Tears for Fears (Foto: imago images, BRIGANI-ART)

Tears for Fears: "Songs from the Big Chair" (1985)

Therapiestunde mit tiefgründigem Synthie-Pop

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Wie passen Psychotherapie und Popmusik zusammen? Man nehme: Nachdenkliche Texte, aufgepeppt mit Synthesizer-Chören und kraftvollen Beats, gesungen von einem melancholischen Lockenschopf-Duo.

Ein neuer Sound 

Die Frontmänner hinter den Locken: Das sind Roland Orzabal und Curt Smith. Die beiden lernen sich damals als Teenager kennen. Unter dem sich anbahnendem New Wave Sound formieren sie die Band Graduate. 1980 erscheint prompt das erste Album: „Acting My Age“. Popgrößen wie Peter Gabriel treiben die Band als Inspiration voran – vielleicht kein Zufall. Genau wie Peter Gabriel haben die beiden ihren Ursprung im englischen Örtchen Bath. 

Tears for Fears (Foto: imago images, Future Image)
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Musik als Therapieform 

Zerrüttete Kindheit, Depressionen – besonders Orzabal hat mit traumatischen Ereignissen zu kämpfen. Er liest viel. Und stößt dabei auf den amerikanischen Psychotherapeuten Arthur Janov und dessen Buch "Der Urschrei". Laut Janovs Theorie stören schmerzhafte Kindheitserfahrungen die komplette Entwicklung eines Menschen. Seine Lösung: Die Ereignisse wiedererleben. Weinen, um die Ängste zu bekämpfen – Tears for Fears. Und mit dem neuen Bandnamen kommt auch das erste Album "The Hurting". Großer Erfolg: Der Song "Mad World".

"the dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had"

Traurige Poesie wird zum Chartstürmer. Orzabal gilt dabei als Mastermind hinter den Texten – er verarbeitet seine schlimme Kindheit. 

Ein Album mit multipler Persönlichkeit 

Im Frühjahr 1985 dann das zweite Album „Songs from the Big Chair“. Ein riesen Erfolg: Platin, 5 Wochen an der Spitze der Billboard Charts. Songs aus dem Therapiezimmer – mit neuem, poppigem Gitarren- und Synthesizer-Sound. Der Albumtitel ist inspiriert von der amerikanischen Miniserie „Sybil“ – einer gleichnamigen Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung. Nur im großen Therapiesessel – dem „big chair“ – kann sie über ihre Erlebnisse sprechen.

Und es scheint, als wäre das Album der Therapiestuhl der Band. Jeder Song hat eine andere Persönlichkeit. Besonders erfolgreich: die Singleauskopplungen „Shout“ und „Everybody Wants to Rule the World”. Zumindest die Musikwelt regieren Tears for Fears eine Zeit lang. Die Welttournee folgt, sie spielen auf dem Montreux Golden Rose Pop and Rock Festival und performen „Shout“ 1985 bei den MTV Music Awards. 

Was sich trennt, findet wieder zusammen 

Großer Erfolg heißt auch großer Druck. Orzabal will mehr, hat komplizierte Produktionsansätze und scheitert dabei oft. Smith ist das zu viel – seine Ehe zerbricht und er möchte sich privat sortieren. 1992 trennt sich die Band. Kommuniziert wird nur noch per Anwalt. Die Leidenschaft zur Musik leben aber beide weiter aus: Orzabal releast das Album „Elemental“, immer noch unter dem Namen Tears for Fears. Die Platte hat Erfolg, ist aber kein Vergleich zu seinen Vorgängern.  

Bei Smith sieht es nicht besser aus. Sein Solo-Album „Soul on Board“ versagt. Anfang der 2000er dann die Überraschung: Gary Jules und Michael Andrews covern den Hit „Mad World“ für den Film „Donnie Darko“. Alte Erinnerungen werden geweckt. Smith und Orzabal nähern sich dadurch einander an, wollen wieder Musik zusammen machen. 4 Jahre später dann: „Everybody Loves a Happy Ending“, das 6. Album von Tears for Fears. Wenn das mal kein Comeback mit einem Augenzwinkern ist... 

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