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Genesis

Genesis: "Invisible Touch" (1986) Immer weiter und weiter auf der Welle des Erfolgs

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Popmusik wie am Reißbrett konzipiert – aber bei Invisible Touch ist alles improvisiert!

Gibt es eine Band Genesis überhaupt noch?

Mitte der 80er Jahre rätselt die BBC: Ist Genesis am Ende? Der Grund für diese Vermutung: Alle drei Mitglieder der überaus erfolgreichen Band haben eigentlich keinen Grund, sich noch großartig ins Studio zu stellen. Denn die bis dahin entstandenen 12 Studio-Alben hatten für einen Status gesorgt, der durchaus geeignet war, für Phil Collins, Tony Banks und Mike Rutherford ein Frührentner-Dasein in Erwägung zu ziehen. Aber von Rente konnte keine Rede sein, denn von Tony Banks abgesehen, waren die beiden anderen Mitglieder der Truppe zu diesem Zeitpunkt äußerst erfolgreich in anderen Projekten: Mike Rutherford mit "Mike and the Mechanics": Phil Collins als Solo-Künstler. Die BBC hatte also durchaus allen Grund anzunehmen, dass von Genesis nichts mehr kommen würde. Aber 1986 kommt doch noch etwas – und stellt mit seinem kommerziellen Erfolg alles bisher von Genesis dagewesene in den Schatten.

Gleicher Lohn für alle

Ab Oktober 1985 kommen die drei im englischen Surrey ins Tonstudio – und sie haben keine Ahnung, was eigentlich passieren soll. Denn niemand hat Songmaterial dabei. Und das ist das Verblüffende bei "Invisible Touch"; dieser Multi-Millionenseller entsteht rein aus Improvisation heraus. Jam-Sessions sind die Basis für das, was auf dem Album zu hören ist. Und diese reine Improvisier-Kunst ist wohl auch der Grund, warum es ziemlich langsam vorangeht. Insgesamt fünf Monate braucht es, bis die LP fertig ist. Und weil jeder gleichberechtigt beiträgt, steht für die drei auch fest: Niemand hat einen Song alleine geschrieben. Alle Autorenrechte werden zu gleichen Teilen auf Banks, Collins und Rutherford aufgeteilt. Möglicherweise sind sich die Beteiligten darüber im Klaren, dass sie viel Geld verdienen werden – denn das Endprodukt wird mit seinen leicht zugänglichen Melodien zum Welterfolg.

Ein politischer Kommentar – von vielen nicht ernst genommen

Der Erfolg wird von den dazugehörigen und für die 80er Jahre besonders typischen Musik-Videos noch befördert. Insbesondere das witzige Video zu "Land of Confusion" ragt dabei heraus.

Land of Confusion | Quelle: YouTube


Die Satire-Truppe "Spitting Image" sorgt mit ihren aus Gummi geformten Handpuppen für viele Lacher. Diese Handpuppen stellen das Ebenbild (englisch "Spit Image") nicht nur der Bandmitglieder dar, sondern auch einiger Figuren der damaligen Weltpolitik. So ist hier etwa US-Präsident Ronald Reagan als ziemlich debiler Idiot dargestellt, der mal eben so und aus Versehen einen Atomkrieg auslöst.

Von Kritikern wird die Musik von Genesis damals milde belächelt

Das sei alles äußerst kommerzielle, ziemlich weichgespülte Musik, die niemandem weh tue; die allzu sehr nach Phil Collins klinge, ins Ohr gehe, aber zugegebenermaßen auch dort bleibe (das Album bringt fünf Single-Auskopplungen hervor!). Die Kritik ist aus heutiger Sicht ein bisschen übertrieben. Die Omnipräsenz der Musik von Phil Collins hat tatsächlich über die Jahrzehnte hinweg für gewisse Ermüdungserscheinungen gesorgt – im Rückblick wird die Musik der Collins-geprägten Genesis-Ära aber etwas milder beurteilt.

Der enorme kommerzielle Erfolg wird nicht mehr als Massengeschmack abgetan. Banks, Collins und Rutherford haben hier Musik hervorgebracht, die Bestand hat. Denn sie ist mit der besonderen Gabe der Ohrwurm-Qualität gesegnet. Und Melodien zu erfinden, die auch noch nach Jahrzehnten im Ohr bleiben – das ist eine Gabe, die sich viele verzweifelte Komponisten in ihrem Leben gewünscht hätten. Genesis sind auf dem Gipfel ihres Ruhmes angelangt – und werden ihren Erfolg fünf Jahre später sogar noch übertreffen; dann mit dem Welt-Erfolg "We Can´t Dance".

CD Cover

CD

Titel:
Invisible Touch
Interpret:
Genesis
Veröffentlichung:
09. Juni 1986
Extras:
Titelliste:
Invisible Touch
Tonight, Tonight, Tonight
Land of Confusion
In Too Deep
Anything She Does
Domino
Throwing It All Away
The Brazilian

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