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„Ich will raus!“ Wer die Musik der 1980er Jahre im deutschsprachigen Raum halbwegs bewusst erlebt hat, weiß sofort um wen es geht: Rüdiger Schulz, den Mann mit dem Spitznamen „Purple“.

Den Spitznamen hat er sich redlich verdient. Er hat nämlich 1970 als Teenager die Verkäufer in einem Orgelgeschäft regelmäßig mit seiner Interpretation von Deep Purples 'Child in Time' beglückt, ohne eine Orgel zu kaufen. Woanders hätte es vielleicht Hausverbot gegeben, hier einfach nur einen Spitznamen, den er bis heute mit Stolz trägt.

Klavier- und Orgelunterricht

Purple Schulz ist ne echte kölsche Jung, 1956 geboren. Klavier- und Orgelunterricht haben die Grundlage gelegt für die musikalische Karriere. Die begann 1973 in der Band D'Accord, damals mit Prog-Rock-Sound im Stil von Genesis. Anfang der 1980er hatte er zusammen mit Wolf Maahn und Klaus Major Heuser von Bap das Bandprojekt „Neue Heimat“.

Maahn und Heuser hatten dann aber mit ihren eigenen Karrieren so viel zu tun, dass Schulz die Band mit anderen Musikern weitergeführt hat. Über die Zwischenstation „Purple Schulz und die neue Heimat“ wurde daraus die Band „Purple Schulz“ Die Single „Sehnsucht“ brauchte einen zweiten Anlauf bis sie 1985 zum erfolgreichsten deutschsprachigen Song des Jahres wurde. Danach hatte Purple Schulz einen Lauf: „Kleine Seen“, „Verliebte Jungs“, Musik für Kinofilme und fürs Fernsehen.

 Zum 50jährigen der ZDF Hitparade war auch Purple Schulz mit "Verliebte Jungs" zu Gast (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Silas Stein/dpa)
Ein Hit, der die Jahrzehnte überdauert hat: Zum 50jährigen der ZDF Hitparade war auch Purple Schulz mit "Verliebte Jungs" zu Gast picture alliance/Silas Stein/dpa

Musik als Rettungsanker

Er hat viel Geld verdient, aber dann ging es ihm wie einigen anderen. Er wollte sein Geld investieren und wurde über den Tisch gezogen. Die Musik hat ihn in den 1990er Jahren vor der Pleite gerettet. Mit Live-Konzerten hat er sich über Wasser gehalten und dann eine wichtige Entscheidung getroffen:

»Ende der 90er Jahre lief mein Vertrag mit EMI aus - nach 16 Jahren. Ich habe danach für mich beschlossen: nie wieder ein Vertrag mit einer großen Schallplattenfirma, geschweige denn mit einem Plattenkonzern.
Und dann hab ich einfach mehr live gespielt, Sachen gemacht, die ich jetzt machen konnte, dadurch dass ich nicht mehr unter Vertrag stand als Künstler.«

Das waren eine Menge unterschiedliche Sachen: Kabarett mit dem Ensemble der Stunksitzung, zwei Kindermusicals und viele kleinere Konzerte. Mit Stoppok, Pe Werner, Ulla Meinecke und auch Heinz-Rudolf Kunze ist er unter dem Titel "Gemeinsame Sache" aufgetreten.

Engagement für die Deutsche Alzheimer Stiftung

Nachdem sein Vater an Demenz erkrankt war, hat Purple Schulz 2012 den Song „Fragezeichen“ geschrieben. Im Video dazu spielt er selbst einen Demenzkranken.

Das Video wird inzwischen regelmäßig bei Kongressen oder Schulungen zum Thema Demenz gezeigt. Seit 2017 ist Purple Schulz auch Mitglied im Kuratorium der Deutschen Alzheimer Stiftung. Für ihn ist Demenz ein wichtiges Thema, dass in der Gesellschaft immer noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt:

»Es gibt so gut wie keine Familie mehr, die nicht mit diesem Thema zu tun hat. Es geht uns alle an, weil wir alle irgendwann und irgendwie davon betroffen sein werden. Schaffen wir endlich gesellschaftliche Bedingungen, die es erlauben, den Erkrankten mit Liebe und Geduld zu begegnen, und die pflegenden Angehörigen nicht alleine verzweifeln zu lassen.«

Musik bis zum Umfallen

Seit 2017 macht Purple Schulz auch regelmäßig Radio. Bei WDR4 präsentiert er die Sendung „Songpoeten“. Da hat er alle Freiheiten und spielt seine Lieblingssongs von guten deutschen Songschreibern. 2019 hat Purple Schulz den Kreis zum Anfang seiner Karriere geschlossen: Er hat zum ersten Mal einen Videoclip zu seinem ersten Hit „Sehnsucht“ gemacht.

Und es geht immer weiter, denn Musik machen will er auf jeden Fall „bis ich umfalle“.

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