmal Rückenwind für "Relax", das in den Charts weiter nach oben klettert. Privatsender spielen es weiterhin. Wenige Monate später knickt die BBC ein und nimmt den Titel wieder ins Programm.

The Who-Song fliegt wegen Stottern aus dem Programm  

Im Song "My Generation" von The Who geht es im Grunde um die Suche der aufmüpfigen Jugend nach ihrem Platz in der Gesellschaft. 1965 eine wichtige Frage. Allerdings ist der Song weder anzüglich noch gewaltverherrlichend. Trotzdem nimmt die BBC den Titel aus dem Programm. Wegen einer Passage in der gestottert wird. Roger Daltrey verstottert absichtlich den Text. Die Verantwortlichen sind besorgt und fürchten Beschwerden. Stotterer könnten sich auf den Schlips getreten und diskriminiert fühlen. Also fliegt "My Generation" raus.

Sing Cher etwa wie ein Mann?

1964 ist Beatlemania in den USA. Alles was irgendwie mit den vier britischen Jungs zu tun hat, lässt sich zu Geld machen. Das ist auch der Plan von Produzent Phil Spector. Er will den Song "Ringo, I love You", eine gesungene Liebeserklärung an den Drummer der Beatles, rausbringen.

Cher (Foto: picture-alliance / Reportdienste, The Palm Beach Post)
Cher in den 1960er Jahren, damals noch eher unbekannt. The Palm Beach Post

Er bietet den Song der damals noch unbekannten Cher an. Sie nimmt das Angebot an, ist allerdings nicht so wirklich überzeugt und besteht darauf, dass der Song nicht unter ihrem Namen, sondern unter dem Pseudonym "Bonnie Jo Mason" erscheinen soll. Das zusammengeklaute Machwerk wird ein totaler Flop, da sich die Radiostationen weigern den Titel zu spielen.

Der Grund: Ihrer Meinung nach wird der Song von einem Mann gesungen, der Ringo Starr eine Liebeserklärung macht. Also Verführung zu Homosexualität und somit eine Straftat. Der Song verschwindet in der Versenkung.

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