13.5.2020 | Wunderkind wird 70

Happy Birthday, Stevie Wonder!

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AUTOR/IN
Torsten Helber
SWR1 Moderator Torsten Helber (Foto: SWR, SWR1)

Den perfekten Geburtstagssong hat er selbst geschrieben – und viele Hits mehr. Am 13. Mai feiert Stevie Wonder, der Ausnahmemusiker aus Michigan, seinen 70. Geburtstag.

Kein Mensch weiß, auf wie vielen Geburtstagsfeiern schon „Happy Birthday“ in der speziellen Version von Stevie Wonder gespielt wurde. Der Gute-Laune-Song scheint geradezu perfekt gemacht für jeden Geburtstag, obwohl Stevie Wonder das Lied 1981 eigentlich einem ganz bestimmten Geburtstagskind gewidmet hat: Martin Luther King.

Mit dem Lied hat er sich für einen Gedenktag an den ermordeten Bürgerrechtler eingesetzt und damit eine politische Idee in eine künstlerische Idee umgesetzt. Stevie Wonder verbindet eine unglaubliche Musikalität mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und seinen Einsatz für eine bessere Welt. Zwei Jahre später wird in den USA der Martin-Luther-King-Day eingeführt.

5 Fakten über Stevie Wonder

SWR1 Musikredakteurin Katharina Heinius hat einige Fakten aus dem Leben von Stevie Wonder zusammengestellt:

Musik ist sein Leben

Musik ist eine universelle Sprache, sagt Stevie Wonder. Jeder Mensch "versteht" Musik, weil wir unabhängig von der gesungenen Sprache ihre Emotion spüren.

»Ich fühle mich allen Musikern und Sängern verbunden, weil wir alle mit Musik kommunizieren und versuchen die Seelen unserer Mitmenschen zu erreichen.«

In seiner Karriere wurde Stevie Wonder regelrecht überschüttet mit Lob, Auszeichnungen und Preisen, darunter ein Oscar, ein Golden Globe und 25 Grammys. 1989 wurde er in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Teenie-Star bei Motown

Schon früh zeigte sich Stevie Wonders musikalisches Talent: er singt, spielt Klavier, Schlagzeug und Mundharmonika. Und das so virtuos, dass Motown-Chef Berry Gordy ihn schon mit 11 Jahren (zunächst als "Little Stevie Wonder") unter Vertrag nimmt. Er wird der erste Teenie-Star bei Motown und landet mit gerade mal 13 Jahren mit dem Song "Fingertips" seinen ersten Nummer 1 Hit.

Mit seinem Album "Talking Book" setzt er 1972 neue Maßstäbe in der Soul- und Popmusik – nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch: er unterstützt die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, setzt sich für ein Ende der Apartheit in Südafrika und gegen den Vietnamkrieg ein.

1976 gelingt ihm mit "Song in the Key of Life" ein bis heute zeitloser musikalischer Meilenstein:

Elton John hat einmal gesagt, dass er immer ein Exemplar von "Songs In The Key Of Life" bei sich habe und es das beste Album sei, das je aufgenommen wurde. Auch Michael Jackson, George Michael oder Whitney Houston bezeichneten dieses Album als ihre Lieblingsplatte.

Auch gemeinsam spitze

Stevie Wonder ist nicht nur als Solokünstler erfolgreich – immer wieder hat er auch Songs gemeinsam mit anderen Musikern aufgenommen, beispielsweise 1982 der Nummer 1 Hit "Ebony and Ivory" mit Paul McCartney, er war bei "We Are the World" von USA for Africa dabei oder hat 1992 ein Duett mit Whitney Houston gesungen ("We Didn’t Know").

Oft ist er auf den Aufnahmen anderer Künstler auch mit seiner Mundharmonika zu hören - beispielsweise bei "I Guess That’s Why They Call It the Blues" von Elton John, "There Must Be an Angel (Playing with My Heart)" von den Eurythmics oder "Brand New Day" von Sting.

»Stevie ist mein Lehrer seit ich jung war, inzwischen ist er ein guter Freund.«

imago images  UPI Photo (Foto: IMAGO, Stevie Wonder steht zusammen mit Sting vor einer Fotowand der Billboard Music Awards.)
Stevie Wonder mit Sting bei den Billboard Music Awards 2003 in Las Vegas. Stevie Wonder steht zusammen mit Sting vor einer Fotowand der Billboard Music Awards.

Seine Blindheit als Chance

Stevie Wonder kam als Frühgeburt zur Welt. Bei der Beatmung im Brutkasten bekam er zu viel Sauerstoff und erblindete. Seiner Mutter war am Anfang nicht klar, dass er blind ist. Sie ging mit ihm von einem Arzt zum nächsten. Teilweise erzählten sie ihr, dass es nur ein Film auf seinen Augen sei, der sich wieder verziehen würde, erinnert sich Stevie Wonder später. Als ein Arzt seiner Mutter dann tatsächlich die Wahrheit sagte, habe es ihr das Herz gebrochen. Der kleine Stevie geht dagegen von Anfang an offen mit seiner Blindheit um und hat weniger Probleme sie anzunehmen. Irgendwann sagt er seiner Mutter:

»Du machst dir so viele Sorgen, dass ich blind bin, aber vielleicht hat Gott ganz andere Pläne mit mir. Vielleicht hat er etwas mit mir vor, das wichtiger ist, als dass ich sehen kann. Vielleicht werde ich einmal andere Menschen durch meine Blindheit inspirieren, sie ermutigen und ihnen helfen.«

Hoffnung für die Welt

In seinem Leben hat Stevie Wonder schon vielen Menschen geholfen, hat ihnen Halt gegeben und Inspiration durch seine Musik. Er sieht sich und andere Musiker als Kommunikatoren, die anderen Menschen etwas mitteilen. Die "gute" Botschaft seiner Songs liegt ihm deshalb besonders am Herzen:

»Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir die Leute aufrichten und ihnen nicht nur negative Informationen zum Lesen, Hören oder Sehen geben. Das heißt nicht, dass wir uns den Problemen in der Welt nicht stellen und uns nicht mit ihnen beschäftigen sollten. Aber ich finde, dass meine Kollegen oft zu negative Botschaften aussenden. Sie sprechen nicht von Hoffnung. Dabei ist Hoffnung das Schlüsselwort. Wir müssen der Welt Hoffnung geben – das ist unsere Aufgabe.«

Gesundheit zwingt ihn zur Tourpause

Auch wenn er längst im Rentenalter ist, hält Stevie Wonder das nicht davon ab weiter auf Tour zu gehen. Bestimmt hält ihn auch seine große Familie aktiv: er hat neun Kinder von sechs verschiedenen Frauen. Vergangenes Jahr verkündete er allerdings eine Tourpause, da er sich im September 2019 einer Nierentransplantation unterziehen musste.

Die hat er zum Glück wohl gut überstanden: im April, kurz vor seinem 70. Geburtstag, war er Teil des Corona-Hilfs-Konzerts "One World: Together At Home", mit dem Spenden zur Bekämpfung der Pandemie gesammelt wurden. In Erinnerung an Bill Withers hat Stevie Wonder dessen Hit "Lean on me" gesungen.