"Außen hart und innen weich"

Herbert Grönemeyer: Männer

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Ja… wann ist denn jetzt ein Mann ein Mann?

Der Refrain von „Männer“ klingt fast wie ein Hilfeschrei.

Die Männer in den 80ern sind verloren – wie sollen sie denn nun sein?

Seit ihrer Kindheit bläut man ihnen ein: Sie können alles, sie müssen kämpfen, Geld verdienen und das alles muss ganz lässig aussehen – auch wenn man schon kurz vor dem Herzinfarkt steht vor lauter Verdrängen.

Und auch Grönemeyer klingt so atemlos dabei. Dabei sehnen sich die Männer insgeheim nur danach, dass sie endlich auch mal jemand in den Arm nimmt.

Das Unwort in den 80ern: der Softie.

Dieser „neue Mann“, der das Patriarchat mit Füßen tritt – pfui. Die Proto-Macho-Männer weisen den Song empört von sich und erkennen sich doch im Geheimen wieder.

In jedem Fall trifft Grönemeyer den Nerv der Zeit. Ohne die unendlichen Diskussionen mit seiner späteren Frau Anna hätte es den Song wohl nicht gegeben.

Sie macht ihm klar, dass die wirklichen Schwächen nichts mit Schwächlichkeit zu tun haben. Und auf der anderen Seite wehrt sich Grönemeyer dagegen, dass in den Song zu viel hineingelesen wird – sein Beitrag für oder gegen das Männerbild soll vor allem humorvoll sein – für ihn die tiefgründigste Zeile:

"Männer sind schon als Baby blau"

Er habe einfach mit einem Augenzwinkern irgendwelche Sätze zusammengepackt. Die Botschaft, die bis heute gilt: DEN Proto-Typ Mann gibt es zum Glück nicht.

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