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"Gott sei Dank bin ich Punk!" Aber da geht noch mehr. Nina Hagen plaudert mal eben über die neuesten UFO-Theorien und streckt dabei allen die Zunge raus.  Eines ist sie aber definitiv nicht: Langweilig.

Eine Frau bricht aus

Deutschland 1955, damals gespalten in Ost und West. Nina Hagen wird als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Oliva-Hagen in Ost-Berlin geboren. Lange hält das nicht: Als Nina 4 Jahre alt ist, wird die Ehe geschieden. 1965 lernt ihre Mutter dann den Liedermacher Wolf Biermann kennen. Durch seine regierungskritischen Texte gerät er ins Visier der Stasi. Prompt wird für den gesellschaftlichen Abstieg von Familie Hagen gesorgt. Die 12-jährige Nina leidet sehr darunter, unternimmt sogar einen Suizidversuch. Was sie am Leben hält? Der Glaube an einen guten Gott. Sie gibt nicht auf und absolviert 1974 eine Gesangsausbildung als staatlich geprüfte Schlagersängerin.

Die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen mit ihrer kleinen Tochter Nina auf dem Arm im Sommer 1957 in Ost-Berlin in der DDR. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen mit ihrer kleinen Tochter Nina auf dem Arm - aufgenommen im Sommer 1957 in Ost-Berlin in der DDR. Picture Alliance

Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael

Dann der Durchbruch. Die Gruppe „Automobil“ wird bei einem Konzert auf Nina Hagen aufmerksam. Gemeinsam nehmen sie den Song „Du hast den Farbfilm vergessen“ auf. Irgendwo zwischen Schlager, Arieneinlagen und ironisch verpackter Gesellschaftskritik wird der Song dennoch – oder gerade deswegen - ihr größter Hit in der DDR. Und der kehrt sie dann auch endlich den Rücken zu. Nina Hagen zieht es nach Großbritannien, wo sie ihre Liebe für den Punk entdeckt. Und alles wird wild: Die Frisur, die Schminke, der Lebensstil.

Eine Exzentrikerin durch und durch

Im Herbst 1977 gründet sie mit der „Lokomotive Kreuzberg“ die „Nina Hagen Band“. Das gleichnamige Album beschert den internationalen Erfolg – darunter der Song „TV Glotzer“. Das geht nicht lange gut: Die Band boykottiert die weitere Zusammenarbeit, Nina Hagen sei zu unberechenbar und voller Starallüren. Ein weiteres Album war aber vertraglich vereinbart. „Unbehagen“ wird schließlich erst mit den Bandkollegen aufgenommen, später wird getrennt Nina Hagens Gesang dazu produziert.

Nina Hagen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
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Nina und die Männer

Anfang der 80er lernt Nina Hagen den niederländischen Gitarristen Ferdinand Karmelk kennen und lieben. Während sie Kokain zum Frühstück konsumiert, hängt Karmelk am Heroin. Von ihm bekommt sie ihre erste Tochter Cosma Shiva. Die Heroinsucht wird zum Problem, die Beziehung platzt. Jahre später bandelt Nina Hagen mit dem Sänger Iroquois aus der Londoner Hausbesetzerszene an. Die beiden heiraten 1987 auf einer Punkhochzeit in Ibiza. Eine Woche später ist wieder Schluss. Durch den Modedesigner Jean Paul Gaultier lernt sie zwei Jahre später Franck Chevalier kennen. Ihr Sohn Otis wird geboren. Trotzdem zerbricht auch diese Beziehung.

Die deutsche Sängerin Nina Hagen gibt einer aufblasbaren Micky Maus-Puppe die Brust. Freund Ferdinand, ein holländischer Gitarrist, hilft ihr tatkräftig. Aufgenommen im Juli 1980 in der Loft-Wohnung von Nina in New York. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die deutsche Sängerin Nina Hagen gibt einer aufblasbaren Micky Maus-Puppe die Brust. Freund Ferdinand, ein holländischer Gitarrist, hilft ihr tatkräftig. Aufgenommen im Juli 1980 in der Loft-Wohnung von Nina in New York. Picture Alliance

Unkonventionell? Ja bitte!

Nina Hagen ist eine spirituelle Frau. Sie beschäftigt sich viel mit Übersinnlichem und mit Gott, war sogar bei einem Guru in Indien. Zum Eklat kommt es in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ im Jahr 2005, wo sie ihr Mitgefühl für von Aliens entführte Menschen äußert. Damit vergrault sie den Physiker Joachim Bublath, der nach ihren Beleidigungen aus der Sendung flüchtet. Manch einer könnte meinen, ihre wilde und laute Art sei vollkommen überzogen. Doch was Nina Hagen so bewundernswert macht: Sie ist zu hundert Prozent authentisch.

Nina Hagen und Mutter Eva-Maria Hagen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Nina Hagen mit ihrer Mutter im Jahr 2011 Picture Alliance

Rebellionsschwester für SWR1 Hörerin Petra aus Karlsruhe

"Liebe Nina Hagen,
in den wirren Zeiten der Pubertät und Spätpubertät- die noch heute mit 45 Jahren anhält- warst und bist du meine Rebellionsschwester gewesen.
Deine Biographie als dickes Buch ist wunderbar spannend und du bist die mutigste Powerfrau zwischen all den Fähnlein der Generation Heidi Klum.
Mutig ist, wer sein Spiegelbild betrachtet und sich mit all den Ecken und Kanten annehmen kann. So verrückt man auch sein mag.
Danke für deine wunderbare Vorbildfunktion und deine Ehrlichkeit."

Schriller, schriller, Nina

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