Billy Joel bei einem Konzert in der Stadthalle in Offenbach am 6. Februar 1979. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Dirk Zimmer)

Billy Joel: "The Stranger" (1977) Endgültiger Durchbruch für den Mann am Klavier

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Auch Legenden fallen nicht vom Himmel. Billy Joel erleidet das typische Schicksal eines Berufsmusikers: Bar-Pianist, der rausgeworfen wird. Solo-Debut, das zum Flop wird. Das alles gepaart mit dem Glauben an sich selbst und weiteren Alben, die immer erfolgreicher werden. "The Stranger" macht ihn im Jahr 1977 zum Multi-Millionär.

Nie mehr miese Platten-Deals!

Billy Joel 1977 in New York City (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -  Bobby Bank)
Billy Joel 1977 in New York City picture-alliance / dpa - Bobby Bank

Und das mit dem Multi-Millionär ist wichtig. Denn Joel war in den Jahren davor mit Plattenverträgen ordentlich – man darf es ruhig so drastisch formulieren – auf die Schnauze gefallen. Sein Debut war im Jahr 1971 noch völlig unbemerkt geblieben.

Der Wechsel zu einer anderen Plattenfirma war juristisch alles andere als leicht – und sorgte beim Album Nummer 2 für ein langes Gesicht bei dem Singer-Songwriter. Denn der "Piano Man" war 1973 so eine Art Durchbruch für ihn. Der Titelsong wird zum Klassiker – und das Album erreicht immerhin Gold-Status in den USA. Auf dem Konto landen aber aus heutiger Sicht in Euro umgerechnet und inflationsbereinigt nur 32.000 Euro. Und das ist ein ziemlich schlechter Witz für den Künstler.

So schlecht wird es vertraglich nie mehr für ihn laufen. Seine damalige Ehefrau Elizabeth Weber wird zu seiner knallharten Managerin. Ihr Verhandlungs-Geschick wird bei Plattenfirmen gefürchtet. In "She's Always A Woman" wird das ziemlich deutlich angesprochen!

Beatles-Produzent George Martin sagt nein

1977 ist Billy Joel also ein gestandener Mann im Show-Geschäft. Er darf sich aussuchen, mit wem er es beruflich zu tun haben will. Er ist riesiger Beatles-Fan und für ein neues Album wünscht er sich den legendären Beatles-Produzenten George Martin. Joel besteht aber darauf, dass er seine Live-Band im Studio dabei hat. Martin jedoch – schon immer etwas eigenwillig – weiß: Live-Musiker und Studio-Musiker: Das sind zwei völlig unterschiedliche Paar Stiefel. Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden arbeiten NICHT zusammen.

Stattdessen wählt Joel dann den ebenfalls sehr berühmten Phil Ramone, der kein Problem hat mit Joels Live-Band. Und er hat ziemlich gute Ratschläge. Billy ist beim Titelstück "The Stranger" ratlos. Er hat eine Melodie im Kopf, weiß aber nicht, welches Instrument am besten passen würde. Er pfeift sie dem Produzenten vor, und der sagt ganz einfach: "Wir nehmen dein Pfeifen!". Diese gepfiffene Melodie ist zu einer Art Markenzeichen für Billy Joel geworden.

Billy Joel – Der Meister der kleinen Alltags-Geschichten

Das Album wird zum Sensations-Erfolg – und das nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Kritikern. Sie alle sind sich einig: Hier findet Billy Joel seinen eigenen Stil: eingängige Melodien gepaart mit tollen Texten.

Billy Joel 1979 live in Hamburg (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Hardy Schiffler)
Billy Joel Ende der 70er Jahre live in Hamburg picture-alliance / dpa - Hardy Schiffler

Texten, die typisch für ihn geworden sind, denn Billy Joel ist der Meister der Alltags-Geschichten. In "Movin' Out" erzählt er von einem jungen Mann, der es satt hat in einem Gemüseladen zu arbeiten und in die große weite Welt hinaus will. "I Love You Just The Way You Are" spricht schon als Titel für sich (die Melodie dazu träumt er eines Nachts und muss sie morgens schnell auf Notenpapier bringen). Bei den "Scenes From An Italian Restaurant" kann man sich darauf einstellen, ein ähnlich buntes Personen-Inventar serviert zu bekommen wie in der legendären Kneipe beim "Piano Man". – Laut Billy Joel hat sich der ursprünglich vorgesehene Produzent George Martin später dann sehr anerkennend über das Resultat geäußert. Er habe ihm einen Brief geschrieben mit dem Wortlaut: "Du hattest Recht. Ich hatte Unrecht. Ich hätte Deine Live-Band doch in Betracht ziehen sollen. Glückwunsch!".

Seit 1993 keine neuen Songs mehr

Billy Joel bleibt bis heute ein Phänomen. Mit fast 70 gibt er immer noch Konzerte. Er hat kurioserweise sogar eine Art Konzert-Abo. In seinem geliebten New York gibt er einmal im Monat eine Show im Madison Square Garden. Mit 20.000 Besuchern immer ausverkauft. Touristen reisen extra nach New York, nur um eines der seltenen Konzerte von ihm zu erleben. Neue Musik von ihm gibt es dabei nicht.

Die letzten Kompositionen von ihm stammen aus dem Jahr 1993. Sein Freund Elton John – so Billy Joel erst kürzlich in einem Interview mit dem "Stern" – habe ihn mal als "faul" beschimpft; verbunden mit der Bitte, doch endlich mal neue Songs zu komponieren. Joel habe darauf erwidert: "Elton: Hör Du doch mal auf, ständig neue Platten auf den Markt zu werfen!". – Tja. So von Herzen hundsgemein können nur Kollegen sein!

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