Chaka Khan (Foto: Imago, Imago -)

Chaka Khan: "I Feel For You" (1984) Funk-Musik in völlig neuem Klang-Gewand

Ein Meilenstein der Musikgeschichte

Spirituelle Namensfindung, Auto-Zeitschriften und Hip-Hop-Pioniere. Wie Chaka Khan zum Weltstar wird.

Frag doch einfach bei Rufus nach

"Ain´t Nobody". Das ist irgendwie automatisch immer der Titel, der Musikfreunden in Deutschland einfällt, wenn die Rede von Chaka Khan ist. Dabei fällt in einem Atemzug automatisch auch immer der Name "Rufus". Also, wenn wir schon dabei sind, Chaka Khans 80er-Jahre-Klassiker vorzustellen, sollten wir hier auch mal ein bisschen Aufklärung in Namens-Dingen betreiben.
Erstens: Chaka Khan heißt gar nicht Chaka Khan. Natürlich nicht, will man da fast schon sagen. Das ist selbstverständlich ein Pseudonym. Ihr eigentlicher Name ist Yvette Marie Stevens. Dass ihr der Künstlername von den Black Panthers gegeben worden sei, hat Chaka Khan allerdings von sich gewiesen. Das sei ein spiritueller Name gewesen, der ihr schon mit 13 Jahren vorgeschlagen worden war. Und dass sie mit 17 einen gewissen Hassan Khan geheiratet hatte, spielt bei der Namensfindung natürlich auch eine Rolle.
Bereits als 19-Jährige ist die in Chicago geborene Sängerin bei der Funkband Rufus als Sängerin engagiert. Rufus wiederum ist eine Truppe, bei der zwar viele, viele Leute mit den unterschiedlichsten Namen mitmachen – aber einen Rufus sucht man dort vergeblich. Band-Mitglieder entscheiden sich als Gag für diesen Namen – damals gibt es in einer bekannten Zeitschrift für Auto-Fans eine populäre Kolumne. Bei Fragen rund ums Auto solle man doch einfach bei einem gewissen Rufus nachfragen. Der Titel der Kolumne - "Ask Rufus" - wird kurzerhand zum Band-Namen. Er wird später dann einfach zum "Rufus" gekürzt.

Der Meilenstein: Bloß weg vom Klang der Blechbläser!

Rufus ist das Sprungbrett für Chaka Khan. Denn sie wird schnell zum Aushängeschild der Gruppe. Ihre Stimme ist unverkennbar. Sie ist gekennzeichnet dadurch, dass sie sowohl einen dunkel timbrierten Soul hat als auch glockenhell klingt. Nach nur fünf Jahren verlässt Chaka Khan die Band – bleibt aber auf Jahre hinaus regelmäßig im engen musikalischen Kontakt mit ihren Kollegen. Solo ist sie dann allerdings sofort ein noch größerer Star als innerhalb des Band-Projekts. Das Duo Ashford and Simpson schreibt ihr „I´m Every Woman“ auf den Leib. Damit gelingt ihr 1978 ein riesiger Hit (der später auch von Whitney Houston gecovert wird). Als Solo-Künstlerin veröffentlicht sie fast im Jahrestakt erfolgreiche Alben. Und jetzt – also im Jahr 1984 – kommt Album Nummer fünf heraus: "I Feel For You". Die LP ist in jeder Hinsicht ein Meilenstein, denn hier passiert etwas mit der Funk- und RnB-Musik – sie klingt völlig anders. Denn wo sie vorher noch instrumental von Blechbläsern getragen war, ist sie nun elektronisch geprägt. Der für uns heute völlig normale Syntheziser-Klang der 80er Jahre ist damals ziemlich innovativ.

Hip-Hop-Pioniere, Prince und Stevie Wonder. Die Mischung macht´s!

Auch wenn man es dem Album nicht unbedingt anhört: Der Aufwand an Gastmusikern ist enorm. Im Booklet werden insgesamt 32 verschiedene Personen gelistet. Ebenso beeindruckend ist, dass die gerade mal 10 Titel von 13 verschiedenen Produzenten betreut worden sind. Der größte Single-Hit wartet dabei natürlich mit dem prominentesten Gast auf: Die ziemlich kecke Mundharmonika bei "I Feel For You" kommt von Stevie Wonder. Das Lied ist übrigens eine Coverversion. Das völlig unbekannte Original kam 1979 von Prince! – Auch musikhistorisch interessant: Es ist das erste Mal, dass bei einem RnB-Song ein Rap eingebaut wird. Der im Jahr 1984 immer noch sehr junge Hip Hop wird hier von einem gewissen "Grandmaster Melle Mel" vertreten. Er genießt bis heute Kultstatus, weil er einer der Autoren des Hip-Hop-Songs "The Message" von „Grandmaster Flash and the Furious Five“ war. Der eher bedächtige Song über das Leben in amerikanischen Großstadt-Ghettos war samt des dazugehörigen Videos vom Fleck weg zum Klassiker geworden. Und das war immerhin schon im Jahr 1982. Chaka Khan hat also ein sehr genaues Gespür für die Strömungen der Zeit. Und die immerhin vierfache Grammy-Preisträgerin liegt damit genau richtig. Für das Album "I Feel For You" bekommt sie Grammy Nummer fünf: in der Kategorie "Beste weibliche RnB-Gesangs-Performance" (und fünf weitere werden in ihrer langen Karriere noch folgen!). Nur logisch, dass diese LP bis heute die kommerziell erfolgreichste Scheibe der Sängerin ist.

Chaka Khan mit 66 (Foto: SWR)
Mit 66 Jahren weiterhin mit voller Power!

"100 Prozent Chaka!"

Zu einem runden Geburtstag sagt sie einmal über sich selbst: "40 Jahre auf der Bühne und 60 Jahre auf der Erde. Zusammen ergibt das 100 Prozent Chaka!". Mittlerweile ist sie 66. Und da fängt das Leben ja bekanntlich erst an. Mögen ihr und ihren Fans noch viele weitere bewegte Jahre ins Haus stehen…

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