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Reggae ist mehr als nur chillen und kiffen: Reggae ist ein Lebensgefühl und einer der bedeutendsten Musik-Stile der populären Musik. Wie und wo ist der Reggae entstanden?

ONE LOVE, ONE HEART: Die Entstehung des Reggae

»Reggae ist ein jamaikanischer Musik-Mix,
ein Musik-Eintopf.«

Barbara Scherrers Musikkosmos

Die Geschichte des Reggae beginnt in den 1960er Jahren auf Jamaika:

Über das Radio konnte man damals Soul, R&B, Blues, Country und Jazz empfangen. Die Einflüsse aus dem Radio vermischten sich mit den lokalen jamaikanischen Musik-Stilen wie Mento, Ska und Rocksteady.
Das Ergebnis: Reggae - eine damals eigenwillige Mischung. Ganz typisch ist der verlangsamte, aber dennoch dynamische Grundrhythmus.
Zuerst war der Reggae eine musikalische Neuerscheinung auf Jamaika, eng verbunden mit der sog. Rastafari-Bewegung.

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Reggae ohne Bob Marley? Unvorstellbar!

Bob Marley hat die Reggae-Musik berühmt gemacht. Er war Popstar, ein Frauenschwarm, aber auch ein politischer Mahner. Sein tragischer Tod 1981 sorgte für viel Auffuhr in der Musikwelt. Doch auch zu Lebzeiten bewegte er viel: Bob Marley war Musiker, politischer Aktivist, kämpfte für die Freiheit. Am 6.Februar 2020 wäre Bob Marley 75 Jahre alt geworden. Markante Stationen seines Lebens und bewegende Momente:

"Liebe das Leben, das du lebst. Lebe das Leben, das du liebst!" Happy Birthday, Bob Marley!

Cedella Marley Booker, mother of late reggae legend Bob Marley, sends a kiss to the public after performing on stage in Addis Ababa City Hall, Ethiopia, on Tuesday, Feb. 1, 2005 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Bob Marleys Mutter war die Sängerin Cedella Marley Booker und bei seiner Geburt gerade einmal 18 Jahre jung. Sein Vater, Norval Sinclair Marley, war ein weißer, 60 Jahre alter Hauptmann der britischen Armee. Die Hochzeit der beiden sorgte für einen riesigen Skandal. Danach schied der Hauptmann aus der Armee aus. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Im Alter von 21 Jahren heiratet Bob Marley seine damals 19 Jahre alte kubanische Jugendfreundin Rita Anderson. Schon einen Tag nach der Hochzeit reist er in die USA, um seine Mutter zu besuchen. Einige Zeit arbeitet er dort, um seine Musikkarriere zu finanzieren, doch schon bald zieht es ihn in seine Heimat Jamaika zurück. Mit Rita hat er (wahrscheinlich) vier leibliche Kinder und ein Adoptivkind. Imago ZUMA Press Bild in Detailansicht öffnen
Die Rastafari sind Anhänger einer Glaubensrichtung, die aus dem Christentum entsprungen ist. Aufrund der gemeinsamen Inhalte liegt die Rastafari-Bewegung sehr nahe an Reggae. Die Anhänger führen einen Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen und hoffen auf eine baldige Rückkehr nach Afrika. Ihre verfilzten Haare (Dreadlocks) sollen ein löwenähnliches Aussehen immitieren. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Mit seiner Band "The Wailers" erlangte Bob Marley schnell Bekanntheit. Mit dem damals noch völlig unbekannten Bruce Springsteen führten die ersten kleinen Tourneen durch Großbritannien, Nordirland und die USA. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Ende der 60er-Jahre in Jamaika: Über das Radio konnte man damals Soul, R&B, Blues, Country und Jazz empfangen, was direkten Einfluss auf das Genre hatte und heute noch herauszuhören ist. Die Einflüsse aus dem Radio vermischten sich mit den lokalen Musikstilen wie Mento, Ska und Rocksteady. Das Ergebnis: Reggae Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Gewalt in Jamaica sollte Bob Marley im Dezember 1976 ein Konzert geben, um ein Zeichen des Friedens zu setzen. Zwei Tage vor dem Konzert dringen Unbekannte in Marleys Wohnung ein und verletzten seine Frau Rita und seinen Manager schwer. Marley selbst ist nur leicht verletzt und kann auftreten. Bis heute konnten weder Täter geschnappt, noch das Motiv aufgeklärt werden. Beobachter vermuteten einen Zusammenhang zu dem Friedenskonzert und schrieben die Tat der rechten Jamaican Labour Party (JLP) oder der amerikanischen CIA zu. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Zur Zeit des "One Love Peace"-Konzertes in Kingston 1978 kam es in ganz Jamaika zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der sozialdemokratischen Partei PNP und der rechten Jamaican Labour Party JLP. Während seines Auftrittes holte Bob Marley den jamaikanischen Premierminister Michael Manley und den Oppositionsführer Edward Seaga (hier im Bild) auf die Bühne und nötigte beide sanft zu einem Händedruck. Die Auseinandersetzungen wurden daraufhin weitgehend beendet. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
1980 hält Simbabwe zum ersten Mal Wahlen ab, bei denen alle politischen Gruppen beteiligt sind. Kurz darauf wird die Unabhängigkeit erklärt und international anerkannt. Bob Marley tritt bei der offiziellen Unabhängigkeitsfeier auf: "Das war die größte Ehre meines Lebens." Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Wenn Marley keine Musik machte, spielte er Fußball. Sein großes Idol war der brasilianische Fußballprofi Pelé. Auch während den Konzert-Tourneen nutzen Marley und seine Band The Wailers jede Gelegenheit, um Fußball zu spielen. Auf dem Parkplatz, in Konzerthallen oder im Hotelzimmer. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Bob Marley starb am 11. Mai 1981. Er hatte schwarzen Hautkrebs, den er zunächst nicht behandeln ließ. Als er auf einer Tournee beim Joggen im Central Park zusammenbricht, stellen die Ärzte Metastasen in Leber, Lunge und Gehirn fest. Daraufhin läßt er sich bei dem deutschen Arzt Josef Issels behandeln, dessen Behandlungsmethodik jedoch nachweislich unwirksam ist. Nach den Strapazen der Therapie und dem kalten Klima in Bayern beschließt Marley zum Sterben nach Jamaika zurück zu kehren. Den Flug überlebt er nicht und stirbt bei einer Zwischenlandung in Florida. Sein letzter Satz: "Money can´t buy life." Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Seine Witwe Rita Marley verwaltet heute den Nachlass, wie hier 2004 bei der UK Music Hall of Fame, als sie den "Founding Member"-Preis für ihren verstorbenen Ehemann entgegen nimmt. Der geschätze Nachlass beläuft sich auf 600 Millionen US-Dollar. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Was bringt Vertreter der UNESCO-Mitgliedsstaaten zum Tanzen? Reggae! Kurz nachdem Reggae zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde, veranstalteten die Vertreter eine spontane Party und tanzten zu Bob Marleys Song "One Love". Auch heute noch begegnet man Marleys Erbe auf den Straßen in Jamaika, so wie hier in Kingston. Marleys Musik beschäftigt sich mit Sozialkritik, Ungerechtigkeit, Widerstand, Liebe und Menschlichkeit. Dies waren auch die ausschlaggebenden Gründe für die UNESCO-Jury. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen
Neben der Musik und hinterlässt Bob Marley nach seinem Tod auch viele Kinder. Offiziell hat er zwölf Kinder anerkannt, davon elf leibliche. Viele seiner Nachkommen tun es ihrem Vater gleich und machen Musik, wie zum Beispiel Rohan Marley (hier mit seiner Frau Lauryn Hill.) Übrigens: Nach Angaben aus Bob Marleys Umfeld soll er zwischen 22 und 46 leibliche Kinder gehabt haben. Picture Alliance Bild in Detailansicht öffnen

