Aretha Franklin, James Brown, Robert Palmer, Wilson Pickett, Joe Cocker und Billy Vera in Michigan auf der Bühne (Foto: Imago, imago/ZUMA Press - Foto: Richard Lee)

Aretha Franklin: "Who's zoomin' who" (1985) Die Queen of Soul im 80er-Sound – erfolgreicher denn je!

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Kaum eine Sängerin war so unglaublich produktiv wie Aretha Franklin. In den 80er Jahren erfindet sie sich praktisch neu – und landet mit Studio-Album Nummer dreißig (!!) endgültig beim ganz großen Publikum weltweit!

Ein Star ist unzufrieden

Aretha Franklin (Foto: SWR)
Aretha Franklin 1983 bei der Verleihung des American Music Awards

Schon richtig gelesen: "Who's Zoomin' Who" ist das dreißigste Studio-Album von Aretha Franklin. Sie kann auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Sie gilt in der Musikwelt als die Queen of Soul. Sie gilt als Weltstar. Aber die Verkaufszahlen sehen alles andere als sonst bei Weltstars üblich aus. Aretha Franklin ist in einer Schublade drin; in der Nische der Soul-Musik. Das ist alles andere als Mainstream. Und diesen Makel empfindet sie in den 80er Jahren als einigermaßen ärgerlich. Ein Image-Wechsel muss her. Und ein Image-Wechsel funktioniert nur über eine Klangänderung.

Aretha Franklin will mit ihrer grandiosen Stimme zwar weiterhin wie Aretha Franklin klingen – aber das ganze Drumrum, also die klanglichen Aspekte, für die ein Produzent und ein Arrangeur normalerweise sorgen; dieses ganze Drumrum soll 1985 bitteschön auf der Höhe der Zeit sein (und die Floskel "Frischzellenkur" soll hier jetzt mal ausnahmsweise nicht bedient werden). – Ein neuer Produzent soll also für den neuen Klang sorgen. Luther Vandross war bis dahin für sie zuständig. Und diesen neuen Einfluss findet Aretha Franklin auch schnell.

Ein Trauerjahr und die Angst vorm Fliegen

Narada Michael Walden 2017 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Photoshot -)
Narada Michael Walden sorgt für den gewünschten neuen Klang. picture alliance / Photoshot -

Der neue Produzent heißt Michael Walden – oder besser gesagt: Narada Michael Walden – den Spitznamen legt er sich zu, weil er von indischer Meditation begeistert ist. Ansonsten ist dieser Walden aber ziemlich geerdet. Er sorgt für den gewünschten neuen Klang: mehr typische 80er-Jahre-Klänge als im Titelstück der LP kann man sich kaum vorstellen! Er muss allerdings Songmaterial besorgen und dafür ziemlich viele Flugmeilen hinlegen.

Franklin gilt damals als schwierig. Sie reist ungern in Flugzeugen und bleibt lieber zuhause in Detroit. Außerdem ist sie von einem Schicksalsschlag gebeutelt. Sie hatte erst ein Jahr zuvor ihren Vater bis zu dessen Tod gepflegt. Nach einem Trauerjahr ist sie nun zwar voller Tatendrang – besteht aber darauf, in Detroit zu bleiben.

Walden sagt später auch, dass er zwar neues Songmaterial aus Kalifornien mitgebracht hatte – aber massive Schwierigkeiten hatte, einen Gastsänger für das neue Album zu finden. Viele Stars (deren Namen er nicht nennt), wären sehr eingeschüchtert gewesen und hätten dankend abgelehnt. Aretha Franklins Ruf als Perfektionistin wurde da wohl mit dem weniger netten Begriff "schwierig" verwechselt.

Gaststars noch und nöcher – obwohl sie als schwierig gilt

Eurythmics 1986 (Foto: Imago, imago/United Archives -)
Eurythmics singen mit Aretha Franklin "Sisters Are Doing It For Themselves". Imago imago/United Archives -

Eurythmics haben jedenfalls kein Problem damit, bei Aretha Franklin mitzusingen. "Sisters Are Doing It For Themselves" wird zum Welthit – und zur Hymne der weltweiten Frauenbewegung – so wie das schon bei Franklins Klassiker "Respect" der Fall war. Das Lied ist eine reine Eurythmics-Komposition und findet sich vollkommen identisch auf deren zeitgleich erschienenem Album "Be Yourself Tonight". Auch Peter Wolf macht gerne mit – im Song "Push". Der frühere Sänger der "J. Geils Band" singt voller Inbrunst ein Duett mit der verehrten Sängerin.

Carlos Santana 1987 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / jazzarchiv - Foto:  Hardy Schiffler)
Carlos Santana sorgt für karibisches Flair bei "Ain't Nobody Ever Loved You". picture-alliance / jazzarchiv - Foto: Hardy Schiffler

Auch die weiteren Gaststars können sich sehen – und hören! – lassen: Carlos Santana bietet ein gewohnt mitreißendes Solo auf "Push"; seine "Carlos Santana Drum Section" sorgt für karibisches Flair bei "Ain't Nobody Ever Loved You". Und die Jazz-Trompeten-Legende Dizzy Gillespie ist überraschenderweise auch mit einem Solo zu hören – in "Integrity".

Endlich der ersehnte Welterfolg für den Weltstar

Das klingt alles nach einem wilden Mischmasch. Aber genau dieses Mischmasch sorgt für Begeisterung. Endlich zahlt sich Franklins Ruf als Weltstar auch auf dem Konto aus. "Who's Zoomin' Who" wird zu ihrem kommerziell erfolgreichsten Album überhaupt – bis heute hat sich keines ihrer Alben weltweit so gut verkauft wie dieses.

Die US-Sängerin Aretha Franklin bei einer Probe 1998. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / dpa -)
Aretha Franklin bei einer Probe 1998. picture-alliance / dpa -

Die Kritiker sind ebenfalls angetan vom neuen Klanggewand UND dem neuen Songmaterial. Und auch die Grammy-Jury ehrt sie für die Single-Auskopplung "Freeway of Love": hierfür bekommt sie den Grammy der "besten weiblichen RnB-Performance".

Wer jetzt Lust bekommen hat, mehr Musik von Aretha Franklin zu hören – mehr aus ihrer "klassischen" Zeit – dem seien noch folgende drei Alben ans Herz gelegt; Alben, die nach dem Tod der Sängerin immer wieder als besondere Meilensteine ihrer Karriere genannt worden waren: "I Never Loved A Man The Way I Love You" aus dem Jahr 1967 (hier ist unter anderem "Respect" drauf zu finden) – es ist DAS Album, das der Sängerin den Titel "Queen of Soul" eingebracht hatte. Dann wäre da noch "This Girl's In Love With You" aus dem Jahr 1970, das kurioserweise einen gewissen Beatles-Song namens "Let It Be" als Single-Veröffentlichung beinhaltet – noch bevor die Beatles ihn als Single veröffentlichen!. Und außerdem noch das hochgepriesene Album "Young, Gifted And Black" mit raren und dafür umso zauberhafteren Eigenkompositionen aus dem Jahr 1972. Bei Aretha Franklin gibt es viel zu entdecken – bis heute.

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