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Als Tina Turner nach langen Jahren der Erfolglosigkeit 1984 ein unglaubliches Comeback feiert, gilt sie als DER weibliche Superstar. Die Erwartungen an „Break every rule“ sind hoch – und werden erfüllt.

Und wieder sehr viele helfende Hände

„Never change a winning team“. Diese Maxime gilt natürlich auch für Tina Turner. Blicken wir nochmal kurz zurück auf „Private Dancer“ aus dem Jahr 1984. Das Album damals war vielleicht auch deswegen so erfolgreich, weil es von so vielen unterschiedlichen Produzenten und Songwritern bedient worden war.

1984 waren es – wenn auch aus der Not geboren – 8 verschiedene Produzenten und 20 (!) Songwriter, die an den gerade mal 10 Songs beteiligt waren. Jetzt im Jahr 1986 gibt es bei „Break every rule“ immerhin einen Song mehr – aber diesmal sind „nur“ die Hälfte an Songwritern nötig. Bei den unterschiedlichen Aufnahme-Sessions sitzen aber immer noch sechs verschiedene Produzenten an den Reglern, was ziemlich viel ist. Dieses Sammelsurium an unterschiedlichen Leuten sorgt für ziemlich viel Abwechslung auf dem Album. Oder besser gesagt: Es sorgt für Abwechslung auf der damals noch als Vinyl erschienenen B-Seite der Schallplatte. Seite A trägt eindeutig die Handschrift eines einzigen Autoren-Duos.

David Bowie, Bryan Adams, Mark Knopfler – für die zweite Reihe!

Tine Turner und David Bowie in Birmingham (1987) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Tine Turner und David Bowie in Birmingham (1987) Picture Alliance

Dieses Autoren-Duo besteht aus Terry Britten und Graham Lyle. Die beiden hatten ja den Welthit „What´s Love Got To Do With It?“ für Tina Turner geschrieben. Diesmal liefern sie nicht bloß einen Song für die Sängerin ab – sie liefern diesmal, von einer Ausnahme abgesehen, die komplette A-Seite der LP ab. Und das ist irgendwie schon ein bisschen verrückt. Denn diese zwei Herren haben schon wieder ein Händchen für tolle Melodien, die, wie sich später rausstellen wird, auch noch Jahrzehnte später im Ohr der Musik-Freunde bleiben. Man hört dieser LP einen deutlichen Unterschied zwischen A- und B-Seite an. Und das hat einfach damit zu tun, dass Britten/Lyle diesmal gleich mehrere Welthits geschrieben haben, die alle „vorne“ drauf sind.

Die A-Seite fängt mit „Typical Male“ an, geht weiter mit „What You Get Is What You See“ und wird fortgeführt mit „Some People“. Aus heutiger Sicht wirkt das so, als ob diese Scheibe eine Art „Greatest Hits“-Sammlung wäre – dabei ist es einfach nur eine ganz normale Tina-Turner-LP, von der damals keiner ahnen kann, ob sie zum Erfolg wird. Aber wie gesagt: „Never change a winning team“. Britten und Lyle waren beim Vorgänger-Album dabei – sie sind es auch diesmal.

Tina Turner, Konzert Waldbühne Berlin (Foto: Imago, BRIGANI-ART)
Tina Turner (1987) bei ihrem Konzert auf der Waldbühne in Berlin Imago BRIGANI-ART

Und auch diesmal sind wieder äußerst prominente andere Zulieferer dabei: Die Herren David Bowie, Mark Knopfler und Bryan Adams haben diesmal aber kein goldenes Händchen. Man muss sagen, wie es ist: Sie alle liefern Material ab, das eher für die zweite Reihe des Albums steht – diese Songs bleiben bis heute eher unbekannt.

Was für eine Tournee!

Zur Ehrenrettung darf gesagt werden: „Girls“ von David Bowie ist ein bisschen zu düster, um als Single Erfolg zu haben. „Back Where You Started“ von Bryan Adams klingt so sehr nach Bryan Adams, dass das Lied von ihm selber interpretiert vielleicht besser angekommen wäre. Und Mark Knopflers „Overnight Sensation“ klingt auch irgendwie mehr nach Mark Knopfler als nach Tina Turner.

Was auch bedeutet: Das sind Nummern, die LIVE absolut mitreißend sind! Und niemand ist live so mitreißend wie Tina Turner – jedenfalls nicht, wenn man in den 80er Jahren das Guinness Buch der Rekorde aufschlägt. Speziell ein Konzert sorgt für den Eintrag ins Guinness Buch:  das vom 16. Januar 1988. Sie tritt im legendären Maracanã-Stadion in Rio auf – vor 180.000 zahlenden Besuchern! Nie zuvor hatten so viele Menschen das Konzert einer weiblichen Künstlerin besucht. Dieser „feminine“ Rekord besteht immer noch! (Den Auftritt kann man bis heute „Live in Rio ´88“ auf DVD bestaunen). Und wenn wir schon bei Zahlen sind: Man kann sich kaum vorstellen, wie ein einziger Mensch über den Zeitraum von 12 Monaten sage und schreibe 216 Konzerte gibt.

Tina Turner, Berlin 1987 (Foto: Imago, BRIGANI-ART)
Tina Turner, Berlin 1987 Imago BRIGANI-ART


Tina Turner schafft das – und muss wegen einer Nasennebenhöhlen-Entzündung nur zwei Konzerte absagen – in Schweden. Diese holt sie aber nach. Und es ist egal, wo sie hinkommt: Die Auftritte sind so begehrt, dass sie Zusatzkonzerte anbieten muss: In Mannheim tritt sie dreimal hintereinander auf. Die Stuttgarter Schleyer-Halle füllt sie viermal hintereinander. Am Ende werden rund um den Globus insgesamt 4,4 Millionen Menschen die Tour besucht haben. Sie ist der größte weibliche Star der Welt - noch vor Madonna. Und viele weitere erfolgreiche Jahre werden noch kommen.

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