Bitte warten...
John Lee Hooker bei einem Konzert 1991 in Berlin

John Lee Hooker: "The Healer" (1989) Wie ein hochbetagter Mann mit 72 zu Weltruhm kommt

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

John Lee Hooker war jahrzehntelang ein Star – allerdings nur bei Freunden der Blues-Musik. Prominente Blues-Freunde sorgen für den späten Durchbruch.

Aber wer war das jetzt eigentlich nochmal?

Wann geht ein Musiker in Rente? Naja, wenn Gehör, Stimme und Fingerfertigkeit am jeweiligen Instrument noch stimmen, kann so eine Musiker-Karriere sehr lange gehen. John Lee Hooker hatte so eine extrem lange Karriere. Wobei man allerdings sagen muss: Seit Ende der 50er Jahre war er nur einem Nischen-Publikum bekannt. Trotz seiner 60er-Jahre Kult-Hits "Boom Boom" und "One Bourbon, One Scotch, One Beer". John Lee Hooker hatte allerdings auch das Pech, in einer musikalischen Nische unterwegs gewesen zu sein – der Nische der Blues-Musik.

Und in dieser Nische hatte er auch noch das Pech, immer wieder mit Muddy Waters verwechselt zu werden. Stimme und Musik-Stil der beiden waren einfach unglaublich ähnlich. Muddy Waters hatte allerdings das Glück, die größeren Hits gelandet zu haben: "Mannish Boy" und "Hoochie Coochie Man" waren vom Fleck weg zu Klassikern geworden.


John Lee Hooker bei einem Konzert 1970 in Paris

John Lee Hooker bei einem Konzert 1970 in Paris

Morgens Pförtner, abends Musiker

Ähnlichkeiten hin oder her: Hooker, der aus ärmlichsten Verhältnissen kam, war schnell eine bekannte Größe der Musik-Szene. Seit Ende der 50er Jahre veröffentlichte der Sohn einer Baumwollpflücker-Familie (er war Jahrgang 1917) regelmäßig Musik. Tagsüber arbeitete er als Pförtner bei den verschiedensten Auto-Firmen in Detroit. Abends allerdings war er als Musiker in den Detroiter Clubs unterwegs.

Der talentierte Gitarrist landete schnell bei einer Plattenfirma. Und schon als der erste Plattenvertrag unterzeichnet war, zeigte sich sein unfassbarer Schaffensdrang. Stellenweise hatte Hooker Jobs in mehreren Aufnahmestudios gleichzeitig. Um keinen Ärger mit Gewerkschaften zu bekommen (die es nicht mochten, wenn man zeitgleich an verschiedenen Projekten arbeitete), war der Gitarrist locker mit bis zu sechs Pseudonymen unterwegs.

Fans haben bis heute Schwierigkeiten, eine komplette Diskographie zu erstellen. Sie kommen auf hunderte Titel, die Hooker unter den verschiedensten Namen zusammengespielt hat – aber ob das alle Titel sind, ist nicht ganz klar. Denn möglicherweise war er unter weiteren Pseudonymen unterwegs – oder auch mal als namenloser Studiomusiker!


John Lee Hooker im Film "Blues-Brothers"

John Lee Hooker ist auch im Film „Blues Brothers“ zu sehen.

Besonders erfolgreich, wenn Kollegen rufen

In den 60er Jahren schwappte Hookers Ruf rüber nach England. Die Musik-Größen dort waren Anhänger der Blues-Musik. Allen voran die Rolling Stones, die Yardbirds und die Animals. Sie waren es, die sich Hookers Stil zu eigen machten – und die den Blues einem größeren Publikum vorstellten. 1971 kommt es zu einer denkwürdigen Zusammenarbeit zwischen Hooker und der (weißen) US-Blues-Band "Canned Heat".

Das Album, das aus der Zusammenarbeit entsteht, wird zum Kult. Die Doppel-LP "Hook´n´Heat" wird zum ersten Album-Chart-Erfolg für John Lee Hooker. Und hier zeigt sich auch: Der Musiker ist besonders dann erfolgreich, wenn er mit anderen Kollegen zusammenarbeitet.

Aber ob mit prominenten Kollegen oder einfach nur solo: Die Karriere des John Lee Hooker verläuft stabil ohne großen Knick nach oben oder unten. Er ist immer unterwegs – auf allen Bühnen dieser Welt; oder besser formuliert: hauptsächlich in den USA und in Europa. Die Jahre und Jahrzehnte ziehen ins Land. Ein kleiner Auftritt im Kult-Film "Blues Brothers" sorgt ab 1979 nochmal für einen weiteren Popularitäts-Schub.


Ein Agent sorgt für den ganz großen Durchbruch

Wie viele andere Musiker auch, steht Hooker Ende der 80er bei der Rosebud-Agency unter Vertrag. Das ist die Künstler-Agentur eines gewissen Mike Kappus aus Wisconsin. Kappus ist der Mann, dem die Blues-Musiker dieser Welt zu ewigem Dank verpflichtet sind, denn er versteht es wie niemand sonst auf der Welt, den Blues "an den Mann" zu bringen. Er sprüht über vor Ideen, organisiert Konzerte, produziert Platten, bietet unbekannten Künstlern Verträge an. Kappus ist der personifizierte Blues (und hält zahlreiche Ehrungen in der "Blues Hall of Fame").

Er hat die Idee, Hooker ein Album aufnehmen zu lassen, in dem alle möglichen Gast-Stars auftreten sollen; Stars, die immer wieder mal mit Hooker zu tun gehabt hatten (wie etwa Canned Heat im Jahr 1971). Dafür muss nicht einmal großartig neues Songmaterial komponiert werden. Vieles auf dem Album kennt man als Standards, Songs, die Hooker in seiner Karriere immer wieder mal auf anderen Alben aufgenommen hatte.

Aber was sind das für Leute, die hier neben Canned Heat als Gäste auftreten! Carlos Santana (der mit seinem unverwechselbaren Gitarren-Klang dem Blues eine ganz eigene Note verleiht), Bonnie Raitt, Los Lobos und Robert Cray (um nur die bekanntesten Namen zu nennen). Und genau diese Mischung macht´s! Alte Standards bekommen einen neuen Anstrich. Das Massenpublikum ist begeistert. Hooker verkauft mehr als eine Million Stück seines Albums. Es ist der größte kommerzielle Erfolg seiner Karriere. Da ist er 72 Jahre alt.

John Lee Hooker und Bonnie Raitt bei Grammy-Verleihung

John Lee Hooker und Bonnie Raitt bekamen für "I´m in the Mood" einen Grammy.

"The Healer" wird mit insgesamt vier Grammys geehrt. Und Hooker? Der denkt überhaupt nicht ans Aufhören. Er gibt buchstäblich Konzerte bis kurz vor seinem Tod. Im Juni 2001 entschläft John Lee Hooker friedlich – wenige Wochen vor seinem 84. Geburtstag. Er hinterlässt 8 Kinder und 19 Enkel-Kinder. Sein musikalisches Erbe ist unüberschaubar. Wahrhaft: ein erfülltes Leben!

Cover
Titel:
The Healer
Interpret:
John Lee Hooker
Veröffentlichung:
September 1989
Extras:
Titelliste:
1. The Healer
2. I’m in the Mood
3. Baby Lee
4. Cuttin’ Out
5. Think Twice Before You Go
6. Sally Mae
7. That’s Alright
8. Rockin’ Chair
9. My Dream
10. No Substitute

Aktuell in SWR1