Auch die britische Sängerin Annie Lennox von den Eurythmics feiert Bob Marley

»Seine Lieder werden für immer weiterleben, und seine Botschaft von Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechten ist so stark und dringlich wie nie zuvor.«

"Buffalo soldier "ist kein Sommer-Sonne-Karibik-Song

Bis heute sind die Songs von Bob Marley unsterblich: "No woman, no cry", "Redemption song", "Could you be loved" oder "Is this love". Die Bedeutung eines ganz besonderen Songs hat sich SWR1 Musikredaktuer Adrian Beric angeschaut: "Buffalo soldier".

»Buffalo soldier, dreadlock rasta.«

Mit dieser Zeile beginnt der Song. Aber was soll das bedeuten? Büffel-Soldaten? Und dieser Büffel-Soldat ist auch noch ein dreadlock rasta, also ein Anhänger der Rastafari-Religion mit Dreadlocks?!
Die Reggae-Musik klingt ja meist irgendwie nach weißem Sandstrand. Aber das hier ist kein Sommer-Sonne-Karibik-Song.
Amerikanischer Bürgerkrieg, Nordstaaten gegen Südstaaten. Der Norden will die Sklaverei abschaffen, der Süden will die Sklaven lieber weiter auspeitschen. Bob Marley beklagt das Schicksal von Millionen von Menschen:

»Stolen from Africa – brought to America.«

Übersetzt: "Entführt aus Afrika, um nach Amerika gebracht zu werden."
Bob Marley auf der Bühne (Foto: picture-alliance / Reportdienste, empics)
empics

Und es wird noch schlimmer: Schwarze sind im Norden damals befreit und dienen in der Armee, aber von den Weißen getrennt.Und sie sollen die Drecksarbeit für die Weißen machen - im Klartext: Indianer töten.
Die Ureinwohner trauen ihren Augen nicht: Dunkle Haut und sehr dichtes Haar beim eigentlich weißen Gegner? Die Indianer denken im ersten Augenblick an Büffel. Und prägen so den Begriff "Buffalo soldier".
Bob Marley prangert Rasissmus an und braucht nur EINEN Reggae-Song um klar zu machen: Gegenwart versteht nur derjenige, der die Vergangenheit kennt.

»If you know your history, then you would know where you coming from.«

Songs von und für Bob Marley

Der Rhythmus des Reggae

»Reggae ist Urlaub für die Ohren. Gechillter Rhythmus, der immer ein bisschen hinterher kommt
und trotzdem auf den Punkt ist.«

SWR1 Musikredakteur Stephan Randecker

Wie klingt der typische Reggae-Rhythmus? Was ist der "One drop"? Und warum fühlen sich die Songs sofort nach weißem Karibikstrand an? Das klären die SWR1 Musikredakteure Barbara Scherrer und Stephan Randecker

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