Bobby Kimball beim Toto-Konzert in Berlin (1984) (Foto: Imago, imago/BRIGANI-ART -)

Toto: "IV" (1982) Wie aus Stars Weltstars werden

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Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Die US-Rockband Toto legt in den 70ern schon eine respektable Karriere hin. 1982 sorgen ihre Mainstream-Ohrwürmer aber für Verkaufszahlen, die durch die Decke gehen.

Zum letzten Mal in der starken Ursprungs-Besetzung

Toto sind im Erfinden von Melodien ziemlich kreativ; bei Titeln für ein Album tun sie sich allerdings schwer – jedenfalls bei Nummer vier. Im Jahr 1982 will ihnen nichts einfallen – also wird die LP total kreativ mit der römischen vier "IV" geschmückt. Die sechsköpfige Band kommt hier zum letzten Mal in ihrer Ursprungsbesetzung zusammen: Sangesfreudige Truppe, die sie sind, können gleich vier von ihnen ordentlich singen: Bobby Kimball (Lead- und Background-Gesang), Steve Lukather (außerdem Gitarre), Steve Porcaro (außerdem Keyboard) und David Paich (außerdem ebenfalls an den Keyboards zu finden). Dazu kommen noch Bassist David Hungate und Kult-Drummer Jeff Porcaro (Bruder von Steve). Dass die sechs das letzte Mal in dieser Zusammensetzung miteinander zu tun haben, liegt daran, dass zwei von ihnen im Anschluss an das Album "IV" draußen sind: Bassist Hungate will einfach mehr bei seiner Familie sein und zieht von Los Angeles ins 3.000 km entfernte Nashville. Und Lead-Sänger Bobby Kimball ist wegen seines Drogen-Problems unhaltbar geworden. Er hatte sich zu allem Übel nicht nur die Gesundheit, sondern auch noch die Stimme ruiniert.

Toto Bandmitgieder (Foto: SWR)
Alle Bandmitglieder von Toto nachdem sie 1983 ihre sechs Grammys in Los Angeles gewonnen haben (von links nach rechts: Jeff Porcaro, Steve Porcaro, Michael Porcaro, Dave Paich, David Hungate, Bobby Kimball und Steve Lukather)

Sogar ein Ex-Eagle macht mit

Ex-Eagles-Mitglied Timothy B. Schmidt (1996) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / dpa/AFP -)
Ex-Eagles-Mitglied Timothy B. Schmidt hilft als Background-Sänger bei Toto aus (Bild 1996) picture-alliance / dpa/AFP -

"IV" hat einen relativ langen Entstehungsprozess; monatelang werkelt man im Studio rum. Die Truppe steht unter Druck. Denn die Plattenfirma ist unzufrieden. Das Debut-Album war mit über vier Millionen verkaufter Alben ein Überraschungs-Hit. Aber bei Album Nummer zwei und drei hatten sich diese Zahlen jeweils halbiert. Die Drohung stand im Raum, bei der nächsten "Halbierung" aus dem Vertrag rausgekickt zu werden.

Filmmusik-Komponist James Newton Howard (2017) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Katerina Sulo -)
Filmmusik-Komponist James Newton Howard sorgt für das opulente Arrangements bei "IV". (Bild 2017) picture alliance / Katerina Sulo -

Ein Erfolg musste also ganz dringend her. Deswegen der große Zeitaufwand im Studio. Und deswegen auch die Rückbesinnung auf das so erfolgreiche Debut-Album. Damals waren Klassiker wie "Georgy Porgy" und "Hold The Line" entstanden – mit sattem Drumsound und berauschendem Klangteppich aus Streichern und Synthezisern. Genau diese Mischung soll wieder her. Und die Truppe holt sich viel Hilfe von außen: Ex-Eagles-Mitglied Timothy B. Schmidt hilft als Background-Sänger aus. Filmmusik-Komponist James Newton Howard sorgt für opulente Arrangements. Zahlreiche Gastmusiker sorgen speziell bei Percussion und Blechbläsern für ein regelrechten Klang-Bad.

Sechs Grammys als Belohnung – zusätzlich zum vielen Geld

Toto (1984) (Foto: Imago, imago/ZUMA Press -)
Toto (1984) Imago imago/ZUMA Press -

Aber so blitzblank die Produktion sein mag (für die die Band übrigens auch den "Best Production"-Grammy bekommen wird, da sie selbst produziert hatte): Das nutzt alles nichts, wenn die Melodien nicht sitzen. Aber genau das tun sie; und wie! "Rosanna" und "Africa" werden als Singles zu Welthits, die unvergessen bleiben. Sie puschen den Verkauf des Albums in ungeahnte Höhen. Alleine im ersten Jahr nach Veröffentlichung gehen über 5 Millionen Exemplare über den Ladentisch. Und der Erfolg hört in den Jahren danach nicht auf. Bis heute ist "IV" mit über 12 Millionen verkaufter Exemplare das erfolgreichste Toto-Album überhaupt. Sechs Grammys gibt es als Krönung oben drauf:

  1. Album des Jahres.
  2. beste Produktion.
  3. beste Single des Jahres (für "Rosanna").
  4. bester Klang.
  5. bestes Gesangs-Arrangement (für "Rosanna") und
  6. bestes Instrumental-Arrangement (ebenfalls für "Rosanna").

Toto ruhen sich im Anschluss nicht auf ihren Lorbeeren aus. Sie sind vielgefragte Studio-Musiker. Was heute nicht so bekannt ist: Michael Jacksons "Thriller" aus dem Jahr 1983 ist ein halbes Toto-Album – denn die Band prägt den Sound dort massiv mit. Und die mittlerweile zu Superstars avancierten Musiker sind sich nicht zu schade, auch noch einer anderen Band musikalisch unter die Arme zu greifen: Im selben Jahr machen sie noch tüchtig mit bei "Chicago". Deren Album Nummer "16" wird ein unerwartet großer Erfolg – vielleicht auch deswegen, weil so viel Toto darauf zu finden ist.

Toto heute (Foto: Sony Music Germany -)
Toto heute Sony Music Germany -
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