Ich Will Spaß Stars (Foto: picture-alliance / Reportdienste, T-F-Foto)

"Ich geb Gas, ich will Spaẞ!"

Die Wurzeln der Neuen Deutschen Welle

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Die Musik der 80er Jahre wurde in Deutschland durch das Phänomen NDW – Neue Deutsche Welle – bereichert. Zuvor kannte man nur deutsche Schlager und allenfalls Udo Lindenberg mit seinen provozierenden Liedtexten.

Ihre Wurzeln hat die NDW schon in den 70er Jahren, als Punk und New Wave aufkamen. Damals schauten sich deutsche Musiker wie Markus neue Trends im Ausland an:

»Ich bin zu der ganzen Sache gekommen über eine Klassenfahrt nach England, da war ich in London auf einem New Wave Konzert und da wurde es gerade so entdeckt - Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Und da war ich so begeistert, dass ich gesagt habe, wenn ich wieder nach Bad Camberg in das kleine Taunusstädtchen zurückkomme, dann werde ich sofort eine New Wave Band gründen und das war dann die Kapelle Nylon Euter.«

Markus NDW (Foto: imago images, Teutopress)
Markus Teutopress

Große Erfolge hatte er dann unter seinem eigenen Namen Markus mit "Ich will Spaß". "Ich will Spaß" hätte auch der Untertitel zu den meisten Songs der Neuen Deutschen Welle sein können. So viel Lebensfreude, Klamauk und Humor hatte es schon seit Jahren nicht mehr in der deutschen Popmusik gegeben.

Hubert Kah aus Reutlingen entdeckte den "Sternenhimmel" und trat im Nachthemd auf, Andreas Dorau und die Marinas trafen "Fred vom Jupiter", und der Stuttgarter Peter Schilling war als "Major Tom" völlig schwerelos.

Hubert Kah (Foto: imago images, Teutopress)
Hubert Kah Teutopress

Die "Marke" NDW wurde schnell auf massentauglichere deutsch-singende Bands ausgeweitet, wie "Nena", "Trio" oder "Fräulein Menke".

Die erfolgreichsten Musik-Schwestern Deutschlands

Der musikalische Start der aus dem westfälischen Hagen stammenden Humpe Schwestern waren die Neonbabies, ab 1979 gehörten sie fest zur Berliner Musikszene, aber schon 1980 gründete Annette die Band "Ideal" und befeuerte damit die Neue Deutsche Welle. Auch Inga Humpe verließ die Neonbabies und wurde praktisch über Nacht mit der Gruppe "DÖF" bekannt, vor allem mit ihrem Hit "Codo … düse im Sauseschritt".

"Das Schöne daran ist, dass niemand wusste, dass das so ein riesen Hit wurde - auch übrigens in ganz Europa. Wir sind damals auch nach Schweden und Holland geflogen, alles mit Privatflugzeugen. Das ist das Tolle an Musik, dass man das doch nicht berechnen kann, den Erfolg nicht und die Wirkung."

Und Musiker wie Peter Schilling, Falco aus Österreich oder Nena schafften mit englischsprachigen Versionen ihrer Hits sogar den Sprung an die Spitze der englischen oder amerikanischen Hitparade.

Musikvideos spielten eine große Rolle

Neue elektronische Sounds der 80er befeuerten die Musik der NDW Stars. Das ebenfalls neue Medium Musikvideo sorgte für die optische Umsetzung und spülte die Neue Deutsche Welle ins Fernsehen und die Kinderzimmer. Den Rest besorgten die Künstler durch Aussehen und Art selbst.

Nena (Foto: imago images, United Archives)
NENA United Archives

Die Kapelle Trio um Stephan Remmler hatte sich für ihren Geniestreich "Da Da Da" auch noch einen prominenten Produzenten wie Klaus Voormann gesichert, der schon mit Manfred Mann und den Beatles gearbeitet hatte.

Stephan Remmler mit Band Trio (Foto: imago images, Horst Galuschka)
Stephan Remmler mit Band Trio Horst Galuschka

Andere Musiker, die zur selben Zeit deutschsprachig sangen, wie Heinz Rudolf Kunze, profitierten von der Euphorie um die NDW, obwohl sie selbst nicht dazu gehören wollten. Dennoch meint Heinz Rudolf Kunze rückblickend:

»Da gab es einige sehr aufregende Musik und was mich sehr ärgert, wenn im Fernsehen diese 80er-Kultshows laufen, dass das immer nur reduziert wird auf den Schlageranteil der NDW und dass die richtig guten Sachen, die bedeutenden Sachen, wie Ideal, Fehlfarben, DAF, Joachim Witt völlig unterschlagen werden zu Gunsten von irgendwelchem Trallala.«

Heinz Rudolf Kunze (Foto: imago images, United Archives)
Heinz Rudolf Kunze United Archives

Die Band "Extrabreit" polarisierte die Zuhörerschaft und ist zugleich eine der erfolgreichsten NDW Bands der 80er Jahre. Die NDW hat maßgeblich zum Erfolg der Band beigetragen, ursprünglich entstand sie aus der Punk-Bewegung. Die Neue Deutsche Welle verebbte so schnell wie sie gekommen war, bleibt aber ein aufregendes Kapitel deutscher Popgeschichte.

Extrabreit (Foto: imago images, United Archives)
Extrabreit United Archives

Musik aus Baden-Württemberg

Wussten Sie, dass, einige erfolgreiche Vertreter der Neuen Deutschen Welle aus dem Land stammen? Und dass ein Reutlinger Musikstudio mit ein Dreh- und Angelpunkt der NDW war?

Peter Schilling...

... zum Beispiel, einer der erfolgreichsten NDW Künstler, stammt aus Stuttgart. Sein Hit "Major Tom" schaffte es in vielen europäischen Ländern auf Platz 1 der Charts, in der Bundesrepublik führte er 1983 acht Wochen die Hitlisten und wurde die meistverkaufte Single des Jahres.

Hubert Kah...

... kommt aus Reutlingen und hatte großen Erfolg mit Hits wie "Sternenhimmel" oder "Rosemarie".

Two of Us

Ulrich „James“ Herter gründete nach Auflösung von K.I.Z. 1985 zusammen mit Thomas Dörr die Gruppe Two of Us. Und war mit seinem Reutlinger Musikstudio Heimat für viele NDW-Größen.

K.I.Z.

Aus Reutlingen stammte auch der leider viel zu früh verstorbene Joachim "Daddes" Gaiser, der mit der Gruppe K.I.Z. 1982 mit "Die Sennerin vom Königssee" ein "One Hit Wonder" mit Klassiker-Potential landete.

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