Band Ronchi mit Schweinwerfer (Foto: SWR)

SWR1 Musik Klub: das Club-Porträt Das Scala in Ludwigsburg

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Konzerte, Kino, Kabarett, dazu Podiumsdiskussionen und Live-Übertragungen von Opern aus aller Welt. Das Scala Ludwigsburg ist ein moderner Kultur-Hotspot mit historischem Flair.

Zentrum für gelebte Kultur: Das Scala Ludwigsburg

Ein Hauch der 1950er Jahre weht durch das Scala. Es ist "Blues & Boogie Night", der Saal mit seinen 500 Sitzplätzen ist restlos ausverkauft. Dennoch sind nicht alle der mit weinrotem Stoff überzogenen Kinosessel besetzt. Einige Besucher hält es nicht mehr auf ihren Plätzen, sie stehen auf, stürmen in Richtung der Gänge an beiden Seiten der Sitzreihen und tanzen ausgelassen zur Livemusik, die den Saal erfüllt. Es ist einer von vielen besonderen Abenden im Scala Ludwigsburg.

Dauer

Mehr als 230 Veranstaltungen im Jahr

Die "Blues & Boogie Night" gehört zu den mehr als 230 Veranstaltungen, die jährlich im Scala stattfinden. Ob Kino oder Kabarett, ob Konzert oder soziokultureller Themenabend: Im Scala ist für jeden Kulturgeschmack etwas dabei. Dazu locken die Veranstalter regelmäßig große Namen des Showgeschäfts nach Ludwigsburg. Von Kim Wilde bis Cro, von Albert Hammond bis Joy Denalane, von Johann König bis Jan Josef Liefers. Sie alle schätzen die intime Atmosphäre im Scala.

"Dem Künstler bieten wir Heimat auf Zeit."

Edgar Lichtner, Geschäftsführer Scala Kultur Live

Die Nähe zum Publikum, der Wohlfühlfaktor – das ist das Konzept der Veranstalter. Dazu gehört Edgar Lichtner, von 2003 bis 2009 Veranstaltungsleiter und seither Geschäftsführer der Scala Kultur Live gGmbH. "Eines unserer Mottos ist: Dem Künstler bieten wir Heimat auf Zeit. Wenn man selbst unterwegs ist, weiß man, wie schwierig man manchmal behandelt wird als Künstler", sagt Lichtner, der regelmäßig als Musiker auf der Bühne steht. Im Scala soll es den Künstlerinnen und Künstlern an nichts fehlen. Sie sollen sich heimisch fühlen.

Gewinnen Sie einen Einblick in das Scala:

Das Scala in Ludwigsburg

Scala in Ludwigsburg außen (Foto: SWR)
Der Schriftzug "Clußscher Saalbau" verziert noch immer eine Gebäudeseite und erinnert an die mehr als hundertjährige Geschichte des heutigen Scala. Bild in Detailansicht öffnen
Der Saal des Scala in Ludwigsburg verbindet in seiner Gestaltung das Flair der 1950er-Jahre mit hochmoderner Bühnentechnik. Bild in Detailansicht öffnen
Bei Vollbestuhlung finden im Fifties-Saal 500 Besucher Platz, bei Teilbestuhlung sogar 800. Bild in Detailansicht öffnen
Ob Konzert, Kabarett oder Kinoabend: Mit seinem vielfältigen Programm spricht das Scala ein breites Publikum an. Bild in Detailansicht öffnen
Getränke und Snacks gibt es an der Bar im Foyer,… Bild in Detailansicht öffnen
… eine bunte Auswahl an warmen Speisen gibt es im direkt angrenzenden Restaurant "Fräulein Cluss". Bild in Detailansicht öffnen

Gleiches gelte für das Publikum. "Für die Besucher geht es um den Aspekt 'Wohlfühlerlebnis'. Durch diese tollen Kinosessel hat man das Gefühl, man sitzt zu Hause auf dem Sofa. Und dazu bekommt man eine Top-Qualität geliefert", sagt Lichtner. Um dieses Ambiente zu gewährleisten, wurde der Saal von 2011 bis 2014 für rund sieben Millionen Euro saniert. Eine Moderne Bühnen- und Soundtechnik wurde eingebaut, dazu der Publikumsbereich renoviert. Die Maßnahmen waren dringend notwendig, da sich der Saal in seiner langen und bewegten Geschichte ziemlich abgelebt hatte.

