The Beatles (Foto: Pressestelle, EMI -)

Die Beatles: "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" (1967) Kronjuwelen der britischen Musik-Geschichte

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Zeitungs-Artikel, wissenschaftliche Abhandlungen, ganze Bücher und sogar Film-Dokus haben sich mit diesem Beatles-Album auseinander gesetzt.

The Beatles (Foto: Pressestelle, EMI -)
Pressestelle EMI -

Kaum ein anderes Werk der modernen Musik-Geschichte hat über Jahre und Jahrzehnte hinweg so viele intellektuelle Anstrengungen nach sich gezogen. Es begeistert bis heute wegen seiner äußerst komplexen Vielschichtigkeit, bezaubert mit seinen Melodien, verstört aber auch wegen seiner oft heftigen Dissonanzen, die alles andere als melodisch wirken. Alles ist beabsichtigt, hat ein Konzept, wirkt durchdacht und konstruiert. Es ist ein Konzept-Album – aus Zeiten, als es den Begriff noch gar nicht gab.

Die Beatles erfinden sich neu

Wenn man über das Album "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" schreiben oder lesen will, begibt man sich auf eine Reise, die nie aufhört. Damit haben die Beatles selber nicht gerechnet. Das Einzige, was Ihnen 1967 bewusst war, war, dass sie etwas vollkommen Neues schaffen wollten. Etwas, das es bis dahin in dieser Form noch nicht gegeben hatte. Wobei sie aber eingestehen mussten, dass sie sehr gerne in Richtung "Pet Sounds" von den Beach Boys gehen wollten. Jenes Album aus dem Jahr 1966 war aus vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Vor allem war es auch deswegen so bemerkenswert, weil es nicht unbedingt nach Beach Boys klang. Und so klang dann auch "Sgt. Pepper" nicht unbedingt nach Beatles. Das war nicht das, was man gewohnt war. Die Band erfindet sich buchstäblich neu. Die technischen Spielereien waren live nicht darzustellen. Das traf sich. Denn die Beatles hatten ein Jahr davor aufgehört mit der Live-Musik.

Ein Kind seiner Zeit

Wie findet man mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Erstveröffentlichung Zugang zu diesem Werk? Am leichtesten geht das, wenn man unvoreingenommen herangeht – über das Gehör. Zwei Dinge fallen auch dem heutigen Hörer schnell auf: Erstens: Man erkennt unglaublich viele Melodien auf Anhieb. Typisch! Denn die Beatles hatten ja dieses einmalige Talent, unsterbliche Melodien zu erfinden. Dutzendweise!

Das zweite das auffällt: Das Album ist "schräg". Es ist sperrig. Es ist dissonant. Manchmal wird es so grotesk, dass die Musik die Grenzen der Tonalität sprengt. Arnold Schönberg lässt grüßen. Der Drogenkonsum der Band-Mitglieder lässt allerdings auch grüßen! Eine "Durchörbarkeit" kann man hier eigentlich nicht ausmachen. Trotzdem bleibt jeder dran – denn "Sgt. Pepper" ist ein faszinierendes Gesamt-Kunstwerk. Alles ist drin: Rock, Balladen, Pop und psychedelische Einflüsse sind ebenso darauf enthalten wie die Musik Indiens, die George Harrison ja so sehr liebte. Man spürt den "Summer of Love" des Jahres 1967. Man spürt: Dieses Album ist ein Kind seiner Zeit – und doch zeitlos gültig.

Rock’n’Roll? Was denn bitte für Rock’n’Roll?

Beatles (Foto: EMI Music Germany -)
Die Beatles EMI Music Germany -

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Zugegeben: Das Album gilt als Meilenstein der Musikgeschichte. Viele bezeichnen es als das beste Rockalbum der bisherigen Musikgeschichte. Auf allen möglichen Bestenlisten findet es sich ganz weit oben. Aber ist das noch Rock’n’Roll? Paul McCartney legt mit seinem Gesang gleich beim Eröffnungsstück mit einer Leidenschaft los, die man durchaus als "Rock" bezeichnen kann. Aber dann? Trotz aller Lobpreisungen gab es auch einige zeitgenössische Kritiken, die sich an der Musik störten. Das sei kein Rock’n’Roll. Das sei eher als das Ende des Rock’n’Roll zu bezeichnen. Manch einer sieht hier das meist-überschätzte Album der Musik-Geschichte. Und noch im Jahr 2015 bezeichnete Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards das Album als "dasselbe grottige Mischmasch" wie das eigene Stones-Album ’Their Satanic Majesties Request’ aus demselben Jahr 1967. Soviel Selbstkritik ehrt Richards. Dass er aber sowohl die Beatles- als auch die Stones-Scheibe in Richtung "Müll" schiebt, ist wohl ein bisschen übertrieben. Man könnte auch sagen: stark übertrieben.

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