Bitte warten...

Eric Clapton: unplugged (1992) Lieblings-Live-Album einer ganzen Generation

Eric Clapton ist Anfang der 90er nicht überzeugt vom MTV-Unplugged-Format. Sein legendäres Konzert hätte er beinahe erst gar nicht veröffentlicht!

Die "Rocky Horror Picture Show" lässt grüßen

Kann man sich Eric Clapton ohne sein berühmtes "Unplugged"-Album vorstellen? Wohl kaum. Clapton selber muss in seiner Autobiographie allerdings eingestehen, dass die Musik-Welt beinahe überhaupt nichts von diesem kleinen Konzert mitbekommen hätte – weil er von Marketing null Ahnung habe. Am 16. Januar 1992 ist er zu Gast in den britischen Bray-Studios. Die liegen etwa 40 Kilometer westlich von London und haben zu dem Zeitpunkt ihre beste Zeit bereits hinter sich gelassen.

Legendäre Horrorschinken

Die liegen etwa 40 Kilometer westlich von London und haben zu dem Zeitpunkt ihre beste Zeit bereits hinter sich gelassen. Denn hier wurden in den 60er Jahren die legendären Horrorschinken der "Hammer"-Produktionsfirma gedreht. Auch die "Rocky Horror Picture Show" wurde vollständig hier gefilmt. Nach der Kino-Karriere wird das Gebäude mit seinen Einrichtungen weiterhin fleißig als Proben-Ort für Musiker genutzt und als Dreh-Ort für die ein oder andere britische Fernseh-Serie (wie z.B. "Dr. Who"). Clapton nimmt also das Angebot von MTV an, vor kleinem Publikum ein "Unplugged"-Konzert aufzunehmen. Er hat Spaß bei der Sache. Einen seiner berühmtesten Songs verändert er bis zu Unkenntlichkeit (bei "Layla" ist er so witzig und fragt das Publikum vorab, ob die wohl erraten, welches Lied er da jetzt spielen werde: "Let's see if you can spot this one"). Aber trotz des hörbaren Vergnügens, zweifelt er an einer Veröffentlichung. Er kann froh sein, diese Zweifel beiseite gewischt zu haben; Claptons "MTV Unplugged" ist mit 24 Millionen Exemplaren das weltweit meistverkaufte Live-Album – und Claptons erfolgreichste LP überhaupt (die im Folgejahr auch einige Grammys bekommt).

Eric Clapton mit seinem Song "Layla" (Quelle: Youtube)

Was ist eigentlich "unplugged"?

Der Begriff "Unplugged" hat Anfangs für einige Verwirrung im deutschsprachigen Raum gesorgt. Wörtlich würde man am ehesten mit "Stecker gezogen" übersetzen. Die spezielle Eigenart der "Unplugged"-Konzerte ist, dass hier Instrumente weggelassen werden, die dringend auf Elektrizität angewiesen sind. Die E-Gitarre zum Beispiel wird ohne Strom zum Rohrkrepierer. Ein E-Piano ohne "E" ist mucksmäuschenstill. Stattdessen werden deren "Originale" benutzt – also ein klassisches Klavier bzw. eine Akustik-Gitarre. Von "Stecker gezogen" kann aber bei diesen Konzerten keine Rede sein. Denn tatsächlich braucht man weiterhin viel Strom für Mikrofone und Verstärker, um den Klang der akustischen Instrumente über Lautsprecher deutlich hörbar zu machen. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff "Unplugged-Version" gerne auch durch "Akustik-Version" ersetzt. – Die Idee ist im Jahr 1992 nicht gerade neu – aber sie begeistert das Publikum. Vor allem ist es das Können Claptons, das das Publikum begeistert.

CD Cover Eric Clapton - Unplugged
Titel:
Unplugged
Komponist:
Eric Clapton
Veröffentlichung:
19. August 1992
Extras:
Titelliste:
Signe
Before you accuse me
Hey Hey
Tears in heaven
Lonely Stranger
Nobody knows you when you're down and out
Layla
Running on faith
Walkin' blues
Alberta
San Francisco Bay blues
Malted mik
Old Love
Rollin' and Tumblin'

Der große Erfolg sorgt für Legenden-Bildung

Beim Erscheinen der LP sind die Kritiken wohlwollend bis euphorisch. Die Verkaufszahlen sind sogar astronomisch. Die Rezensionen loben ein Album, das wie aus einem Guss zu sein scheint. Clapton gibt hier Standards zum Besten und zwar wortwörtlich! Er gehört offenkundig zu den Besten der Welt. Der Künstler schwelgt im Blues, der Musik-Richtung, die ihn wie keine andere geprägt hat. Alles ist hier auf dem gleich hohen Niveau. Wenn es Kritik gibt, dann nur daran, dass die LP vielleicht ein bisschen zu entspannt rüberkommt – zu gediegen wirkt mit ihrer blitzblanken Perfektion. Aber diese Stimmen bleiben in der Minderheit. Clapton legt ein Konzert hin, das sich buchstäblich als zeitlos erweisen wird, als Klassiker der Moderne. Es ist das Lieblings-Live-Album einer ganzen Generation. Und wie sich das für kultisch verehrte Klassiker gehört: Es bilden sich Legenden, die sich hartnäckig halten!

Das erste "MTV Unplugged"-Album

Die zwei häufigsten Legenden: Es sei das erste "MTV Unplugged"-Album überhaupt. Das stimmt natürlich ganz und gar nicht. Der Musiksender hatte schon Ende der 80er Jahre damit begonnen, kleine Club-Konzerte zu veranstalten. Der Name "MTV Unplugged" wird dabei zunächst gar nicht genannt – etabliert sich aber schon wenige Jahre später. Bis dahin sind schon Leute wie Elton John, Paul McCartney und Mariah Carey für den Sender aufgetreten. Mit dem Millionen-Erfolg von Mariah Careys MTV-Auftritt 1992, später aufgezeichnet aber früher veröffentlicht als das Clapton-Konzert!! – etabliert sich der Begriff als Marke. Vorurteil Nummer zwei: Das herzzerreißende "Tears in Heaven" würde man hier zum ersten Mal hören. Auch das stimmt nicht. Clapton hatte den tragischen Unfall-Tod seines vierjährigen Sohnes Conor schon 1991 versucht, musikalisch zu verarbeiten (Conor war aus der 53. Etage eines New Yorker Hochhauses gestürzt, in dem die Mutter lebte). Tatsächlich erscheint das Lied schon im selben Jahr auf einem Soundtrack, zu dem Clapton alle Songs beiträgt. Der Film "Rush" ist mittlerweile in komplette Vergessenheit geraten – die Musik ist es nicht! - Claptons Album ist stilprägend. Zusammen mit Mariah Carey ebnet er den Weg für viele andere Künstler, deren MTV-Alben zu Kultklassikern werden (Nirvana, Udo Lindenberg, und, und, und…).

Eric Clapton mit seinem Song "Tears in heaven" (Quelle: Youtube)


Aktuell in SWR1