Vom Clußschen Saalbau zum Scala-Theater

So fing alles an: Als die Witwe Cluß, Erbin der gleichnamigen Brauerei, im Jahr 1902 das Gebäude an der Stuttgarter Straße einem Fotografen abkaufte, ließ sie es zum "Clußschen Saalbau" umgestalten. Fortan fanden in Brauhaus-Atmosphäre regelmäßig Musik- und Tanzveranstaltungen statt. Mit der steigenden Popularität des Kinos in den 1930er-Jahren verwandelte sich der Clußsche Saalbau zu einem Lichtspieltheater für Filmvorführungen.

Wilde Zeiten mit neuem Namen

Seinen heutigen Namen bekam das Veranstaltungshaus im Jahr 1954. Die Geschwister Gertrud und Richard Cluß ließen den Saal zu einem multifunktionalen Theater umbauen und gaben ihm den Namen "Scala-Theater". Es war der Beginn einer neuen Ära, das Scala-Theater wurde Schauplatz eines breiten Kulturprogramms: Von Kinovorführungen und Schauspielen bis zu Konzerten und Tanzveranstaltungen. Doch auf glorreiche Zeiten folgten immer wieder unrühmliche Episoden. Ende der 1960er-Jahre verkam der Saal zeitweise zu einem Sexkino, Mitte der 1980er-Jahre erlebte das Scala eine Renaissance als Kulturhochburg und Ende der 1990er-Jahre ging der Veranstalter Pleite. Das Scala stand vor dem Aus.

Scala in Ludwigsburg 1954 (Foto: Scala Kultur Live gGmbH)
Das Premierenpublikum im "Scala-Theater" 1954. Scala Kultur Live gGmbH

Rettung durch den Insolvenzverwalter

Heute geht es dem Scala besser denn je. Zu verdanken ist dies unter anderem Manfred Rüdisühli, der im Jahr 2000 als Insolvenzverwalter den Niedergang des Scala abwickeln sollte. Doch alles änderte sich, als Rüdisühli bei der Besichtigung des Geländes den Saal des Scala betrat.

Es war für mich völlig überraschend, wenn man in den Saal kommt, einen alten Kinosaal vorzufinden, der einen unglaublichen Charme hatte.

Manfred Rüdisühli, Insolvenzverwalter und heutiger Gesellschafter des Scala

Der Charme des Saals wirkte so überwältigend auf den Insolvenzverwalter, dass er eine folgenschwere Entscheidung traf: "Nach relativ kurzer Überlegenszeit habe ich mich entschlossen, nicht dem Wunsch der Gemeinde nachzukommen und das Ganze hier abzuwickeln. Wir haben gedacht, wir probieren das nochmal. Denn es wäre so schade gewesen für das Haus und für die Menschen, die doch alle mit so viel Herz hier dabei waren", erinnert sich Rüdisühli. Und so rettete der Insolvenzverwalter, gemeinsam mit kulturbegeisterten Kollegen und einem neuen Konzept, das ehrwürdige Scala.

Die Geschichte geht weiter

So wie Manfred Rüdisühli geht es auch vielen Besuchern, die zum ersten oder auch zum vierzigsten Mal den "Fifties-Saal" im Scala besuchen. Im Rahmen der "Blues & Boogie Night" schwärmen sowohl neue als auch Stammgäste über "das besondere Ambiente", die "intime Atmosphäre", die "gute Akustik". Der Charme der 1950er-Jahre ist geblieben, gleichzeitig ist das Scala in Ludwigsburg durch seine moderne Technik und neue Programmideen bestens für die Zukunft gerüstet.

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