STAND
AUTOR/IN

Die Zehntscheuer liegt am Rande der Ravensburger Altstadt, zwischen Frauentor und Gemalter Turm. Dass dort Konzerte stattfinden können, ist ein Glück und nur engagierten Bürgern zu verdanken, denn eigentlich hätte das Gebäude abgerissen werden sollen.  

Schon von außen sieht man der Zehntscheuer an: dieses Jahrhunderte alte Gebäude hat schon viel erlebt. Große Holztüren und altes Fachwerk erinnern daran, dass das Gebäude früher wirklich als Scheune und Getreidelager genutzt wurde. Das Gebäude stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1378. Der Name Zehntscheuer bedeutet übrigens, dass die Bauern im Mittelalter hier früher ihren „Zehnt“ abgeben mussten. Also einen Anteil an ihrer Ernte. Heute gibt es hier Rock statt Roggen – oder eben Jazz, Weltmusik oder Kabarett.

Musikclub statt Parkplatz 

In den 1960er Jahren hätte das Gebäude abgerissen werden sollen. So die Pläne der Stadt. Ein Parkplatz sollte entstehen. Doch dagegen wehrte sich eine Bürgerinitiative, zum Glück erfolgreich. Denn das alte Gebäude abzureißen, wäre wirklich eine Schande gewesen. Stattdessen schlugen die engagierten Bürger Anfang der 80er Jahre eine neue Nutzung als Kulturstätte vor und überzeugten die Stadtoberen mit ihrem Konzept. Nach einer Renovierung, bei der die Mitglieder des Vereins selbst viel Hand anlegten, begann der Spielbetrieb in der Zehntscheuer. Seither spielen und feiern dort Pop- und Jazzmusiker, Comedians und Kabarettisten oder auch DJs und Tanzwütige. 

Altes Flair trifft modernen Sound 

er Eingangsbereich ist ganz in Holz gehalten. An der Garderobe nehmen ehrenamtliche Helfer des Vereins die Jacken ab und kassieren den Eintritt. Dann geht es durch eine schwere Holztür in den Konzertsaal. Auf der großen Bühne, ebenfalls aus massivem Holz, spielt die Musik. Der Sound ist erstklassig, dank der modernen Anlage, die eingebaut wurde. Vor der Bühne sitzt das Publikum in langen Tischreihen. Es gibt Bier, Wein und Whiskey - und sogar was zu essen. Das Programm ist so bunt gemischt, wie das Publikum.  

Dauer

"Heute bringt die Zehntscheuer etwa 80 Veranstaltungen nach Ravensburg. Angefangen hat es mit Folk und Weltmusik, heute ist alles möglich: Jazz und Blues, aber auch Pop, Poetry Slams oder Kabarettveranstaltungen. Das alles zu Preisen zwischen 10 und 30 Euro."

Michael Borrasch, Geschäftsführer der Zehntscheuer

Ehrenamtliche halten Betrieb am Laufen 

Ohne die Mithilfe der Vereinsmitglieder wäre das aber nicht möglich. 30 bis 40 Ehrenamtliche helfen mit, dass die Konzerte und Kulturabende stattfinden können. Sie sorgen für die einzigartige Atmosphäre, die die Besucher so lieben. „Wir kommen immer wieder her, weil so eine Atmosphäre bekommt man woanders einfach nicht“, sagt etwa Tselena Paul, die mit ihrem Mann extra aus Überlingen nach Ravensburg kommen. Und auch die Bands lieben den Laden. Hier werden sie umsorgt – und sie kriegen einen tollen Sound.  

"Wir stehen bei den Künstlern und Agenturen weit über Ravensburg hinaus ganz gut da. Und das liegt natürlich auch an der Technik."

Michael Borrasch

Live is Live – deshalb Handyverbot 

Eine Besonderheit gilt in der Zehntscheuer: das Handy soll in der Tasche bleiben. „Handys bitte AUS! Danke!“ steht auf Schildern an der Eingangstür und im Konzertraum. 

Die Zehntscheuer in Ravensburg (Foto: SWR)

"Immer mehr Besucher haben die Konzerte mitgefilmt. Das nahm über Hand und stört immer andere, die hinter der Person sitzen, die das Display hoch hält. Deshalb haben wir uns im Verein dafür ausgesprochen, diese Handyfilmerei durch Schilder einzudämmen. Unsere Herzensangelegenheit ist eben, die Livekultur zu erhalten."

Michael Borrasch

Wer trotzdem mal aufs Handy schaut, braucht keine Angst haben, rausgeworfen zu werden. Es soll lediglich ein Aufruf sein, das Konzert live anzuschauen, statt am Handy zu hängen.  

Der Beitrag zum Nachhören:

Dauer
STAND
AUTOR/IN