Madonna war im Juli 1990 in Deutschland. Gastiert hat sie in Dortmund mit ihrer "Blond Ambition World Tour" auf. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa - Foto: Franz-Peter)

Madonna: "Like a Prayer" (1989) Im Negligée zwischen brennenden Kruzifixen

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Madonnas Album Like a Prayer von 1989 war ein Skandal und die ganz persönliche Abrechnung mit einer streng katholischen Kindheit. Und trotzdem präsentiert sich Madonna auf diesem Album als eine Gläubige. Wie kann das sein?

Ein Musikvideo schockt das konservative Amerika

Als Madonna 1989 ihr viertes Album "Like a Prayer" herausbringt, gilt sie längst als eine der erfolgreichsten Popsängerinnen weltweit. Trotzdem ist das Album ein neuer Höhepunkt in ihrer Karriere – und eine Provokation. Da wäre zunächst "Like a Prayer", gleichzeitig Albumtitel und erster Track: Hier liegt der Skandal aber gar nicht mal in der Musik, sondern zuallererst im dazugehörigen Musikvideo. Madonna (hier mal nicht blond, sondern schwarzhaarig), tanzt in einem knappen Kleid und mit einem Kruzifix um den Hals über ein Feld voller brennender Kreuze – und wird im Altarraum einer Kirche von einem Mann geküsst, der auch gleichzeitig aussieht wie ein schwarzer Jesus Christus. Und auf einmal hat Madonna Stigmata an den Händen. Ist das Religionskritik?


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Konventionen infrage stellen, das ist für Madonna rebellisch. Auf jeden Fall hat sie die Formel gefunden, um das prüde Amerika zu reizen. Die Formel lautet: Vermische einfach sexuelle und religiöse Symbole! Sie selbst hat 1992 aber in einem Interview gesagt, dass sie ihre Skandale gar nicht so sehr plant, wie es manchmal den Anschein habe.

Madonna Anfang der 90er (Foto: Imago, imago/ZUMA Press -)
Madonna ist für ihre provokanten Videos und Bilder bekannt. (Foto: Anfang der 90er) Imago imago/ZUMA Press -

Geplant oder nicht, "Like a Prayer" hat Konsequenzen: Der Konzern Pepsi stoppt einen geplanten Werbespot und steigt als Sponsor ihrer anstehenden Welttournee aus. Der Vatikan ist stinksauer. Paradoxerweise wird die öffentliche Entrüstung über "Like a Prayer" zur besten Werbung für das Album. In fünf Ländern landet es auf Platz 1 der Charts – auch in Deutschland.

Nur eine Provokation?

Jetzt könnte man denken, Madonna hasst eben die katholische Kirche und will einfach ein bisschen provozieren. Schaut man sich Like a Prayer aber genauer an, feiert dieses Album (das übersetzt nicht zufällig "Wie ein Gebet" heißt) aber den Glauben und die Spiritualität. Im Titelsong "Like a Prayer" ist sogar ein Gospel eingebaut.

Madonna war vier Jahre (1985 bis 1989) mit dem US-amerikanischen Schauspieler Sean Penn verheiratet. (Foto: Imago, imago/United Archives International -)
Madonna war vier Jahre (1985 bis 1989) mit dem US-amerikanischen Schauspieler Sean Penn verheiratet. Imago imago/United Archives International -

Diese paradoxe Beziehung zur Religion zieht sich durch Madonnas Karriere. Immer wieder schmückt sie sich mit Kruzifix oder Rosenkranz. Auch andere Songs des Albums sind mit religiösen Symbolen aufgeladen. "Till Death do Us Part", übersetzt "Bis dass der Tod uns scheidet", ist ein Liebeslied. Der Titel ist eigentlich ein Eheversprechen, das man sich normalerweise bei einer kirchlichen Trauung gibt. 1989 erlebt Madonna aber selbst das Zerbrechen einer Ehe: Ihre Beziehung mit dem Schauspieler Sean Penn geht auseinander.

Madonna und ihre Hassliebe zur katholischen Kirche

Madonna (1987) (Foto: Imago, imago/ZUMA Press -)
Madonna (1987) ist und war sehr wandelbar. Auch heute erfindet sie sich für jedes Album neu. Imago imago/ZUMA Press -

"Oh Father", der achte Track des Albums, ist Madonnas ganz persönliche Auseinandersetzung mit ihrem Vater und ihrer Kindheit. Madonna, eigentlich Madonna Louise Ciccone, kommt aus einer streng katholischen Familie. Als Kind schon verliert sie ihre Mutter, die an Krebs stirbt. Während ihrer Schulzeit besucht sie drei streng katholische Internate, wo sie auch geschlagen wird. Mit 17 flieht sie aus dieser Welt: Sie haut ab nach New York und will Tänzerin werden. Vor diesem Hintergrund erscheint Madonnas Verhältnis zur Religion und zur katholischen Kirche besser verständlich. Interessanterweise hat Madonna mal in einem Interview gesagt, dass die schlimmsten Dinge im Leben gleichzeitig die Besten sein können.


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So ist es vielleicht auch mit ihrem Verhältnis zum Glauben: Er ist ein fester Bestandteil ihres Lebens, von klein an. Gleichzeitig hat sie unglaublich darunter gelitten, wie Glaube bei ihr zu Hause gelebt wurde. Das Musikvideo zu "Oh Father" spielt übrigens auch in einer Kirche. Und "Oh Father" kann neben der Anrede des biologischen Vaters auch der Anfang eines verzweifelten Gebets sein. Der letzte Song des Albums, "Act of Contrition", ist irgendwie eine Mischung aus Gospel und Popsong, begleitet von ziemlich rockigen Gitarrenriffs. Übersetzt heißt der Titel übrigens "Buße". Das Album beginnt also, geht man nur nach den Titeln, mit einem Gebet und endet mit einer Buße. Das ist sicher irgendwo ironisch gemeint, aber "Like a Prayer" wird genau dadurch zu einem Konzeptalbum.
Abseits all der Religionskritik und biografischen Anspielungen: Mit diesem Album etabliert sich Madonna als ernstzunehmende Künstlerin (die Texte hat sie selbst geschrieben). Es ist nicht nur ein Meilenstein in Madonnas Karriere, sondern auch ein Meilenstein der Popmusik.

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