STAND
AUTOR/IN

Ein Internat. Eine Kleinanzeige. Ein Kunstmäzen. Roger Hodgsons Werdegang ist alles andere als gerade. Am Ende wird er aber trotzdem zum Weltstar.

Mit einer Gitarre fängt alles an

Zwölf Jahre alt ist Roger Hodgson, als sich seine Eltern trennen. Sein Vater schenkt ihm zum Abschied eine Gitarre. Denn er weiß: Sein Junge liebt Musik über alles. Der Musik-Unterricht am Internat ist aber ziemlich mau, der Lehrer bringt ihm dort gerade mal drei Akkorde bei. Eindeutig zu wenig für den begabten Roger.
Er ist Autodidakt und eignet sich ein riesiges Musikwissen an. Mit 13 gibt er schon erste Konzerte, mit 19 ist er kurz Mitglied bei einer Band, die heute kein Mensch mehr kennt: Argosy. Die Truppe wird allerdings von einem gewissen Reginald Dwight geleitet.
Und Fans wissen: Der wird später mal unter seinem Künstlernamen zum Weltstar: Elton John!

Holprige Wege zum Ruhm

Ende der 60er Jahre dann die schicksalhafte Begegnung: In der Musikzeitschrift „Melody Maker“ liest Hodgson eine Kontaktanzeige. Ein junger Mann sucht da dringend Verstärkung für ein Band-Projekt. Er heißt Rick Davies. Hodgson antwortet – es ist die Geburtsstunde von Supertramp.

Es ist aber auch die Geburtsstunde eines Missverständnisses

Hodgson hatte einen elitären Hintergrund. ging aufs Internat. Davies wiederum ist zwar auch Autodidakt – kommt aber aus der Arbeiterschicht. Und das heißt: Beide können sich von Anfang an nicht ausstehen. Musikalisch sind sie aber auf der gleichen Wellenlänge!

Roger Hodgson (Foto: SWR)

Das mit der gleichen Wellenlänge ist wichtig

Denn beide sind auch noch ziemlich willensstark. So willensstark, dass sie sich auch von Rückschlägen nicht umhauen lassen. Obwohl sie wie im Märchen von einem Mäzen mit viel Geld unterstützt werden, floppen die ersten beiden Alben. Der Mäzen steigt aus – der Rest der Band aber auch. Sie halten den ständigen Misserfolg einfach nicht mehr aus. Hodgson und Davies bleiben aber an Bord und trommeln neue Mitglieder zusammen. Mit „Crime of the Century“ beginnt dann der unglaubliche Welterfolg von Supertramp. Hodgson macht den Erfolg neun Jahre lang mit – dann steigt er aus. Wohl auch deswegen, weil die Spannungen mit Davies kaum weniger geworden sind.

Ein echter Kämpfer

Den Schwung von Supertramp kann er noch ein bisschen mitnehmen. 1984 veröffentlicht er sein erstes Solo-Album: „In the Eye of the Storm“. Die LP wird besonders in Kanada ein Erfolg – verkauft sich im Rest der Welt aber eher mau. Hodgson betont allerdings auf seiner eigenen Homepage, dass sie weltweit zwei Millionen Mal über den Ladentisch gegangen sei. Der Kontostand muss ihm keine Sorgen machen. Problematisch ist eher der Gesundheitszustand: Bei einem Unfall stürzt er 1987 von einem Dachboden, bricht sich beide Handgelenke. Die Ärzte prophezeien ihm: Er wird nie wieder Musik machen! – Naja, klassische Fehldiagnose. Eineinhalb Jahre lang Physiotherapie – und die Hände funktionieren wieder. Und obwohl sein letztes Album vor 20 Jahren erschienen ist: Seine Supertramp-Songs bleiben Klassiker. Mit ihnen geht er weltweit auf Tour – bis heute.

STAND
AUTOR/IN