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1969 Sind Creedence Clearwater Revival im Schaffensrausch. Es ist unglaublich, aber die Band um Songwriter John Fogerty veröffentlicht Anfang, Mitte und Ende des Jahres drei Studio-Alben. Das mittlere – „Green River“ – nennt Fogerty bis heute sein Lieblings-Album.

Die unglaubliche Geschichte von CCR

John Fogerty steht nicht allein mit seiner Meinung da. Das „Rolling Stone Magazine“ hat die LP in ihrer berühmt-berüchtigten Liste der „500 besten Alben aller Zeiten“ auf Platz 95 gewählt. Und wir hier bei SWR1 haben natürlich auch unsere Gründe, dieses kleine Meisterwerk in unsere „Meilenstein“-Reihe aufzunehmen. Wobei sich das mit dem Wörtchen „klein“ nur auf den Umfang bezieht. „Green River“ hat – wie so viele Veröffentlichungen der damaligen Zeit – gerade mal eine Netto-Spielzeit von 29 Minuten. – Und für den Fall, dass Sie neu hier bei den „SWR1-Meilensteinen“ sein sollten: Die Kult-Band taucht hier nicht zum ersten Mal auf. Wenn Sie Ihr Wissen nochmal mit ein paar Basis-Kenntnissen auffrischen wollen, klicken Sie doch einfach mal flott auf diesen Link.

Die ganzen unglaublichen Hintergründe über miese Plattenverträge, Spekulationen auf den Bahamas, Auftritts-Verbote und die Egomanie des John Fogerty finden Sie dort nochmal zusammengefasst.

Die Schatten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Aber zurück zu unserem Meilenstein dieser Woche und dem Zitat von John Fogerty: Warum bezeichnet er ausgerechnet diese LP als sein Lieblingskind? (Und man muss wirklich betonen: „sein“ Lieblingskind – denn acht der neun Lieder stammen aus seiner Feder! Lied Nummer 9 ist ein Coversong). Diese Hochachtung hat mindestens zwei Gründe. Zum einen sind da wieder die Songs, die zu Welthits werden – und sich anschließend in Klassiker verwandeln. Das Titelstück „Green River“, sowie „Bad Moon Rising“ und „Lodi“ kann heute jeder gestandene Rockfan auswendig mitsingen.

Creedence Clearwater Revival v.l.n.r.: Gitarrist John Tristao, Schlagzeuger Doug Cosmo Clifford und Bassist Stu Cook (alle USA) anlässlich eines Konzerts in Temecula 2005 (Foto: Imago, UPI Photo)
In alter Frische, nur ohne Frontmann John Fogerty: CCR bei einem Konzert in Temecula (2005) Imago UPI Photo

Zum anderen sind Fogertys Song-Texte außergewöhnlich persönlich geprägt. Bei „Green River“ war Fogertys Kindheit die Haupt-Inspiration. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr war er mit der Familie regelmäßig in Kalifornien an einem ganz bestimmten Fluss im Camping-Urlaub. Die Farben von Fluss und Bäumen vergisst er nie – und es ist daher auch kein Zufall, dass sich die Band auf dem LP-Cover an einem sonnigen Tag im Schatten einiger Bäume ablichten lässt. „Lodi“ handelt von Musikern, die als No-Names starten und von der Hand im Mund leben müssen. „Bad Moon Rising“ wird damals von heimkehrenden Vietnam-Soldaten hoch und heilig verehrt, denn hier wird klar gemacht: Alles dort wird nur noch schlimmer (der Vietnam-Krieg endet für die USA erst 1975 mit einer für alle Beteiligten entsetzlichen Niederlage). Und das Lied „Wrote a Song For Everyone“ ist eine schmerzliche Selbsterkenntnis, die John Fogerty hier in Text und Musik ausdrückt: Seine Ehe ist in der Krise. Er redet nicht mit seiner Frau Martha – und erklärt in diesem Lied: „Ich hab ein Lied für alle geschrieben – aber mit Dir konnte ich nicht reden!“.

 John Fogerty Performs Original Woodstock Set in "My 50 Year Trip" at Encore Theater at Wynn Las Vegas in Las Vegas, NV on April 10, 2019 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Seit 1991 in zweiter Ehe wieder glücklich mit Julie Lebiedzinski verheiratet: John Fogerty. Hier bei einem Konzert 2019 Picture Alliance

Und die Musik?

Die Musik ist natürlich wieder Creedence Clearwater Revival in Reinform. Die vierköpfige Band beherrscht ihre Instrumente bis zur Perfektion; die Melodien kommen nach wenigen Sekunden auf den Punkt. Die Texte setzen sich ebenfalls im Ohr fest. Im Zusammenhang mit „Green River“ und dem unfassbar kreativen Jahr 1969, das ja gleich drei Studio-Alben abwirft, werden rückblickend immer wieder zwei Zitate rausgekramt. Zum einen das von Drummer Doug Clifford. Angesprochen auf das perfekte Handwerk der Band, sagt er später, dass sich die Band damals ganz bewusst gegen den allgegenwärtigen Drogenkonsum entschieden habe. Sie wollten sich, wenn überhaupt, dann nur an der Musik berauschen – und nicht wie andere Trottel dastehen, die kaum noch in der Lage waren, irgendeinen Ton zu treffen.

Creedence Clearwater Revival (Foto: Imago, ZUMA Press)
Imago ZUMA Press

Zum anderen wird häufig John Fogerty zitiert, der über die damals endlos langen Gitarren-Soli bei der Konkurrenz nicht angetan war. Zusammengefasst: „Ich mag kein 45-Minuten-Gitarren-Solo. Ich komm lieber auf den Punkt!“. – Und das tut er hier ja auch. 9 Lieder, die mal zweieinhalb, mal dreieinhalb Minuten lang sind. Nur eine Ausnahme macht er: „Wrote a Song For Everyone“ mit 5 Minuten Länge. Aber wie gesagt: Das war eine sehr persönliche Krise, die er hier verarbeiten muss. Aber es wird nicht viel nutzen. Die Ehe wird tatsächlich wenige Jahre später in die Brüche gehen – ebenso wie die Band.