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"Cry Baby", "Mercedes Benz", "Me and Bobby McGee". Hits für die Ewigkeit, berühmt gemacht durch eine einzigartige Stimme: Janis Joplin. Am 4. Oktober 1970, also vor 50 Jahren, ist sie gestorben, mit nur 27 Jahren. Das klingt nach wenig - und doch war in dieser Zeit Platz für ein ganzes Leben. Und für eine auf den ersten Blick unwahrscheinliche Musik-Karriere.

Janis Joplin (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Keystone)
Die US-amerikanische Sängerin Janis Joplin, aufgenommen 1970. Keystone

Sie wurde Schwein genannt, Freak oder Ekel. Die Highschool in Port Arthur, Texas, war die Hölle für Janis. Sie war das ideale Opfer: übergewichtig, von Akne gezeichnet und nicht im Geringsten daran interessiert, sich anzupassen. Janis traf sich mit den anderen Außenseitern. Einer von ihnen spielt ihr Bluesplatten vor: Sie hören zusammen Bessie Smith, Ma Rainey oder Lead Belly. Später sagte Janis:

»Ich war eine Außenseiterin. Ich habe gelesen, gezeichnet, Ich habe nachgedacht. Und ich habe die Schwarzen nicht gehasst.«

Das Leben im College war nicht viel einfacher - auch hier hat es sich Janis nicht leicht gemacht: Die Campuszeitung schreibt über sie:  

»Sie wagt es, anders zu sein: Wenn es möglich ist, geht sie barfuß, sie trägt Jeans im Unterricht, weil die bequem sind und immer hat sie ihre Mundharmonika dabei, die sie schnell bei der Hand hat, wenn ihr wieder mal nach Musik zumute ist. Ihr Name ist: Janis Joplin.«

1962 verlässt sie Texas und trampt nach San Francisco. Erste Aufnahmen entstehen, gemeinsam mit Jorma Kaukonen, der später bei Jefferson Airplane Gitarre spielen wird. Im Umfeld der Beat-Poeten und Bluesmusiker nimmt Janis immer mehr Drogen. Sie wird bekannt als Speed-Queen, immer wieder nimmt sie auch Heroin. Und sie trinkt. Am liebsten Southern Comfort, flaschenweise.  Am Ende wiegt sie noch 40 Kilo. Sie flieht zurück nach Texas, zu ihrer Familie. Sie schwört den Drogen ab, erholt sich, schreibt sich an der Uni ein und besucht regelmäßig eine Therapie.

Zweite Chance?

Der erste Ausflug ins Musikgeschäft hätte Janis Joplin beinahe umgebracht. Zuhause in Texas erholt sie sich, wird wieder clean und trocken. Aber da ist ja auch immer noch die Musik - und Janis Joplin wagt einen zweiten Anlauf, mit strikten Regeln!

»Auf keinen Fall lässt Du zu, dass in unserem Appartement Drogen genommen werden!«

Das ist der Pakt, den Janis Joplin mit ihrem Mitbewohner und Musiker Travis Rivers schließt. Sie ist wieder in San Francisco, verfolgt eine professionelle Musikkarriere, obwohl sie panische Angst hat, wieder abhängig zu werden. Zu Recht, wie sich herausstellt: Mit den ersten Erfolgen geht es wieder los. Zuerst Southern Comfort, dann Heroin. Anfang 1969 schießt sie sich jeden Tag Stoff im Wert von 200 Dollar in die Venen.

Völlig betrunken - und trotzdem richtig gut

War ihr Auftritt beim Monterey-Festival noch umjubelt, wird Woodstock fast zum Fiasko: Janis muss 10 Stunden auf ihren Auftritt warten. Und die nutzt sie ausgiebig: Als sie auf die Bühne kommt, ist sie high und sturzbetrunken.

Pete Townshend, der mit The Who ebenfalls in Woodstock war, erinnert sich Jahre später:

»Sie war an diesem Abend nicht in Bestform. Aber selbst wenn Janis so neben sich steht, ist sie immer noch unglaublich.«

Janis Joplin mit Band (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Keystone)
Die US-amerikanische Sängerin Janis Joplin. Ihre gewaltige Blues-Stimme und explosive Bühnen-Performance faszinieren bis heute. Auch 50 Jahre nach dem Drogentod in einem Hotelzimmer ist Janis Joplin eine Pop-Ikone. Keystone

1970: Janis hat inzwischen auf fast jedem Foto eine Flaschen Southern Comfort in der Hand. Dabei kommt ihr eine Idee, und sie schreibt die Firma an, fragt, was ihnen diese Werbung wert ist. Und sie hat Erfolg: Southern Comfort zahlt ihr 6.000 Dollar.

Janis im Element: "Mercedes Benz"

Im Sommer ist Janis Joplin auf Tour. Vor einem Auftritt sitzt sie in einer Bar mit ein paar Freunden. Sie singt immer wieder einen Song des Beat-Poeten Michael McLure: "Come on God and Buy me a Mercedes Benz." Janis singt lauthals, improvisiert und schreibt den neuen Text gleich auf ein paar Servietten - und die anderen am Tisch knallen zum Rhythmus ihre Biergläser auf den Tisch. Keine Stunde später steht Janis Joplin auf der Bühne singt den Song das erste Mal.

Per Testament alles geregelt

Einen Monat später, Anfang Oktober nimmt sie den Song auf, für ihr nächstes Album, Pearl.  Sie ahnt nicht, dass es ihr letztes sein wird. Es war ihre letzte Aufnahme, drei Tage später ist Janis Joplin tot. Sie stirbt mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin.

Sie wusste wohl, dass es passieren wird. Denn obwohl sie noch so jung war, hatte sie ihre Angelegenheiten geregelt, es gab ein Testament. Das Vermögen ging an die Familie, ihr kleiner Bruder sollte eine gute Schulbildung erhalten. Sogar für ihr Barvermögen hatte sie einen Plan: Ihre Freunde sollten noch einmal eine Party feiern. Und die 1.500 Dollar einfach vertrinken.

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